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Über dieses Buch

Welche Möglichkeiten gibt es, jenseits von klassischen Führungen Wissen zu vermitteln? Wie motiviere ich erwachsene Lernende zum Mitarbeiten auf einer Exkursion? Welche Kompetenzen kann ich im Gelände schulen? Das vorliegende Buch bietet Ihnen systematische, lehr- und lerntheoretische fundierte Arbeitshilfen für die Vorbereitung und Durchführung von Exkursionen, zudem Anregungen für die Exkursionsgestaltung in verschiedenen Arbeitsbereichen. Es zeigt auf, wie didaktische Möglichkeiten mit institutionellen Gegebenheiten in Einklang gebracht werden können. Sie erfahren, wie die unterschiedlichen Optionen, einen Raum zu begehen, die Umwelt zu interpretieren oder kulturelle Praktiken zu erkennen in eine strukturierte, zielorientierte Lehrveranstaltung umgesetzt werden können. Das Buch eröffnet Ihnen eine breite Palette innovativer Zugänge zu Exkursionen und liefert dazu konkrete Beispiele für Lehr- und Lernmaterialien. Praktische Tipps zu Voraussetzungen, Kosten, Vorbereitungs-, Durchführungs- und Nachbereitungsaufwand runden die Beiträge ab und geben Ihnen eine optimale Starthilfe für die Konzeption, Planung und Durchführung eigener Exkursionen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Frontmatter

Kapitel 1. Der Nutzen von Exkursionen für die Studierenden: Lernerfolg, fachliche Identität und soziale Integration

Zusammenfassung
Exkursionen bieten Studierenden einen vielfachen Nutzen. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist die Steigerung des Lernerfolgs, die durch verschiedene Faktoren erreicht werden kann. Dazu zählen – wie hier basierend auf einer Metastudie zu lernerfolgsfördernden Variablen erläutert wird – die verstärkte soziale Interaktion, die ständige Verfügbarkeit der Lehrpersonen, die Anregung zu sinnstiftendem Lernen und die gute Verständlichkeit der Erläuterungen. Zusätzlich entwickeln Studierende gerade bei Exkursionen eine fachliche Identität, die sie auf den Diskurs mit anderen Disziplinen genauso vorbereitet wie auf den Eintritt ins Arbeitsleben. Oft entwickelt sich darüber hinaus auf Exkursionen der Wechsel von einer Konsumhaltung zum engagierten Lernen und Anwenden. Darüber hinaus können Exkursionen die außerfachliche Bildung sowie die Bindung an die jeweilige Hochschule stärken.
Astrid Seckelmann

Kapitel 2. „Welt-Anschauungen“ statt „Medien-Erfahrungen“

Zur Rolle von Auslandsexkursionen im Fach Geographie
Zusammenfassung
Im Rahmen des Geographiestudiums bildeten Exkursionen immer eine wichtige Lehrveranstaltung. Deren Inhalte haben sich seit Etablierung des Faches als Hochschulwissenschaft und Schulfach allerdings mehrfach gewandelt. An die Stelle von Überblicksexkursionen zu Land und Leuten sind neue Lehr- und Lernformen getreten, welche Praxiselemente einschließen, den Konstruktionscharakter von „Geographical Imaginations“ dekonstruieren, „Weltanschauung“ aufgrund eigener Anschauung entwickeln und den medialen Sekundärinformationen Erfahrungen aus erster Hand gegenüberstellen. In Zeiten internationaler Globalisierung vermitteln Exkursionen Regionalkompetenz und Augenmaß bei der Beurteilung von wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen auf der Erde, in besonderem Maße mit Blick auf die Länder des globalen Südens.
Hans Gebhardt

Kapitel 3. Die Perspektive der Lehrenden: Institutionelle Einbindung und persönliche Qualifikation

