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27.08.2019 | Expansion | Im Fokus | Onlineartikel

Internationalisierung von Unternehmen lohnt sich

Autor:
Andrea Amerland

Die geopolitischen Risiken haben zugenommen. Dennoch sollten sich Mittelständler nicht von der Internationalisierung ihres Unternehmens abschrecken lassen. Denn viele von ihnen haben das Potenzial, global neue Märkte zu erschließen.

Der Eintritt in ein internationales Marktumfeld ist ein klassisches Mittel der Expansion, dass sich bewährt hat. Insbesondere für den Exportweltmeister Deutschland haben sich das Auslandsgeschäft und die Internationalisierung als gewinnträchtig erwiesen. Bislang. Denn seitdem Donald Trump mit Strafzöllen und anderen Sanktionen den Welthandel zugunsten einer America-first-Strategie torpediert, der Brexit droht, der Klimawandel nicht mehr negiert und die Dieselkrise nicht beendet werden kann, ist Internationalisierung für Unternehmen schwieriger geworden.

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Wie die Studie Unternehmensperspektiven 2019 im Auftrag der Commerzbank zeigt, für die 2.000 Eigentümer und Manager der ersten Führungsebene aus Unternehmen aller Größenordnungen und Branchen befragt wurden, bewerten Unternehmenslenker die internationale Ausrichtung ihres Geschäfts zunehmend als Gefahr. Über Dreiviertel der nicht exportierenden deutschen Unternehmen nennt demnach Bürokratie als das größte Problem im Auslandsgeschäft (77 Prozent). Auf Platz zwei werden fehlende Fachkräfte in Deutschland genannt (71 Prozent), auf Platz drei politische Unsicherheiten im Ausland (68 Prozent). Preisschwankungen bei Rohstoffen sowie Einfuhrzölle stellen weitere Hürden dar (57 Prozent)

Internationalisierung erhöht Wettbewerbsfähigkeit

Die geographische Ausdehnung ökonomischer Aktivitäten über die nationalen Grenzen hinaus hat also seine Tücken. Dennoch gibt es gute Argumente, die für eine Expansion ins Ausland sprechen. Laut Commerzbank-Studie sind vor allem die hohe Wettbewerbsfähigkeit und Nachfrage nach deutschen Produkten im Ausland (81 Prozent), die Digitalisierung (78 Prozent) sowie günstige Finanzierungsbedingungen (73 Prozent) die Treiber.

Doch während derzeit große Unternehmen weiterhin mit Diversifizierung und Innovation neue Märkte (48 Prozent), etwa in Schwellenländern (17 Prozent) erschließen, konzentrieren sich kleinere Unternehmen stärker auf den deutschen Markt. So passen laut Studie Mittelständler mit bis zu 15 Millionen Euro Jahresumsatz ihre Auslandsaktivitäten an, indem sie sich stärker auf den deutschen Markt (46 Prozent) und den EU-Binnenmarkt (41 Prozent) fokussieren, um die wirtschaftspolitisch begründeten Risiken zu umschiffen. Einen Rückzug aus einem Absatzmarkt planen am häufigsten Unternehmen mit Handelsbeziehungen in die Türkei (33 Prozent). Ein Patentrezept im Umgang mit dem immer unberechenbarer werdenden internationalen Geschäftsfelder zeichnet sich in den Studienergebnissen allerdings nicht ab. 

Insgesamt 52 Prozent aller Unternehmen vertreiben Produkte beziehungsweise Dienstleistungen im Ausland. Im verarbeitenden Gewerbe sind es laut Studie sogar 77 Prozent. Aber anders als noch in der Analyse von 2007 planen heute nur sechs Prozent der Unternehmen, ganz neu ins Auslandsgeschäfte einzusteigen. 

Formen internationaler Handelsbeziehungen

Doch bei der Internationalisierung eines Unternehmens gibt es einiges zu beachten. So gilt es, vorab zu klären, welche Form des Markteintritts für eine Firma der richtige ist. Matthias Sure, Springer-Autor und Professor für Unternehmenssteuerung und Internationales Management an der Hochschule Fresenius in Köln, unterscheidet zwischen vier grundlegenden Formen internationaler grenzüberschreitender Handelsbeziehungen. Dazu gehören neben den klassischen Export- und Importaktivitäten noch Transithandel, Veredelungsgeschäfte und Kompensationsgeschäfte, schreibt er über die Grundlagen der Internationalisierung

Wie Mittelständler auf dem internationalen Parkett bestehen

Hidden Champions kombinieren ihren engen Marktfokus allerdings oft mit einer internationalen Präsenz, schreibt Holger Reinemann, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Springer-Autor, in dem Buchkapitel "Wachstumsphase – Schwellen der Unternehmensentwicklung" auf Seite 122. Dies gelte als ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Innovationsprozess. "Mit der Globalisierung der Aktivitäten können neben dem Wachstum auch Skaleneffekte realisiert werden, die Kostennachteile gegenüber Großunternehmen zumindest teilweise kompensieren", so Reinemann.

