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2016 | Buch

Fachlaufbahnen in der Altenpflege

Grundlagen, Konzepte, Praxiserfahrungen

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Über dieses Buch

Der vorliegende Themenband hat sich zum Ziel gesetzt, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zur Laufbahngestaltung in der Pflege zusammenzuführen, Praxisentwicklungen zu dokumentieren und zu analysieren und weitergehende Perspektiven der Kompetenzentwicklung in der Pflege zu diskutieren. Das Entwicklungspotential von innerbetrieblichen Laufbahnpfaden, insbesondere in der Altenpflege, wird vor dem Hintergrund begrenzter Tätigkeitsdauern und des Nachwuchskräftemangels kritisch reflektiert und Gestaltungsoptionen auf der individuellen und der betrieblichen Ebene diskutiert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Fachlaufbahnen in der Altenpflege gestalten – Herausforderungen im demografischen Wandel
Zusammenfassung
Im Zuge der demografischen Entwicklung ist die gesundheitliche und pflegerische Versorgung in Deutschland von zwei zentralen Herausforderungen geprägt. Zum einen ist zu erwarten, dass sich mit der mittel- bis langfristig prognostizierten Schrumpfung des Erwerbspersonenpotentials die Nachwuchslücke zur Rekrutierung fachlich qualifizierten pflegerischen Personals zunehmend vergrößert (vgl. Afentakis und Maier 2010). Bereits jetzt wird vielfach konstatiert, dass es auf Grund der unattraktiven Arbeitsbedingungen und der zunehmenden Ökonomisierung in der Pflege schwieriger wird, Auszubildende für das Berufsfeld zu gewinnen und der steigende Bedarf an qualifizierten Fachkräften kaum noch gedeckt werden kann (Görres 2013). Zum anderen ist bereits kurz- bis mittelfristig mit einer sukzessiven Alterung der Erwerbsbevölkerung und einer Zunahme der mittleren und höheren Altersgruppen zu rechnen. Dieser Trend dürfte sich durch die Anhebung der Altersgrenzen in der gesetzlichen Rentenversicherung noch verstärken.
Frerich Frerichs

I. Konzepte, Methoden und Ansätze der Laufbahngestaltung

Frontmatter
Fachlaufbahnen in der Altenpflege – Entwicklung, Systematisierung und Praxisansätze
Zusammenfassung
In arbeitswissenschaftlichen Veröffentlichungen wird die Forderung nach neuen Karrieremodellen bereits vielfältig diskutiert (Domsch und Ladwig 2011). Ein Strang behandelt die Gestaltung von Fachlaufbahnen vornehmlich als Instrument, um der Abwanderung sog. „high potentials“ entgegenzuwirken und die Bindung an das Unternehmen zu steigern. Denn im Zuge der Veränderungen innerhalb der Arbeitswelt hin zu flachen Hierarchien sind die klassischen Karrierewege rarer geworden. Daher entwickeln viele Unternehmen alternative Karriereoptionen, um für hoch qualifizierte Beschäftigte attraktiv zu bleiben. Parallel zur Führungslaufbahn kann in unterschiedlichen Fachlaufbahntypen (Spezialisten-/Expertenlaufbahn, Projektlaufbahn oder Gremienlaufbahn) aufgestiegen werden. Da die Stufen in einer Fachlaufbahn parallel zu den Stufen der Führungslaufbahn angelegt sind, wird auch vom Aufbau einer „Parallelhierarchie“ gesprochen.
Nicola K. Schorn, Theresa Grüner, Ann-Christin Werner
Gestaltung von Fachlaufbahnen – Rahmenbedingungen und Handlungsspielräume in der Altenpflege
Zusammenfassung
Im Rahmen von Fachlaufbahnen wird Pflegekräften die Chance gegeben, sich in einem bestimmten Tätigkeitsbereich der Altenpflege zu spezialisieren und darin Aufgaben eigenverantwortlich zu übernehmen. In konkreten Fachpositionen werden dann zumeist beratende, schulende, koordinierende oder kontrollierende Aufgaben wahrgenommen, für deren Erfüllung zeitliche Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Die Entwicklung von Fachlaufbahnen kann dabei einerseits bei den Kompetenzen der Beschäftigten (Personenebene) und andererseits bei den arbeitsorganisatorischen und tätigkeitsbezogenen Gegebenheiten im Betrieb (Unternehmensebene) ansetzen (vgl. Schorn et al. in diesem Band). Im vorliegenden Beitrag soll analysiert werden, inwieweit die unternehmensbezogenen Rahmenbedingungen des Pflegesektors Handlungsspielräume für die Gestaltung von Fachlaufbahnen bereithalten bzw. deren Ausgestaltung begrenzen.
Theresa Grüner
Kompetenzbasierte Personalentwicklung und Entgeltstrukturen
Zusammenfassung
Seit geraumer Zeit wird von politischer Seite – unterstützt bzw. flankiert durch Publikationen aus dem wissenschaftlichen Bereich – mit dem Begriff „Pflegenotstand“ die Situation und deren zukünftige Entwicklung dramatisiert und vor den drohenden Folgen bis hin zu negativen Wachstums- und Wohlstandseffekten und einer Schwächung des Wirtschaftsstandorts Deutschlands gewarnt (Beck 2013; Hackmann 2010; Neubauer et al. 2012; Prognos AG 2012). Ursache hierfür sei die Fehlallokation von Arbeitskräften, da aufgrund von fehlendem Pflegepersonal hochqualifizierte Fachkräfte ihre Angehörigen selber pflegen müssten (siehe zu Pflege und Erwerbstätigkeit allgemein z.B. Czaplicki 2012). Dabei ist diese Argumentation nicht neu. Bereits Anfang der 1960er Jahre ist auf das Personaldefizit im Pflegebereich hingewiesen worden (Götting und Hinrichs 1993). Es wurde auf die personelle Unterausstattung und den Arbeitsdruck hingewiesen, die erhebliche physische sowie psychische Arbeitsbelastung betont und die geringe Entlohnung thematisiert.
Uwe Fachinger, Marvin Blum