Zusammenfassung
Lehrende, die Exkursionen durchführen, müssen unterschiedlichsten Anforderungen gerecht werden: fachlichen, didaktischen, institutionellen und persönlichen. Hochschulen können sie bei diesen Herausforderungen durch unterschiedliche Maßnahmen unterstützen. Dazu gehört neben finanzieller und administrativer Unterstützung die curriculare Einbindung von Exkursionen in Studiengänge. Damit soll u. a. eine faire und transparente Anerkennung des Arbeitsaufwandes von Lehrenden und Studierenden gewährleistet werden. Wesentlich ist zudem die hochschuldidaktische Aus- und Weiterbildung, in der neben den unterschiedlichen Methoden im Gelände zu arbeiten auch angemessene Prüfungsformen thematisiert werden sollten.
Astrid Seckelmann

Exkursionsdidaktische Konzepte: Erprobt und reproduzierbar

Frontmatter

Kapitel 4. Einsatz von Kartierungsarbeiten in der Exkursionsdidaktik: Selbständige Erarbeitung landschaftsgenetischer Prozesse

Zusammenfassung
Am Beispiel eines Gletscherpfades in den Ötztaler Alpen wird in diesem Kapitel beschrieben, wie kartographische Arbeiten im Gelände auf Exkursionen eingesetzt werden können. Die hier beschriebene Konstruktion des Gletscherlehrpfades basiert auf einer glazialmorphologischen bzw. landschaftsgenetischen Kartierung. Hierbei müssen kartographische wie auch thematische Fähigkeiten miteinander kombiniert und zu einem neuen Ergebnis – einem Lehrpfad – verknüpft werden. Die Wahl thematischer Schwerpunkte ist dabei nicht auf physisch geographische Themen bzw. die Landschaftsentwicklung beschränkt, sodass dieses Lehrformat auch auf andere Fachrichtungen angewendet werden kann.
André Baumeister

Kapitel 5. Alpine Landschaft als Lernort (Riedingtal, Salzburger Land)

Physisch-geographische Geländemethoden als Teil von Exkursionen
Zusammenfassung
Physisch-Geographische Geländearbeit findet nicht immer, aber häufig als Teil von Exkursionen statt. Der Beitrag stellt ein Lehr-Lernkonzept vor, das eine Exkursion zur alpinen Forschungsstation mit einem Geländepraktikum integriert. Die handlungsorientierte Arbeitsexkursion systematisiert und strukturiert den Lernprozess entlang des Mensch-Umwelt-Systemverständnisses. Im Vordergrund steht die Bearbeitung von Fragestellungen, die sich in der vereinfacht formulierten Forschungsfrage subsummieren lassen: Wie steuert das Klima- und Hydrosystem das Landschaftssystem eines inneralpinen Tales? Die Exkursion mit Geländepraktikum aktiviert kognitive und konstruktivistische Herangehensweisen. Die Struktur des Lernprozesses und die Auseinandersetzung mit den einzelnen Fragestellungen erfordert, dass die Studierenden ihr Handeln selbstständig steuern in Hinblick auf Planung, Durchführung und Kontrolle bzw. Reflektion der Zielerreichung und Verinnerlichung der Abläufe im Handlungsrepertoire. Bei der Leistungsbewertung wird darauf Wert gelegt, dass die in den einzelnen Modulen bereits erlernten Methoden auch zur Anwendung kommen (Datenaufnahme, Dateninterpretation, statistische Auswertungen, graphische Darstellung etc.). Die Arbeit in Kleingruppen, die alle drei Teilmodule des Geländepraktikums nacheinander durchlaufen und die Gestaltung der Aufgabenstellungen garantiert, dass die Lehrveranstaltung nur gemeinsam und durch Nutzung geteilter Ressourcen (Messgeräte, Aufnahmebögen, Arbeitsmittel) erfolgreich absolviert werden kann. Dies schafft die Notwendigkeit, die Gruppenarbeit selbstorganisiert und effektiv zu gestalten.
Herbert Weingartner, Sandra Münzel, Matthias Marbach, Angela Hof

Kapitel 6. Wildnisbildung – ein Exkursionskonzept im Rahmen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung

