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Über dieses Buch

Die Europäische Union galt lange Zeit als rein säkulare politische Gemeinschaft, in der Religion nicht zu thematisieren sei. Mit der viel beschworenen Rückkehr der Religionen und der Idee der postsäkularen Gesellschaft stellt sich diese Frage ganz neu. Die verstärkte Aufmerksamkeit für die gesellschaftliche Bedeutung von Religion speist sich mittlerweile aber auch aus dem europäischen Integrationsprozess selbst. In dem Maße, wie sich die EU nicht mehr nur als wirtschaftliches Projekt versteht, sondern auch als politische Union und Wertegemeinschaft, kommt der Frage nach dem gesellschaftlichen Zusammenhalt Europas – gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten – eine wachsende Bedeutung zu. Diesen Wandel greift der Band auf. Er verfolgt einerseits die Frage einer gemeinsamen Identität in Europa und untersucht andererseits die konkreten religionspolitischen Konsequenzen, die sich mit dem Vertrag von Lissabon ergeben haben und nun die Religionspolitik der Europäischen Union und ihr Verhältnis zu den Mitgliedsländern wie zur internationalen Staatenwelt prägen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Religion, europäische Identität und die Formierung einer europäischen Religionspolitik – Einführung

Zusammenfassung
Die Europäische Union erlebt schwierige Zeiten. Im Gefolge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise sind eine ganze Reihe ihrer Länder in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten geraten. Deren wachsende Staatsverschuldung bei sinkender Wirtscbaftsleistung haben aus der internationalen Immobilien- und Finanzkrise von 2008 in Europa eine Wirtschaftskrise werden lassen, die die gemeinsame Währung bedroht und damit eines der wichtigsten politischen Projekte der europäischen Integration der jüngeren Zeit gefährdet (Beckert/Streeck 2012).
Antonius Liedhegener, Ines-Jacqueline Werkner

Religion und europäische Identität

Religion und Religionsfreiheit als Komponenten einer europäischen Identität

Zusammenfassung
„Wie hält es die Europäische Union mit der Religion?“ Im Programm der dieser Frage gewidmeten Tagung schien auch das Thema „Religion und enropäische Identität“ auf. Anstoß dazu gaben wohl Diskussionen, die vor Jabren anIässlich des Projekts einer „Verfassung für Europa“ geführt worden waren, vor allem über den Text der Präambel, ob in diesen das religiöse Erbe Europas und seine eventuelle Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung aufgenommen oder gar eine nominatio Dei eingefügt werden sollte.
Heinrich Schneider

Religiosität in Europa und die politische Unterstützung der europäischen Integration – ein bezugsloses Nebeneinander?

Zusammenfassung
Zu den für die Europäische Integration wichtigsten Debatten in den letzten Jahren zählten die über eine Legitimitätskrise der Europäischen Union und nach den Mechanismen zur Überwindung dieser Krise (Arnull/Wincott 2002; Karolewski/Kaina 2006; Marks/Hooghe 2003; Moravcsik 2003, 2006; Thomassen/Schrnitt 1999). Aus dieser Diskussion entstand seitens der verantwortlichen Entscheidungsträger eine Vielzahl an politischen und institutionellen Veränderungen.
Gert Pickel

Religiöser Europäismus – Die Zukunft einer Idee

Zusammenfassung
Kaum ein anderes Thema beherrscht seit geraumer Zeit die öffentlichen Debatten wie die internationale Schuldenkrise. Der Fokus fällt dabei insbesondere auf den europäischen Währungsraum. Die Krise des Euros als Gemeinschaftswährung verdankt sich gewiss vielen Faktoren.
Christian Polke

Identität und kulturelles Gedächtnis. Erinnerungsorte am Mittelmeer als Bausteine einer europäischen Nachbarschaftspolitik im Arabischen Frühling

Zusammenfassung
Eine der Grundentscheidungen, die fiir das Fundament der europäischen Mittelmeerpolitik seit 1995 getroffen wurden, stellt die weitgehende säkulare Versiegelung der Erinnerung an die jahrhundertelangen Konflikte der Christenheit und des Islams dar.
Mariano Barbato

Religion und Religionsgemeinschaften im geltenden Recht der Europäischen Union

Zur Genese des europäischen Religionsverfassungsrechts als responsiver Ordnung – oder: Der europäische Stiersprung

Zusammenfassung
Das Verhältnis Europas zur Religion ist von Beginn an nicht spannungsfrei. Der Mythos weist den Göttern und mit ihnen der Religion eine eher unrühmliche Rolle zu, wurde doch Europa von Zeus in Gestalt eines Stieres nach Kreta verschleppt und missbraucht (Ranke-Graves 2001 : 173ff.).
Michael Droege

„In Anerkennung ihrer Identität und ihres besonderen Beitrags“ – Der Dialog der EU mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften als Grundlage und Kernstück europäischer Religionspolitik

