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18.10.2017 | Expansion | Interview | Onlineartikel

"Wachstum entsteht am Markt"

Autor:
Andrea Amerland

In Unternehmen gibt es Bremser und Wachstumstreiber. Diese aufzuspüren, ist der erste Schritt zu profitablen Wachstum, meint Guido Quelle. Letztendlich beginnt Wachstum aber immer oben, ist sich der Springer-Autor sicher.

Springer Professional: Nicht der Markt oder die Politik sind für das Wachstum eines Unternehmens entscheidend, betonen Sie in Ihrem Buch, sondern die Unternehmen selbst. Diese müssen von innen heraus wachsen. Doch oft gibt es viele Bremsen. Welche sind das?

Guido Quelle: Wachstum beginnt innen und Wachstum wird von innen gebremst, das muss man sich klar vor Augen halten. In meinem Buch "Profitabel wachsen“ gehe ich dezidiert auf typische Bremsen in den einzelnen Fachbereichen von Unternehmen ein, denn wir finden – unternehmensspezifisch – Bremsen in nahezu jeder Abteilung. Selten handelt es sich dabei um Vorsatz, fast niemand steht morgens auf mit der Absicht, seinem Unternehmen zu schaden und genau das macht es schwierig, die Bremsen zu finden und zu eliminieren, weil ja jeder meint, er tut etwas Gutes. Gut gemeint ist aber nicht automatisch gut gemacht. Am wirkungsvollsten – im negativen Sinne – sind die Bremsen übrigens im Vertrieb. Hier kann Wachstum besonders schnell ausgebremst werden.

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Wie Sie interne Bremsen lösen und Ihrem Unternehmen neuen Schub geben

Wachstum kommt von innen. Nicht die Politik, die Konjunktur oder das Wetter sind für den Unternehmenserfolg verantwortlich, das zeigen Unternehmen, die auch bei schlechten Rahmenbedingungen wachsen. 

 

Was sind die wichtigsten Faktoren für mehr Wachstum, wenn alle diese Bremsen erkannt und gelöst wurden?

Wachstum beginnt oben. Dies bedeutet dreierlei: Oben im Kopf, oben in der Unternehmensführung und oben in der ersten Zeile der Gewinn-und-Verlustrechnung, beim Umsatz. wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass derjenige, der bremst, stärker ist, als derjenige, der am Markt Gas gibt, um diese Metapher einmal zu bemühen. Der Bremser sitzt immer am längeren Hebel. Um Wachstum zu generieren, ist profitabler Umsatz notwendig. Was so profan klingt, ist in der Unternehmenspraxis gar nicht so selbstverständlich, denn Diskussionen über interne Ablaufprobleme, Kostensparpotenziale und andere interne Dinge dominieren oft die tägliche Agenda. Erörterungen über die Wachstumsstrategie, Arbeiten an der Vertriebsstrategie, Diskussion über Wachstumspotentiale, Innovationen, neue Geschäftsfelder sind oft Fehlanzeige. Diese Gespräche darüber und die damit verbundenen Umsetzungsprojekte sollten aber die unternehmerische Wirklichkeit beherrschen. Kostensparen hat seine Grenzen, nach schlank kommt mager. Wachstum entsteht am Markt.  

Aber auch dabei gibt es Fallstricke. Sie warnen davor, Wachstum mit "Mehr des Gleichen“ gleichzusetzen. Was meinen Sie damit?

Ein sehr wichtiger Punkt. Es wird so viel über die vermeintlichen Grenzen des Wachstums gesprochen, aber diese Grenzen sind allzu oft gar nicht existent. Nehmen wir ein Beispiel: Wenn ich heute noch Fernsehgeräte mit einer Kathodenstrahlröhre produzieren würde, wäre mein Unternehmen pleite. Die Technik hat sich weiterentwickelt und hat LCD, Plasma, LED, OLED, HDTV, Streaming, und so weiter hervorgebracht. Das Bedürfnis dahinter – und dadurch entsteht das Wachstum –, nämlich die visuelle Aufnahme von Informationen oder die visuelle Unterhaltung, ist aber das gleiche geblieben. Setze ich auf ein einzelnes Produkt oder eine Produktfamilie, ist dies "Mehr des Gleichen" und Wachstum ist begrenzt, schließlich benötigt fast niemand den achten Fernseher daheim, aber wenn ich mich auf Bedürfnisse konzentriere, ist Wachstum unbegrenzt. 

Welche Rollen spielen dabei Unternehmenskultur und Mitarbeiter?

Kultur und Mitarbeiter spielen eine große Rolle. Wir müssen aber mit einem Irrtum aufräumen: Eine Unternehmenskultur ist nichts, was man projektmäßig bilden oder verändern könnte. Das ist ein Irrglaube, der durch viele Personalabteilungen geschürt wird, dadurch aber nicht richtiger wird. Einige Unternehmen ergehen sich in Projekten zur Veränderung der Unternehmenskultur und wundern sich, dass die Projekte lange dauern, viel Geld kosten und nichts bringen. Kein Wunder, denn Mitarbeiter glauben nicht das, was sie lesen in "Die zehn Leitsätze unserer Unternehmenskultur", oder das, was sie auf Tagungen hören. Mitarbeiter glauben das, was sie täglich erleben. Wachstum beginnt eben oben und hier kommt der Unternehmensführung eine wesentliche Vorbildfunktion zu. Ich habe mal von jemandem gelesen, der behauptete, man dürfe Führungskräften nicht die Pflicht auferlegen, Vorbild sein zu müssen. Ja, was denn dann? Wer, wenn nicht die Führungskräfte? Nein, wir brauchen Vorbilder und daher kommt den Mitarbeitern auch eine wesentliche Rolle zu, denn sie sind die Träger des Wachstums und wenn man in ein Unternehmen kommt, sieht man sehr schnell, ob hier mehr Bremser am Werk sind oder mehr Wachstumstreiber.    

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