II. Kompetenzanalyse für die Gestaltung von Fachlaufbahnen

Frontmatter
Selbst- und Fremdbewertung beruflicher Kompetenzen in der Altenpflege
Zusammenfassung
Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und dessen Auswirkung auf die Arbeitswelt wird zunehmend der Erhalt und die Förderung der Beschäftigungsfähigkeit alternder Belegschaften diskutiert. Dies gilt insbesondere für Berufe mit hohen physischen und psychischen Belastungen wie die (Alten-) Pflege (Hasselhorn et al. 2005; Jahn und Ulbricht 2011; Theobald et al. 2013). Bislang lag die Blickrichtung vornehmlich auf Maßnahmen im Bereich des Gesundheitsschutzes und der Gesundheitsförderung (z.B. Badura et al. 2005; Loebe und Severing 2010), diese wird nun seit jüngerer Zeit um die Perspektive der Kompetenzförderung erweitert. Dabei sind lebenspannenübergreifende Qualifizierungs-, Personalentwicklungs- und Personaleinsatzkonzepte, in denen unterschiedliche Quellen des Kompetenzerwerbs berücksichtigt werden, von besonderem Interesse (siehe Schorn, Grüner und Werner in diesem Band).
Nicola K. Schorn, Karin Buchholz
Außer(pflege)beruflich erworbene Kompetenzen – Impulse für die Gestaltung von Fachlaufbahnen
Zusammenfassung
Die Arbeitswelt ist einem grundlegenden Wandel ausgesetzt, der unter anderem durch eine immer schnellere Veränderung von beruflichen Wissensbeständen und Arbeitsanforderungen geprägt ist. Um diesen Herausforderungen auf einer betrieblichen Ebene zu begegnen, sind Personalentwicklungsstrategien in den vergangenen Jahren verstärkt auf den Erhalt und die Ausweitung der beruflichen Handlungskompetenzen der Beschäftigten ausgerichtet worden. Es handelt sich hierbei um persönliche Potenziale und Dispositionen, die auf der Grundlage der Fachausbildung aus der reflektierten Verarbeitung von praktischen Erfahrungen abgeleitet und situationsübergreifend abgerufen und eingesetzt werden können, um den unterschiedlichen Anforderungen im Erwerbssystem zu begegnen (Schüler et al. 2013; Bootz und Hartmann 1997).
Marvin Blum, Annalena Sohn