Zusammenfassung
Mit dem Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon am I. Dezember 2009 (Weidenfeld 2008; MarchettilDemesmay 2010; Leiße 2010; Callies 2010; Hummer/Obwexer 2009; FastenrathlNowak 2009) ist mit Artikel 17 der so genannte Kirchenartikel in den bisherigen EG-Vertrag, nun Vertrag über die Arbeitsweise der Union, eingefügt worden (Schnabel 2011 b).
Matthias Belaft

Auf dem Weg zu einem europäischen Religionsverfassungsrecht? – Aktuelle Überlegungen aus deutscher Perspektive

Zusammenfassung
In seinem Opus magnum „Europäische Verfassungslehre“ konstatiert der Bayreuther Verfassungsrechtler Peter Häberle, dass sich schon seit dem Vertrag von Maastricht bis zur Grundrechte-Charta ein „begrenzendes und ‚anregendes‘ Religionsverfassungsrecht als Teilverfassung Europas etabliert“ habe (Häberle 2011: 524). hn alltäglichen Geschäft europäischer Rechtsetzung werden demgegenüber die Anregnogen eher als aufregend empfunden, wofür gerade das europäische Antidiskriminierungsrecht in seinen Auswirkungen ein herausragendes Beispiel ist
Ansgar Hense

Die Finanzierung von Religionsgemeinschaften und das Recht der Europäischen Union

Zusammenfassung
Die Europäische Union wählte im Jahr 2000 die Losung „In Vielfalt geeint“ zu ihrem Motto. Damit wird nur scheinbar ein bereits erreichtes Ziel beschrieben. Die europäische Integration zeigt sich für jeden, der sich mit ihr näher beschäftigt, vielmehr als fortdauernde Aufgabe.
Björn Griebel

Religionspolitik der Europäischen Union und ihr Verhältnis zur Staatenwelt

Mehr als Binnenmarkt und Laizismus? Die neue Religionspolitik der Europäischen Union

Zusammenfassung
Obschon nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg christdemokratische Impulse und damit religiöse Einstellungen, Ansichten und Überzeugungen für die Anfangsphase der europäischen Integration eine wichtige Rolle gespielt haben, ist es eine unbestreitbare Tatsache, dass die europäische Integration auf dem Weg von der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl über die Europäische Gemeinschaft der sechs Gründerstaaten der Römischen Verträge und ihre allmähliche räumliche Erweiterung um weitere Staaten in Westenropa lange Zeit vor allem ein Projekt zur Schaffung eines gemeinsamen Wirtschaftsraums war.
Antonius Liedhegener

Säkularmacht EU? Zur Europäisierung von Religion in EU-Mitgliedsstaaten

Zusammenfassung
Die politikwissenschaftliche Forschung zum Verhältnis von Religion und Politik in westlichen Demokratien war lange vom Paradigma der Säkularisierung gekennzeichnet, welches eine marginale Rolle von Religion als soziales Phänomen infolge von Modernisierungsprozessen postulierte.
Carina Sprungk

Das Europaverständnis der orthodoxen Kirchen im Zuge der Europäisierung

Zusammenfassung
Seit der politischen Vertiefung der EU, die mit dem Maastrichter Vertrag 1993 einsetzt, und einer damit einhergehenden religionspolitischen Dimension europäischer Einigung (Behr/Hildebrandt 2006; Kaddor 2007; Budelacci/Toggenburg 2004; Waschinski 2007; Seeger 2008; Malik 2010) ist ein Prozess der Institutionalisierung, Professionalisierung und Spezialisierung kirchlicher Strukturen auf der europäischen Ebene und eine europäische Erweiterung des politischen Handlungsraumes und des Wahrnehmungshorizontes kirchlicher Akteure zu beobachten (Müller-Graff/Schneider 2003; Weninger 2007; Berkmann 2008; Liedhegener/Gerstenhauer 2008, Böllmann 2010).
Lazaros Miliopoulos

Die Rolle der EU im internationalen interreligiösen Dialog – Forum, Förderer, Facilitator

Zusammenfassung
Die Europäische Union ist eine säkulare, religiös neutrale internationale politische Organisation, die den Beitrag der Religionen und Religionsgemeinschaften zur Europäischen Einigung positiv würdigt und im konstruktiven, förmlichen Dialog mit den Vertretern von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften steht. Sie respektiert auch religionslose und nichtreligiöse Weltanschauungen, ist aber nicht laizistisch und basiert auf den Grundsätzen der Toleranz und der Nichtdiskriminierung, die auch als juristische Prinzipien ihre Gesetzgebung und Politik bestimmen.
Peter Bender

Eine Neubewertung militanter politischer Religion

Zusammenfassung
Debatten über militante politische Religion scheinen sich in Extremen zu bewegen: Einerseits werden religiös motivierte politische Akteure als besonders gewaltbereit charakterisiert. Andererseits ist es nicht klar ob und wie religiöse Motivationen politische Auseinandersetzungen substanziell beeinflussen.
Ludger Viefhues-Bailey

Backmatter

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