Zusammenfassung
Das Konzept der Wildnisbildung knüpft am aktuellen Diskurs zum Thema Wildnis an, der durch eine naturschutzfachliche und naturschutzpolitische Perspektive im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung geprägt ist. Wildnisbildung weist ein besonderes Potenzial innerhalb der universitären Exkursionsdidaktik auf, da vielfältige Lehr- und Lernorte der wilden und verwildernden Natur in Bildungsprozesse eingebunden werden. Dazu zählen zum Beispiel Großschutzgebiete wie Nationalparke, Brachflächen, ehemalige Bergbaugebiete und Truppenübungsplätze, Auwälder sowie (Stadt-)Wälder, Parkanlagen und Gärten. Das Verweilen in der wilden und verwildernden Natur ist zentraler Bestandteil des Bildungskonzeptes. Der Beitrag stellt ein wahlobligatorisches Studienmodul zur Wildnisbildung vor, das aus einem mehrtägigen Aufenthalt in einem Wildniscamp sowie vor- und nachbereitenden Seminaren besteht. Ziel ist es, potenzielle Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, insbesondere angehende Lehrerinnen und Lehrer, im Bereich der Wildnisbildung zu professionalisieren. Die in der Wildnisbildung genutzten Lernumgebungen zeichnen sich durch einen bewussten Verzicht auf zivilisatorische Annehmlichkeiten aus, sodass davon ausgehend Lebensstilfragen (z. B. Konsumverhalten, Ressourcenverbrauch) sowie das individuelle und gesellschaftliche Verhältnis von Mensch und Natur analysiert und reflektiert werden. Eingebettet sind diese individuellen Erkenntnisprozesse in Aspekte des fachlichen Lernens, beispielsweise zu den Themen Wildnis, Naturschutz, Ökosystemausstattung und Artenvorkommen.
Fabian Mohs, Anne-Kathrin Lindau

Kapitel 7. Das Würzburger Modell der Lehr-Lern-Exkursion

Exkursionsdidaktik jenseits des Elfenbeinturms: Lehramtsstudierende führen Mehrtagesexkursionen mit Schülerinnen und Schülern durch
Zusammenfassung
An Hochschuldozierende und Lehrkräfte von Schulen, die an einer Verknüpfungsmöglichkeit von exkursionsdidaktischen Lehrveranstaltungen und tatsächlich durchgeführten mehrtätigen Schülerexkursionen interessiert sind, richtet sich der Beitrag „Das Würzburger Modell der Lehr-Lern-Exkursion“. Das Konzept ist seit nunmehr 20 Jahren in der Würzburger Geographiedidaktik erprobt und wird stetig weiterentwickelt. Zunächst wird ein Überblick zu den Rahmenbedingungen des Seminar– und Exkursionskonzepts gegeben. Es folgen praktische Hinweise, die auch den Aufwand des Vorhabens deutlich machen. Nach der Definition des Konzeptbegriffs liefern die Autoren einen umfangreichen Einblick in die durch die Lehr-Lern-Exkursion zu erwerbenden und aufzubauenden Kompetenzen – aus Sicht aller Akteure: Schülerinnen und Schüler, Studierende, begleitende Lehrkräfte und Hochschuldozierende. Die Struktur des Seminar- und Exkursionskonzepts, welches sich in Vorbereitungs-, Durchführungs- und Nachbereitungsphase gliedert, wird ausführlich dargestellt. Zum Schluss werden Exkursionsbeispiele aus verschiedenen Schularten und Jahrgangsstufen, welche die beiden Autoren in den letzten Jahren durchführten, dargeboten.
Thomas Amend, Daniel Wirth

Kapitel 8. Das Fragenstellen als Methode der Raumerschließung – Selbstorganisierte Exkursionen von Studierenden für Studierende

