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Über dieses Buch

Victor Kempf konfrontiert in seiner sozialphilosophischen Studie zwei konträre Paradigmen der Kapitalismuskritik. Dem populären Exodus aus den normativen Vermittlungsformen der bürgerlichen Gesellschaft stellt er den beiseitegelassenen Versuch einer emanzipatorischen Einklagung ihrer uneingelösten Freiheits- und Gleichheitsversprechen gegenüber. Er verteidigt diesen Ansatz einer immanenten Kapitalismuskritik gegen seine Fundamentalzurückweisung, die den Exodus ontologisch begründen soll. Gleichzeitig verweist das Motiv des Exodus auf eine historische Stillstellung des reformistischen Kritik- und Fortschrittsmodells durch kapitalistische Wachstums- und Allgemeinwohlimperative. Nur in der zeitdiagnostischen Rekonstruktion dieser Kooptierung kann die Radikalität einer immanenten Kapitalismuskritik wiedergewonnen werden.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Kapitalismuskritik heute: Jenseits dialektischer Vermittlung

Die neuerliche Systemkrise des Kapitalismus hat einen Kontext der Empörung erzeugt, in dem die Lethargie der Posthistoire (vgl. Fukuyama 1989) durchbrochen wurde. Zumindest zeitweilig gelangte die öffentliche Thematisierung der gegenwärtigen Verwerfungen kapitalistischer Gesellschaften über die unbestimmte Stimmungslage einen bloßen Unbehagens hinaus und spitzte sich in konkreten Aktionen des Protests, des Widerstands und der Verweigerung zu. Die Besetzung des Zuccotti Park an der Wall Street durch eine bunt-gescheckte Multitude im Spätsommer 2011 kann als Höhepunkt dieser Zuspitzung gelten.
Victor Kempf

Kapitel 2. Tausch als Ausbeutung: Anfangsgründe der radikalen Kapitalismuskritik

Die Entstehung und Entwicklung des Operaismus im Nachkriegsitalien der 1960er und 70er Jahre ist als eine Bewegung der Radikalisierung untrennbar verbunden mit einer spezifischen Wiederaneignung marxscher Denkmuster und Grundmotive der Kapitalismuskritik. Der Bruch mit korporatistischen Instanzen des Interessenausgleichs sowie mit jeglicher reformistischen Praxis und Programmatik überhaupt begründet sich theoretisch mit einer Lesart des marxschen Werkes, welche ihre gesamte Wucht aus der ständigen Fokussierung des Klassenantagonismus und aus der damit zusammenhängenden restlosen Verwerfung aller Ansätze einer dialektischen Vermittlung gesellschaftlicher Gegensätze und Spannungen zieht.
Victor Kempf

Kapitel 3. Vom Liberalismus zum Sozialismus: Der radikale Reformismus der Anerkennungstheorie

Marx und die Operaisten verwerfen die bei Proudhon vorzufindende hegelsche Dialektik. Denn deren Impuls würde, statt auf eine reale Transzendierung der Klassengesellschaft hinzuwirken, nur ihre ideologische Mystifikation betreiben. Die wechselseitige Anerkennung, die die Parteien im Äquivalententausch auf der normativen Ebenen füreinander bekunden, die egalitäre Gerechtigkeitsfigur, die hierbei immer implizit mitschwingt, täusche systematisch über den Ausbeutungscharakter dieses Verhältnisses hinweg, anstatt auf irgendeine Art, und sei es auch nur ansatzweise, an ihm zu rütteln.
Victor Kempf

Kapitel 4. Exodus aus jeder Vermittlung: Der radikale Anti-Reformismus des Operaismus

Honneths Anerkennungstheorie birgtdie Perspektive einer Kapitalismuskritik, welche ihren Ansatzpunkt noch in den normativen Grundlagen der bürgerlichen Gesellschaft selbst findet, ohne sich damit gleichzeitig schon an deren faktische Klassengestalt angepasst zu haben. Vielmehr unterstellt gerade die urliberale Vorstellung eines ausgeglichen Tauschverkehrs auf Grundlage zwangloser Assoziierung eine auf gleiche Freiheit gegründete Anerkennungsordnung des Marktes, welcher solange nicht entsprochen werden kann, wie asymmetrische Klassenstrukturen die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung systematischer Ausbeutung und struktureller Abhängigkeit, mithin realer Unfreiheit preisgeben.
Victor Kempf

Kapitel 5. „Remain & Revolt!“: Zusammenfassung und Ausblick

Meine Arbeit nahmihren Ausgang von einer neuerlichen Aktualität der Kapitalismuskritik, die sich in der Alterglobalisierungs- und Occupy-Bewegung, sowie in den mikropolitischen Alternativpraktiken des Commoning zeigt und dessen radikaler Kern durch denoperaistischen Begriff des Exodus theoretisch reflektiert werden kann. Dieser Exodus besteht in einer restlosen Zurückweisung aller normativen und institutionellen Vermittlungsstrukturen der bürgerlichen Moderne. Aus ihnen desertiert der Exodus, um jenseits der bürgerlichen Vermittlungslogiken des Tausches und des Eigentums den Kommunismus der Multitude im Sinne einer prinzipiell unmittelbaren Assoziation der Singularitäten erstarken zu lassen, deren modus operandi die Liebe darstellt.
Victor Kempf

Backmatter

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