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23.09.2013 | Expansion | Im Fokus | Onlineartikel

China als Innovationsstandort für deutsche Firmen

3 Min. Lesedauer

Jedes dritte deutsche Unternehmen entwickelt in China Produkte für den lokalen Markt. Um erfolgreich zu sein, müssen Anbieter gerade im Reich der Mitte innovativ sein, schreiben die Springer-Gastautoren Ulrich Frenzel und Max Zenglein.

Längst ist China für deutsche Unternehmen nicht mehr nur verlängerte Werkbank. Angesichts der hohen Wachstumsdynamik auf dem chinesischen Binnenmarkt lautet das Motto jetzt „Made for China“ statt „Made in China“. Dabei lassen sich Produkte nicht einfach auf den chinesischen Markt übertragen. Deutsche Anbieter müssen innovativ sein, denn Abnehmer im Reich der Mitte haben andere Bedürfnisse als deutsche Kunden und sind heute anspruchsvoller. Zudem hat sich der Wettbewerb mit lokalen Konkurrenten verschärft, die  ebenfalls massiv in zukunftsfähige Produkte investieren. Diese neue Wettbewerbssituation wird sich noch zuspitzen, da die chinesische Staatsregierung die Innovationsführerschaft anstrebt und dafür Milliarden an Fördergeldern bereitstellt.

In den deutschen Firmen hat bereits ein Umdenken eingesetzt, wie eine aktuelle Befragung der deutschen Handelskammer in China gemeinsam mit der Unternehmensberatung Staufen AG unter mehr als 500 Betrieben zeigt: Knapp jedes dritte deutsche Unternehmen entwickelt bereits vor Ort neue und signifikant verbesserte Produkte für den lokalen Markt. Inzwischen basieren knapp 60 Prozent der in China von deutschen Unternehmen angemeldeten Patente zumindest teilweise auf lokalen Forschungs- und Entwicklungsprojekten. China ist also bereits Innovationsstandort für deutsche Firmen geworden – und diese Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren noch beschleunigen.  

Premium-Produkte für den lokalen Markt

Nahmen Innovationen in den vergangenen fünf Jahren lediglich bei gut 20 Prozent der Unternehmen, die in China tätig sind, eine „sehr wichtige“ Rolle ein, steigt dieser Wert in der Betrachtung der kommenden fünf Jahre fast um das Doppelte. Dabei geht es nicht um kleinere Anpassungen, sondern um neue oder entscheidend verbesserte Lösungen für den chinesischen Markt.

In China wird oft unter völlig anderen Bedingungen gearbeitet als in Deutschland. Viele Industriekunden benötigen keine  Premium-Produkte, sondern robuste und technisch einfache Maschinen zu günstigen Preisen. In dieser Hinsicht müssen sich die deutschen Unternehmen in ihrer Geschäftsstrategie allerdings noch stärker auf den chinesischen Markt einstellen. Im Bereich Maschinenbau ist laut einer Studie des Branchenverbands VDMA vor allem das mittlere Marktsegment für die Positionierung deutscher Unternehmen in China wichtig. Es wird sich in den nächsten 3 bis 5 Jahren voraussichtlich zum größten Teilsegment entwickeln. Durch neue Kunden in diesem Bereich können deutsche Anbieter das Marktpotential in China weiter ausschöpfen. Dabei sollten sie ihre Stärken aus dem Premium-Segment auf die lokalen Bedürfnisse anpassen.

Partner vor Ort ist wichtig

Auf lange Sicht sind die Innovationsaktivitäten deutscher Unternehmen in China erfolgreich, wenn die lokale Anbindung gelingt, denn die Partner vor Ort kennen die Kundenbedürfnisse sehr genau. In dieser Hinsicht besteht in vielen deutschen Firmen, die auf dem chinesischen Festland tätig sind, Nachholbedarf: In mehr als jedem zweiten Unternehmen entscheiden fast ausschließlich deutsche Manager über Innovationsaktaktivitäten auf dem chinesischen Festland. In Taiwan und Hongkong dagegen kommen die verantwortlichen Manager aus der Region selbst – in diesen Märkten sind die Innovationsaktivitäten deutscher Unternehmen deutlich fortgeschrittener, wie die dort ebenfalls durchgeführte Befragung zeigt.

Die Erfahrungen von deutschen Unternehmen in Taiwan und Hongkong zeigen, dass Innovationen langfristig angelegt sind und damit nicht von konjunkturellen Entwicklungen beeinflusst werden sollten. Zwar mag die Angst vor einem Wachstumseinbruch in China derzeit groß sein, auf die F&E-Aktivitäten europäischer Unternehmen im Reich der Mitte darf dies jedoch keinen Einfluss haben. Der nächste Schritt für deutsche Firmen besteht jetzt darin, die chinesischen Niederlassungen in die globalen Entwicklungsaktivitäten einzubinden oder sogar Entwicklungszentren in China zu etablieren.

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