Zusammenfassung
Exkursionen zählen in der Geographie zu den grundlegenden Methoden, die der Raumerkundung und -erschließung im Gelände dienen. Ein Ziel von Exkursionen ist es, Erkenntnisgewinnungsprozesse bei Studierenden vor allem durch Wahrnehmungsprozesse anzubahnen. In diesem Zusammenhang besitzt das Entwickeln von Fragen große Potenziale, da dem Fragenstellen als Strategie im Erkenntnisgewinnungsprozess eine hohe Bedeutung zugesprochen wird. Im vorliegenden Beitrag wird ein Konzept vorgestellt, in dem eine Exkursion von den teilnehmenden Studierenden selbst organisiert wird. Im Rahmen eines Vorbereitungsseminars planen die Studierenden in Kleingruppen jeweils einen Exkursionstag einer siebentägigen Exkursion in die nördliche Toskana (Italien). In der vorlesungsfreien Zeit wird die Exkursion von den einzelnen Exkursionsgruppen durchgeführt und im Anschluss täglich ausführlich reflektiert. Das Exkursionskonzept wird durch die Methode des Fragen-an-den-Raum-Stellens geprägt, indem diese Strategie der Erkenntnisgewinnung den Fokus auf den konkreten Exkursionsraum richtet. Die von den Studierenden vor, während und nach dem Studienmodul gestellten Fragen begleiten den gesamten Planungs-, Durchführungs- und Reflexionsprozess der Exkursion. Durch diesen konstruktivistischen Zugang können die Studierenden ihren individuellen Interessen nachgehen und Schwerpunkte im Exkursionsraum wählen. Das Exkursionskonzept stellt ein gelungenes und bewährtes Beispiel für die Verknüpfung von fachlichem und fachdidaktischem Lernen dar.
Anne-Kathrin Lindau, Tom Renner

Kapitel 9. Vom Ort zur virtuellen Welt – Studierende designen in Wien eine VR-Exkursion zu nachhaltiger Stadtentwicklung

Zusammenfassung
Der Beitrag stellt ein Exkursionsformat vor, welches das Ziel hat, dass Studierende durch das Designen von Virtual-Reality-Exkursionen den Themenkomplex „Zukunftsfähige Städte“ vertieft reflektieren und diskutieren. Die Exkursion ordnet sich thematisch in einen Zweig der (globalen) Stadtentwicklungsforschung ein, in welchem Aspekte wie Resilienz, Smart Cities, Green Cities, Kreativität und Nachhaltigkeit diskutiert werden. Fachlich soll die Exkursion dazu dienen, Vor-Ort Hinweise und Spuren zu diesen verschiedenen Feldern aufzuspüren und sie hinsichtlich ihrer Relevanz für eine VR-Exkursion zu deuten und zu diskutieren. Die Studierenden haben hierzu selbst eine Exkursion in der Stadt Wien durchlaufen, bei der sie nach einer fachlichen Einarbeitung mit 360 Grad-Kameras die Grundlage für die VR-Exkursion erstellen. Mittels Software werden die Aufnahmen in browserbasierte Virtual-Reality-Umgebungen umgesetzt, die mit einfachen VR-Brillen oder mit Tablets in der geographischen Hochschullehre genutzt werden können. Die Exkursion in Wien wurde nach einem konstruktivistischen Paradigma in Form einer Spurensuche durchgeführt. Die Studierenden arbeiteten zunächst in der Rolle von Forschenden und dann in der Rolle von Designenden. Im Mittelpunkt standen forschendes Lernen und Kreativität, aber auch Körperbewusstsein und Emotionalität. Dieses Vorgehen ist eng damit verbunden, dass das immersive Instrument der Virtual Reality seine Wirkung durch Körperbezug und Raumerleben entfaltet.
Katharina Mohring, Nina Brendel

Kapitel 10. Das Smartphone als Exkursionsführer – mit „Digital Guides“ unterwegs flexibel lernen

Zusammenfassung
Ein „Digital Guide“, also Material, das online zur Verfügung gestellt wird und auf mobilen Geräten abrufbar ist, ermöglicht es Studierenden, Exkursionen unabhängig von Gruppenterminen selbstständig durchzuführen. Das erlaubt ihnen die Selbstbestimmung nicht nur in der Wahl des Zeitpunktes, sondern auch bzgl. der Schwerpunkte der Exkursion, mit denen sie sich intensiver auseinandersetzen möchten. Auch aus Lehrendenperspektive kann dieses – mit einem hohen Vorbereitungsaufwand verbundene – Angebot sinnvoll sein, wenn einige Bedingungen erfüllt sind. So sollten z. B. die Lernziele mit der Vermittlung deklarativen Wissens vereinbar sein und die Veranstaltung öfter wiederholt werden. Die inhaltliche Aufbereitung des Themas erfolgt durch kurze Bausteine, die aus Text, Audio- oder Videodateien, Fragen oder Gaming-Elementen bestehen können. Dementsprechende technische Ressourcen müssen zur Verfügung stehen. Erfahrungen über einige Jahre hinweg haben gezeigt, dass ein Teil der Studierenden diese Form der Exkursion begrüßt, während andere den persönlichen Kontakt mit Studierenden und Lehrenden vor Ort präferieren. In jedem Fall sollte das Angebot in ein Blended Learning-Konzept eingebunden sein.
Astrid Seckelmann