Da Mittelständler zumeist mit geringer Ressourcenausstattung in vielen Märkten mit internationalen Großkonzernen konkurrieren, "erscheint die Wahl einer Nischenstrategie nahezu unausweichlich, wenn ein positiver Unternehmenserfolg erzielt werden soll", empfiehlt Reinemann. "Empirische Ergebnisse weisen genau in diese Richtung", heißt es auf Seite 118. 

Global ist Bildung von Konzern- und Holdingstrukturen nötig

Mittelständler müssen sich darüber im Klaren sein, dass die Internationalisierung zumeist in der Etablierung von Tochtergesellschaften in den jeweiligen Zielländern münde und dass das Unternehmen immer mehr ein heterogenes Produktprogramm entwickelt. Damit sei auch die Bildung von Konzernstrukturen verbunden. "Es wird von Konzernen gesprochen, wenn mehrere rechtlich selbstständige Unternehmen unter einheitlicher Leitung eines herrschenden Unternehmens zusammengefasst sind", definiert Reinemann.

Wie die Struktur des Stammhauses und der Tochtergesellschaften letztendlich aussehen soll, hänge vom Produktportfolio und den strategischen Zielen ab, führt der Springer-Autor weiter aus. So eigne sich eine Holdingstruktur "für mittlere und große Mehrproduktunternehmen, die sich ein hohes Maß an strategischer und struktureller Flexibilität erhalten oder verschaffen wollen", schreibt er auf Seite 94.

Vorteile Holdingstruktur

Nachteile Holdingstuktur

  • Große strategische und strukturelle Flexibilität
  • Flache Hierarchien sind möglich
  • Klare Zuordnung von Aufgaben, Verantwortung und Kompetenzen
  • Nutzung von steuerlichen Vorteilen
  • Förderung des unternehmerischen Denkens und Handelns
  • Latente Gefahr von Widerständen der Tochtergesellschaften gegenüber der Holding
  • Tendenz zu übertriebenen Kontrollaktivitäten der Holding
  • Emotionale Spannungen zwischen den Mitarbeitern der Töchter und der Holding

Quelle: Holger Reinemann, Mittelstandsmanagement (2019), Seite 94.

Chancen der Internationalisierung für den Mittelstand

Mit der Internationalisierung sind eine Reihe von Chancen verbunden, betont Reinemann. Der Hauptantrieb, um als Unternehmen global zu agieren, ist die Marktgröße. Denn es ist schlichtweg erfolgversprechender, ein Produkt auf einem großen Markt mit vielen potenziellen Käufern zu vermarkten als auf einem kleinen Markt. Mittelständische Unternehmen könnten sich dies zunutze machen, indem sie bei der Einführung neuer Produkte konsequent den Weg der Internationalisierung gehen. Das biete folgende Chancen (Seite 153):

  • Wird der Vertrieb auf internationale Märkte ausgeweitet, ermöglicht dies die Nutzung von Economies of Scale, also Skalenerträgen. Davon ist die Rede, wenn die Produktionskosten pro hergestellter Einheit mit zunehmender Produktionsmenge abnehmen. 
  • Teile der Produktion ins Ausland zu verlagern, erzeugt eine höhere Kundennähe. 
  • Durch eine höhere geografische Diversifikation beziehungsweise Ausweitung von Beschaffungsquellen kann das Unternehmen resilienter gegenüber exogenen Schocks werden. 
  • Der Wettbewerb auf internationalen Märkten fördert Produkt- und Prozessinnovationen im Unternehmen.
  • Internationalisierte Unternehmen können vom technologischen Know-how ihrer internationalen Partner im Innovationsprozess profitieren.

Selbstverständlich birgt ein Internationalisierungprozess für Unternehmen auch Risiken. Für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) liegen diese laut Reinemann unter anderem in den begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen, die sie anfälliger machen gegenüber Fehlschlägen in Auslandsmärkten. Zudem fehle oftmals das nötige Know-how für die Auslandsmärkte, "da sie über eine geringere internationale Diversifikation verfügen". Auch reagierten KMU empfindlicher auf extern auftretende Herausforderungen in fremden Ländermärkten.

Dennoch sollte sich der Mittelstand nicht davon abhalten lassen, ins Ausland zu expandieren. Denn trotz der geopolitischen Turbulenzen haben viele deutsche Mittelständler das Potenzial zur Internationalisierung ihres Unternehmens, sind sich die Initiatoren der Commerzbank-Studie sicher. So heißt es in der Studienzusammenfassung: "Internationalisierung gehört zur DNA des deutschen Mittelstands".

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