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04.07.2024 | Fachkräftemangel | Schwerpunkt | Online-Artikel

Deutschland gehen die Tech-Experten aus

verfasst von: Michaela Paefgen-Laß, Andrea Amerland

4 Min. Lesedauer

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Die Arbeitslosigkeit in der EU befindet sich auf einem historischen Tiefstand. Gleichzeitig ist in keinem anderen Nachbarland der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften so groß wie in Deutschland - insbesondere bei Tech-Experten.

Trotz geopolitischer Spannungen, Energiekrise und den Folgen der Pandemie erweist sich der europäische Arbeitsmarkt als bemerkenswert robust. Das geht aus dem Arbeitsmarktreport für das zweite Quartal des laufenden Jahres von Magnit, Anbieter einer Plattform für das Management von externem Personal, hervor. 

EU-Arbeitsmarkt robust und solide trotz Krisen

Wie die Analyse von Milliarden an Wirtschaftsdaten zeigt, sank EU-weit die Zahl der Arbeitssuchenden im Verhältnis zur Erwerbsbevölkerung von 6,1 Prozent im Januar 2023 auf 5,9 Prozent im Frühjahr 2024. Die Tschechische Republik (2,4 Prozent), Malta (2,5 Prozent) und Deutschland (3,2 Prozent) verzeichneten die niedrigsten Arbeitslosenquoten. Im gleichen Zeitraum sind die durchschnittlichen Nominallöhne um 5,2 Prozent gestiegen und die Gesamtinflation hat sich zunächst verlangsamt. Nach einem Höchststand von 8,5 Prozent im Oktober 2022 fiel sie bis Mai 2024 auf 2,5 Prozent.

Fortschritte stellten die Wirtschaftsexperten auch bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) fest. Der Anteil der Unternehmen, die bereits KI einsetzen, ist in den 27 EU-Mitgliedstaaten auf acht Prozent gestiegen. Das sind drei Prozent mehr als im Jahr 2021. 

KI treibt Bedarf an geschultem Personal in die Höhe

Ein Grund dafür dürfte sein, dass KI-Technologien ausgereifter sowie verfügbarer geworden sind. Selbst kleinere und mittlere Unternehmen, die sich der Künstlichen Intelligenz bislang zögerlich genähert haben, denken darüber nach, die Potenziale KI-basierter Anwendungen zum eigenen Wettbewerbsvorteil auszuschöpfen. Der Digitalverband Bitkom fand im vergangenen Herbst gar, die deutsche Wirtschaft drücke in Sachen KI regelrecht aufs Tempo. Das wirft die Frage nach dem Vorhandensein von geschultem und qualifizierten Personal auf. 

Knapp mehr als 16.400 Stellenanzeigen, mit denen deutsche Unternehmen und Forschungseinrichtungen Anfang 2023 um Experten mit KI-Kompetenzen warben, lies etwa das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMFK) im vergangenen Jahr auswerten. Einsatzbereiche mit dem größten Bedarf an Personal mit KI-Know-how sind Big Data und Business Intelligence (72 Prozent) sowie Beratung (29 Prozent), gefolgt von Forschung (13 Prozent) und Robotik (12 Prozent). Doch der deutsche Arbeitsmarkt ist leergeräumt. 

Rund 244.000 MINT-Kräfte fehlen

Der MINT-Frühjahrsreport des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln ergibt, das die Arbeitskräftelücke für Berufe aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik im März bei 244.000 lag. Dabei werde in diesen Berufen durch die Digitalisierung, aber auch wegen des wachsenden Klimaschutzes, der Bedarf an Fachleuten in den kommenden Jahren sogar noch steigen, heißt es in der Analyse. Doch auch der demografische Wandel führe laut Untersuchung dazu, das jedes Jahr rund 64.800 MINT-Akademiker aus Altergründen aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, ohne das der entsprechende Nachwuchs folge.

Differenziert man die Lücke nach MINT-Bereichen, so zeigen sich die größten Engpässe in den Energie-/Elektroberufen mit 77.900, in den Berufen der Maschinen- und Fahrzeugtechnik mit 45.400, in den Bauberufen mit 36.700, in den Berufen der Metallverarbeitung mit 30.900 und in den IT-Berufen mit 29.500", heißt es in der Studienzusammenfassung.

Fachkräftemangel trotz Rekordbeschäftigung

Laut der Magnit-Analyse blieben in diesem Frühjahr rund  1,7 Millionen Stellen unbesetzt, so viel wie in keinem anderen EU-Staat. Neben Ingenieuren und den Beschäftigten in Gesundheitsberufen, fehlen hauptsächlich Tech-Experten in den Bereichen Data Science, Datensicherheit, Softwareentwicklung und UX/UI-Design sowie Fachkräfte in der Automobil- und Pharmaindustrie. Die bis zum Jahr 2045 angepeilte Klimaneutralität, treibt zudem den Bedarf Experten den Bereichen Umwelttechnik und Energieberatung nach oben.

Die Branchen und Berufe, in denen KI-Qualifikationen gefordert sind, werden immer mehr werden, so das Fazit der Arbeitsmarktanalyse. Unternehmen sind also gut darin beraten, ihr Personal, mit Weiterbildungen und Qualifizierungsmaßnahmen wie Lebenslanges Lernen, für die Zukunftstechnologie KI zu befähigen.

Maßnahmen gegen MINT-Personallücken

Aber auch die die Automatisierung repetitiver Tätigkeiten durch moderne KI-Technologien, könnte ein Weg sein, um insbesondere im IT-Sektor Personallücken abzufedern, schreibt  Prof. Dr. Marco Barenkamp, LL.M in dem Open-Access-Artikel "Fachkräftemangel in der IT: Wie kann die KI helfen?". Dadurch würde Entlastung für die Beschäftigten geschaffen, damit diese kreativeren und wertschöpfenderen Aufgaben nachgehen können.

Christophe Zwaenepoel sieht in einem Artikel, der in der Zeitschrift "Nachhaltige Industrie" | Ausgabe 4/2023 erschienen ist, folgende Lösungsansätze für das MINT-Fachkräfteproblem, insbesondere im Klimabereich:

  • Ungenutzte Potenziale sollten bei älteren Beschäftigte und Frauen gehoben werden.
  • Die Anwerbung qualifizierter Experten aus dem Ausland kann Unternehmen helfen, den Bedarf in Mangelberufen kurzfristig zu decken. 
  • Durch Re- und Up-Skilling können bestehende Mitarbeiter für neue Tätigkeiten qualifiziert werden.
  • Die Mitarbeiterbindung muss verbessert werden, etwa durch Sinnhaftigkeit oder neue Arbeitsmodelle, um Experten im Unternehmen zu halten.

Ein großes Potenzial liege außerdem in der Migration, urteilen zudem die Studienautoren vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

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