Kapitel 11. Zettelchaos ade! Mit dem Feldbuch planvoll, strukturiert und forschend-entdeckend arbeiten

Zusammenfassung
Feldbücher sind Arbeitsbücher für Exkursionen, die dem selbstständigen, forschend-entdec–kenden Erarbeiten und Erkunden von Sachverhalten im Zielgebiet dienen und hierfür relevante Karten, Abbildungen, Tabellen, Informationen und Arbeitsaufträge zu einzelnen Themengebieten enthalten. Darüber hinaus dienen sie als Sammelmedium für Anschauungsmaterialien zur Visualisierung studentischer Beiträge vor Ort. Anlass für die Idee der Feldbucherstellung und die entwickelte Konzeption war die gängige Praxis auf Exkursionen, dass Studierende wesentliche Inhalte meist unsystematisch auf Zetteln oder oft gar nicht niederschrieben und Begleitmaterialien bei studentischen Vorträgen häufig zu klein oder nicht in der entsprechenden Anzahl der Teilnehmer/innen präsent waren. Hieraus entstand der Gedanke, bereits im Vorfeld der Exkursion ein Arbeitsbuch für jede Teilnehmerin/jeden Teilnehmer zu erstellen, welches die wichtigsten Arbeitsmaterialien sowie Arbeitsaufträge und methodische Hinweise zur Erarbeitung vor Ort enthält. Jeder Exkursionsteilnehmer erhält ein Exemplar zu Beginn der Exkursion ausgehändigt und hat dieses als ständigen Begleiter stets bei sich. Durch geschickte Mischung von visuellen Elementen mit Aufgaben mit forschend-entdeckendem Charakter tragen Feldbücher in hohem Maß zur Qualitätssteigerung von (geographischen) Exkursionen bei. Darüber hinaus dienen sie als ein Baustein für die Bildung einer Gesamtnote einer großen Exkursion.
Thomas Amend

Kapitel 12. Verknüpfung von realen und virtuellen Exkursionen in der Ausbildung von Geographielehrerinnen und -lehrern

Zusammenfassung
Studierende des Lehramtes bearbeiten auf realen Exkursionen, die weltweit stattfinden, in Kleingruppen ein Studien- und Forschungsprojekt. Sie erheben Daten entsprechend ihrer Forschungsfrage und werten diese aus. So führen sie z. B. Interviews mit Experteninnen und Experten, Einheimischen, führen Beobachtungen durch, kartieren usw. Zur Auswertung der Daten werden wissenschaftliche Auswertungsmethoden angewendet. Nach der Datenauswertung und der Einbindung in den wissenschaftlichen Kontext erstellen die Studierenden nach der Exkursion auf der Basis ihres Studien- und Forschungsprojektes Unterrichtsmaterialien für den Geographieunterricht der Sekundarstufe I und II, die dann online als virtuelle Exkursion für alle Interessierten zur Verfügung gestellt werden. Diese können im Geographieunterricht eingesetzt werden. Bislang liegen aktuelle Unterrichtsmaterialien zu verschiedensten Themen wie Nachhaltigkeit, Landwirtschaft, Tourismus usw. vor sowie zu Räumen wie Kuba, Vietnam, Argentinien usw.
Alexandra Budke, Miriam Kuckuck, Frederik von Reumont

Exkursionsdidaktik im außeruniversitären Kontext: Von der Bildung bis zur Beteiligung

