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2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

19. Fahrplan eines Euroaustritts: Technische Vorbereitung, rechtliche und praktische Durchführung aus Sicht eines Austrittslandes

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Zusammenfassung

Ein Plan B als Reaktion auf die Staatsschuldenkrisen und die Leistungsbilanzungleichgewichte im Sinne einer Neuordnung der Währungsunion wird politisch bislang mit dem Hinweis auf die Einheit und die Unumkehrbarkeit des Euroraumes kategorisch abgelehnt. Darüber hinaus wird auf potenziell hohe Kosten, Ansteckungsgefahren sowie einer mangelnden Praktikabilität hingewiesen. Der Austritt eines Landes aus der Eurozone steckt voller Schwierigkeiten im prozessualen Ablauf. Generell ist zwischen dem Austritt eines starken Landes mit Aufwertungserwartung und eines Krisenstaates mit Abwertungserwartung zu unterscheiden. Die Notwendigkeit einer Geheimhaltung zur Vermeidung von Bank-runs, einer Kapitalflucht sowie generell von antizipativen Kapitalbewehgungen einerseits und der für einen vertragskonformen, einvernehmlichen Austritt notwendigen Zeitbedarf der Aushandlung und Entlassung andererseits scheinen unvereinbar. Eine zeitliche Trennung der Erfassung der Kontenbestände und des Bargeldes im Vorwege, der Ankündigung des Austritts in einem zweiten Schritt sowie der Aushandlung und Festlegung der Austrittskonditionen im Nachhineine bieten eine Lösung.
Fußnoten
1
Der in Abb. 19.1 ausgeführte Fahrplan bezieht sich auf die Einführung eines Nord-Euro für die Bundesrepublik sowie weiterer Nord-Staaten der EU.
 
2
Vgl. Born et al. (2012, S. 49 f.). Bezüglich der geordneten Trennung der Währungsunion zwischen der Tschechischen und der Slowakischen Republik 1993 vgl. auch Fidrmuc, Horvath und Fidrmuc (1999) sowie Lopatka (2011).
 
3
Preise reagieren schneller als Mengen. Bei einer Abwertung steigen die Importpreise in heimischer Währung, während die Exportpreise in Fremdwährung zurückgehen. Da die gehandelten Mengen aufgrund längerfristiger Verträge und der Notwendigkeit des Aufbaus von Produktionskapazitäten für den Export und die Importsubstitution zunächst unverändert bleiben, steigt der Wert der Importe, während die Exporterlöse (beide in heimischer Währung gemessen) konstant bleiben. Kurzfristig ist deshalb mit einer Verschlechterung der Leistungsbilanz zu rechnen (J-Kurven-Effekt).
 
4
Vgl. Scott (1998, S. 219 f.), Reinhart und Rogoff (2010, S. 280 ff.), Gruson (2002, S. 103 f.). Als illegale Parallelwährung wird der US-Dollar beispielsweise auf den Bahamas, Haiti, Kambodscha, Liberia und Namibia genutzt, während er als legal anerkannte Zweitwährung in Panama, Ecuador und El Salvador zirkuliert.
 
5
So wird 1 EUR in 100 ct. unterteilt, wobei die Münzen acht Nennwerte umfassen. Die Stückelung sowohl der Münzen wie auch der Banknoten folgt dem Verhältnis 1:2:5. Damit entspricht die Systematik den meisten internationalen Währungen, da das dezimale System das Rechnen erleichtert und Beträge unterschiedlicher Höhe mit relativ wenigen Stücken dargestellt werden können.
 
6
Die modernen Prüfgeräte verfügen über eine vollflächige bzw. mehrere Bereiche umfassende Abtastung. In Kombination verschiedener Sensortechnologien können magnetische Tinten/magnetische Muster, Metallfäden und deren Codierung, Material, Farbe sowie mechanische Daten geprüft werden. Damit wäre auch eine Stempelung von Euronoten zum Schutz gegen illegale Zuflüsse fälschungssicher durchführbar.
 
7
So nahmen etwa die Hälfte der 7000 Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn AG die neuen Banknoten nicht an. Daraufhin wurde die Vorbereitungsphase für den neuen 10-Euro-Schein (2014) auf neun Monate ausgeweitet. Durch die Vernetzung dieser Automaten ist die Aktualisierung der Software relativ einfach handhabbar. Dies ist bei den etwa 120.000 Zigarettenautomaten nicht der Fall, sodass dort Techniker vor Ort die Software aufspielen oder gar eine noch mechanische Prüftechnik anpassen müssen. Vgl. Nestler (2014).
 
8
Ähnlich wurden zum 01.01.1999 mit der Übertragung der Währungssouveränität auf die EU die nationalen Währungen auf den Euro zu festen, unumkehrbaren Umrechnungskursen umgestellt. Zunächst bestand nur das Euro-Buchgeld, erst später wurde das Euro-Bargeld eingeführt. Die weiterhin bestehenden nationalen Währungen hatten zu diesem Zeitpunkt bereits ihre Eigenständigkeit verloren.
 
9
Auskünfte von Niels Bünemann, EZB v. 23.09.2009. Vgl. auch Bender (2008, S. 292).
 
10
Vgl. im Folgenden Banze (2011) sowie Auskünfte von Patricia Döhle, brandeins Wirtschaftsmagazin v. 28.05.2010 und Niels Bünemann, EZB v. 23.09.2009.
 
Literatur
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Metadaten
Titel
Fahrplan eines Euroaustritts: Technische Vorbereitung, rechtliche und praktische Durchführung aus Sicht eines Austrittslandes
verfasst von
Dirk Meyer
Copyright-Jahr
2020
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-27177-0_19

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