III. Betriebliche Praxiserfahrungen mit Fachlaufbahnen

Frontmatter
Neue Strukturen im Tätigkeitsbereich Ausbildung – Projekterfahrungen der AWO Weser-Ems
Zusammenfassung
Beim AWO-Bezirksverband Weser-Ems e.V. zeigen sich im Bereich der Altenhilfe die Auswirkungen der demografischen Entwicklung bereits deutlich. Die Altenpflegeeinrichtungen haben sich mit steigenden und sich stark verändernden Anforderungen und Herausforderungen auseinanderzusetzen. Bezogen auf die personelle Ebene gewinnt die Förderung der Mitarbeiterbindung und -rekrutierung eine immer größere Bedeutung. Insbesondere im Hinblick auf den ständig weiter zunehmenden Fachkräftemangel ist es zwingend notwendig, erfahrene Pflegekräfte, die aufgrund unterschiedlichster Situationen nicht mehr in der direkten Pflege eingesetzt werden können, mit ihren Kompetenzen in der Einrichtung zu halten. Neben dem hierbei zugrundeliegenden interventiven Aspekt spielt auch der präventive eine große Bedeutung, der in der Aufgabe, alternsgerechte Beschäftigungsformen zu schaffen, zum Ausdruck kommt. Darüber hinaus sind Entwicklungsmöglichkeiten für Pflegekräfte zu eruieren, welche alternativ zu den nur begrenzt zur Verfügung stehenden Führungslaufbahnen angeboten werden können.
Lars Bonk, Andrea Porsch
Etablierung von Fachlaufbahnen – das Beispiel der Fachposition für Pflegeplanung des Paritätischen Vereins Heidekreis
Zusammenfassung
Der Paritätische Verein Heidekreis leistet eine qualitativ hochwertige Versorgung in der ambulanten Alten- und Krankenpflege und sieht vor dem Hintergrund des demografischen Wandels in dem Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit alternder Belegschaften eine dringende Zukunftsaufgabe. Um den erreichten Standard zu halten bzw. noch zu verbessern ist das Unternehmen bestrebt, die Leistungsfähigkeit älterer MitarbeiterInnen zu erhalten sowie junge MitarbeiterInnen zu qualifizieren, und damit die Verweildauer im Betrieb zu erhöhen. Die Teilnahme am Projekt KoLaGe eröffnete die Möglichkeit, mit professioneller Unterstützung das Unternehmen zu analysieren, Ressourcen bei den MitarbeiterInnen zu finden und zu entwickeln und damit deren Zufriedenheit zu fördern.
Dagmar Kosinski, Babett Lippert, Ina von Bothmer
Chancen, Risiken und Nebenwirkungen von Fachlaufbahnen – Projekterfahrungen der Bremer Heimstiftung
Zusammenfassung
Als Herr B.`s Zustand sich so verschlechterte, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema Sterben und mit der Organisation einer palliativen Versorgung unausweichlich wurde, war die junge Krankenpflegerin, die Herrn B. als Bezugspflegekraft betreute, zunächst leicht überfordert. Ihr war der alte Herr ans Herz gewachsen, und sie hatte noch nicht die Erfahrung, um die Situation mit professioneller Distanz zu handhaben. Die Angst des Patienten, die Gespräche mit der besorgten Ehefrau, die drängenden Fragen der Kinder nach Möglichkeiten der Patientenverfügung – die Situation erforderte ein hohes Maß an Professionalität und Erfahrung.
Christina Middelberg, Julia Törper

IV. Resümee und konzeptioneller Ausblick

Frontmatter
Chancen und Risiken von Fachlaufbahnen in der Pflege – Bewertungen aus wissenschaftlicher Sicht
Zusammenfassung
Zentrales Ziel des Verbundprojektes KoLaGe war es, durch die Einführung von Fachlaufbahnen in der Pflege einen Beitrag zu leisten, die Beschäftigungsfähigkeit des Pflegepersonals zu erhöhen – insbesondere indem Belastungen abgebaut und Kompetenzen gesteigert werden – und das pflegerische Arbeitssystem angesichts der demografischen Herausforderungen leistungsfähiger zu gestalten (vgl. Frerichs in diesem Band). Ob und in welchem Umfang entsprechende positive Effekte aber tatsächlich auftreten und wovon sie im Einzelnen abhängen bedarf einer gesonderten Analyse.
Ann-Christin Werner
Fachlaufbahnen in der Altenpflege – Ansätze einer sozialen Innovation
Zusammenfassung
Für den Erhalt und die Förderung der Beschäftigungsfähigkeit in der Pflege kann die betriebliche Laufbahnplanung eine tragende Rolle einnehmen. In diesem Berufsfeld sind jedoch die klassischen vertikalen Aufstiegschancen begrenzt. Das Verbundprojekt „KoLaGe – Kompetenzbasierte Laufbahngestaltung in der Pflege“ hatte sich vor diesem Hintergrund zum Ziel gesetzt, die gegebenen Gestaltungsspielräume für weitere alter(n)sgerechte und kompetenzbasierte Aufgabenverteilungen zu analysieren und – fokussiert auf den Anwendungsbereich Altenpflege – Fachlaufbahnen zu entwickeln und umzusetzen. Hiermit sollte nicht zuletzt ein Beitrag geleistet werden, mit Hilfe von sozialen Innovationen die gegenwärtigen Herausforderungen des demografischen und ökonomischstrukturellen Wandels in den sozialen und gesundheitsbezogenen Dienstleistungen zu meistern (vgl. hierzu im Überblick u. a. Becke et al. 2015).
Frerich Frerichs
Backmatter
Metadaten
Titel
Fachlaufbahnen in der Altenpflege
herausgegeben von
Frerich Frerichs
Copyright-Jahr
2016
Electronic ISBN
978-3-658-11219-6
Print ISBN
978-3-658-11218-9
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-11219-6

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