Frontmatter

Kapitel 13. Stadtspaziergänge zur individuellen Erkundung und Reflexion der städtischen Umgebung

Zusammenfassung
Ein gängiger Anwendungskontext der Exkursionsdidaktik außerhalb der Hochschule ist die Vermittlung von Wissen über Stadtteile in Form von (touristischen) Führungen. Als didaktische Erweiterung kann das stärker interaktive Konzept der Stadtspaziergänge angesehen werden, bei dem der Fokus auf angeleitete, aber individuell durchgeführte Erkundungen und Reflexionen der Stadtumgebung liegt. Beim Spazieren durch die Stadt werden mithilfe von Materialien und Vorschlägen die Wahrnehmung gezielt auf bestimmte Elemente gelenkt, es werden persönliche Bezüge hergestellt und spielerisch neue Perspektiven und Wissensformen vermittelt. Die hier vorgestellten Methoden sind Elemente von selbstentwickelten Stadtspaziergängen, die gemeinsam mit Kooperationspartnerinnen und -partnern durchgeführt wurden. Sie reichen vom achtsamen Beobachten und einer Fotorallye über die Verortung von Gefühlen und Wissen auf einer eigenen Karte und der Beobachtung von thematischen Dimensionen der Stadt bis zur Dokumentation und Reflexion der Erkenntnisse mittels einer Mehr-Schichten-Karte und einer Installation namens Urbaner Reflektor. Die Methoden werden hinsichtlich der Zielsetzung und ihrer Anwendungsmöglichkeiten mit vielen Tipps und Projektbeispielen beschrieben.
Mona Ende

Kapitel 14. Exkursionsdidaktik mobil – Studierende entwickeln eigene App-Touren

Apps aus der Hochschule für die Öffentlichkeit
Zusammenfassung
Wir nutzen fast alle täglich zahlreiche Apps, diese jedoch selbst mit Inhalten zu füllen ist weder üblich noch in der fundierten wissenschaftlich-didaktischen Forschung weit verbreitet, obwohl sich neue hochinteressante Untersuchungsfelder eröffnen. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigten gerade in der Exkursionsdidaktik ein weitreichendes Potenzial. Im vorliegenden Projekt entwickelten Studierende mit Hilfe von Apps eigene digitale Führungen und vermittelten neue wissenschaftliche Erkenntnisse an unterschiedliche Zielgruppen außerhalb der Hochschule. Bei der Generierung von App-Touren wechseln sie aus der rezeptiven Rolle in die Rolle von aktiven Wissensvermittlern. Die Erstellung ist mittlerweile auch ohne Programmierkenntnisse und die Anwendung von Geographischen Informationssystemen möglich und bietet für das wissenschaftliche Arbeiten eine interessante Alternative zu Hausarbeiten oder Präsentationen. Die fertigen Apps stellen einerseits eine Prüfungsleistung im Rahmen des universitären Studiums dar und fördern andererseits gleichzeitig im Sinne des Ansatzes Service Learning ein lebenslanges Lernen in der Öffentlichkeit. Die Qualitätssicherung der App-Entwicklung erfolgte durch die Einbindung des methodisch-didaktischen Ansatzes Heritage Interpretation.
Anna Chatel

Kapitel 15. Exkursionen in der Erwachsenenbildung – Die Anwendung des länderkundlichen Schemas am Beispiel landwirtschaftlicher Produktion

Zusammenfassung
Das Kapitel beschreibt ausgewählte Anwendungsmöglichkeiten von Exkursionen in der Erwachsenenbildung. Durch die Anwendung der schematischen Länderkunde wird eine Verknüpfung zwischen landwirtschaftlichen Produkten und der Entwicklung des Natur- und Kulturraums geschaffen. Den Teilnehmern kann durch die schematische Gliederung der Länderkunde ein gedankliches Konstrukt an die Hand gegeben werden, welches eine bessere Festigung des neu erlangten Wissens ermöglicht. Darüber hinaus werden die intensiven Zusammenhänge zwischen dem menschlichen Handeln und den natürlichen Ressourcen bzw. dem Naturraum deutlich hervorgehoben.
André Baumeister
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