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16.11.2018 | Expansion | Im Fokus | Onlineartikel

Künstliche Intelligenz als Rekord-Wachstumstreiber

Autor:
Annette Speck

Fahrerlose Autos hier, Chatbots dort – Künstliche Intelligenz macht sich im Alltag breit. Viele Deutsche beurteilen sie zwar skeptisch, doch Studien prognostizieren enormes Wachstum durch KI. Der Wettbewerb ist eröffnet.

Nach dem Internet der Dinge ist künstliche Intelligenz (KI) das nächste Hypethema in der Wirtschaft. Doch auch hier scheiden sich die Geister. Laut einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov unter 2.000 Personen im August 2018 halten nur 45 Prozent der Befragten das Nutzen-Risiko-Verhältnis von künstlicher Intelligenz für ausgewogen. Ein Viertel bewertet das Risiko höher. Lediglich für 15 Prozent überwiegt der Nutzen.

Wie sehr künstliche Intelligenz aber die Wirtschaft umtreibt, zeigten gerade erst Messen wie die Internationale Funkausstellung oder die Digitalmesse Dmexco. Bei beiden stand das Thema weit oben auf der Agenda. Die Ergebnisse der Deloitte-Studie "Technology, media, and telecom get smarter" unterstreichen das große Interesse an Artificial Intelligence (AI) gerade im Medien- und Kommunikationsbereich. Demnach profitieren bereits 40 Prozent der Unternehmen aus den Branchen Technologie, Media und Telekommunikation (TMT) "substanziell" von künstlicher Intelligenz.

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KI-Effekte stärker als die Dampfmaschine

Das McKinsey Global Institute (MGI) setzt nun mit seiner Analyse "Notes from the Frontier. Modelling the impact of AI on the world economy" noch eins drauf: Künstliche Intelligenz habe ein größeres ökonomisches Potenzial als einst die Dampfmaschine, schreiben die Autoren. Deren jährlicher Wachstumseffekt habe bei 0,6 Prozentpunkten gelegen. KI könne hingegen das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2030 zusätzlich im Schnitt um 1,2 Prozent steigern. Dies bedeute einen zusätzlichen globalen Wertschöpfungsbeitrag von 13 Billionen US-Dollar. Für Deutschland wird sogar ein leicht überdurchschnittliches BIP-Wachstum von 1,3 Prozentpunkten prognostiziert, ebenso wie für China. Noch besser sehen die Erwartungen für Schweden (1,7 Prozent) und die USA (1,5 Prozent) aus.

Für ihre Untersuchung befragte das MGI weltweit 3.000 Unternehmen aus 14 Branchen zur Adaption unterschiedlicher KI-Technologien. Diese wurden in fünf Anwendungskategorien unterteilt: Automatische Bilderkennung, natürliche Sprache, virtuelle Assistenten, roboter-basierte Prozessautomatisierung sowie fortgeschrittenes maschinelles Lernen. Ausgehend von ihren Befragungsergebnissen erwarten die Forscher, dass bis 2030 circa 70 Prozent der Unternehmen mindestens eine der genannten KI-Technologien nutzen werden.

Deutschland hinkt hinterher

"Unternehmen integrieren künstliche Intelligenz zunehmend in ihre Kernprozesse. Das wirtschaftliche Potenzial ist riesig", betont Peter Breuer, Seniorpartner bei McKinsey in Köln. KI werde zu einem Wettbewerbsfaktor und könne Unterschiede zwischen Unternehmen, aber auch Ländern vergrößern.

Deutschland kann bis dato allerdings nicht auf große "Wettbewerbsvorteile durch künstliche Intelligenz" hoffen, denn die meisten Unternehmen hierzulande haben in den letzten Jahren vor allem bestehende Prozesse optimiert. "Die wichtige Aufgabe, mithilfe der Technologie neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, haben andere Länder besser erfüllt", warnen Peter Buxmann und Holger Schmidt (Seite 197).

Risikoaversion lähmt Fortschritt

Auch McKinsey-Partner Breuer, der in Deutschland zwar theoretisch genügend Kapazitäten sieht, um KI-Innovationen voranzubringen, meint: "Nachlegen müssen wir bei den Investitionen im Bereich Forschung und Entwicklung.“ Er verweist dabei auf Chinas ungleich höheres Investitionspotenzial. 2017 seien bereits 48 Prozent der weltweiten Investitionen für AI-Startups (15,2 Milliarden US-Dollar) in chinesische Gründungen geflossen.

Doch nicht nur die Investitionen in KI-Firmen, sondern auch die Anwendungen sind in Asien und Amerika deutlich ausgeprägter als in Europa. "In Asien haben bereits 15 Prozent und in Amerika zwölf Prozent der Unternehmen KI-Algorithmen im Einsatz. In Deutschland beträgt dieser Wert dagegen nur sieben Prozent [...]", heben die Springer-Autoren Buxmann und Schmidt hervor (Seite 198). Die Spitzenposition von Asien und insbesondere China resultiere auch aus einer gezielten Industriepolitik.

Für Deutschland und Europa gilt es nun, gegenzuhalten. Buxmann und Schmidt fassen hierzu den aktuellen Stand zusammen (Seiten 198/199):

Europa im KI-Rückstand

Die Gründe

(Geplante) Gegenmaßnahmen der Politik

Risikoaverse Herangehensweise europäischer Unternehmen an Digitalthemen

Deutschland:

Zurückhaltende Nutzung von Daten zur Einführung neuer digitaler Geschäftsmodelle

Frankreich:

  • KI-Initiative / Forschungsförderung in Höhe von 1,5 Mrd. Euro

Ein anderes Datenschutz-Verständnis in Europa, das KI-Anwendungen komplizierter und teurer macht bzw. teilweise (auch aus ethischen Gründen) ganz verhindert. Beispiel: Gesichtserkennung.

EU:

  • Bis 2020 Investition von mindestens 20 Mrd. Euro aus privater und öffentlicher Hand in KI-Technologien
  • Austausch von nicht-personenbezogenen Daten innerhalb der EU soll ausgeweitet werden
  • Unterzeichnung der "Declaration of cooperation on Artificial Intelligence" beim Digital Day im April 2018

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