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12.11.2013 | Fahrwerk | Im Fokus | Onlineartikel

Mit rollwiderstandsoptimierten Lkw-Reifen Kraftstoff sparen

Autor:
Christiane Brünglinghaus

Lkw können fast neun Prozent Kraftstoff mit rollwiderstandsoptimierten Reifen sparen, hat ein Praxistest gezeigt. Doch gute Reifen müssen nicht nur dabei helfen, weniger Sprit zu verbrauchen.

Wer vorwärts kommen will, muss Widerstände überwinden. Das gilt auch für Fahrzeuge und hier insbesondere für die Reifen. Denn verringert man den Rollwiderstand, dann kostet das Vorankommen weniger Energie und man spart Kraftstoff. So weit, so gut. Doch schenkt man dem Rollwiderstand zu viel Aufmerksamkeit, leidet unter Umständen die Fahrsicherheit.

Gleichwohl ist der Einsatz rollwiderstandsoptimierter Reifen im Nutzfahrzeugbereich eine attraktive Option. Diese "grünen Reifen" können den Kraftstoffverbrauch von Lkw um 8,5 Prozent verringern, wie jetzt ein Lkw-Reifen-Praxistests gezeigt hat, den der Spezialchemie-Konzern Lanxess zusammen mit dem Chemielogistiker Talke durchgeführt hat. Entsprechend würden rollwiderstandsoptimierte Reifen auch die CO2-Emission von Nutzfahrzeugen im Vergleich mit Standardreifen verringern.

Jährlich ließen sich 1,5 Millionen Euro Kraftstoffkosten einsparen

Aus dem Test ließ sich folgendes Rechenbeispiel ableiten: Fährt eine Flotte mit insgesamt 300 40-Tonnern bislang auf Reifen, die auf dem EU-Label beim Rollwiderstand mit D bewertet werden, so kann das Unternehmen allein durch den Wechsel auf B-Fabrikate jährlich 1,5 Millionen Euro Kraftstoffkosten sparen – bei einer angenommenen Fahrstrecke von 150.000 Kilometer pro Fahrzeug und einem Kraftstoffpreis von 1,40 Euro. Die CO2-Einsparungen beliefen sich auf mehr als 3000 Tonnen pro Jahr.

Der TÜV Rheinland hat den gesamten Test geprüft und sämtliche Ergebnisse dokumentiert und bestätigt. "Wir haben auf Basis des EU-Reifen-Labels einen realistischen Lkw-Fahrversuch begleitet. Im Ergebnis konnten wir erfreulicherweise feststellen, dass der Einsatz von rollwiderstandsarmen Reifen zu einer großen Kraftstoffersparnis führt", berichtet Jürgen Brauckmann, Vorstandsmitglied des TÜV Rheinland Berlin Brandenburg Pfalz.

Gerade bei Nutzfahrzeugen nimmt der Rollwiderstand der Reifen einen besonderen Stellenwert ein. Er hat einen Anteil von 30 bis 50 Prozent am Kraftstoffverbrauch - je nach Fahrer und Topologie der Strecke, erläutert das Springer-Autorenteam im Kapitel "Fahrmechanik" (Seite 46) des Buches Nutzfahrzeugtechnik. Zum Vergleich: Bei einem Pkw betrage der Anteil des Rollwiderstandes am Kraftstoffverbrauch circa 15 bis 20 Prozent. Dementsprechend viel Aufwand stecken die Hersteller in die Reifenentwicklung.

Den perfekten Reifen gibt es nicht

Doch die optimale Balance aller Reifen-Eigenschaften zu erreichen, ist fast unmöglich. Für die Hersteller stehen die Aspekte Sicherheit und Komfort, Umwelt und Wirtschaftlichkeit in einem Spannungsfeld. Im neuen EU-Reifenlabel bedeutet beispielsweise eine hohe Einstufung bei der Kraftstoffeffizienz einen geringen Rollwiderstand. Das wirkt sich wiederum positiv auf den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen aus. Je geringer der Rollwiderstand eines Reifens ist, umso weniger Energie benötigt er und umso weniger CO2 wird freigesetzt.

Ganz ohne Rollwiderstand kommt man dennoch nicht aus. Auf nasser Fahrbahn zum Beispiel muss der Reifen das Wasser verdrängen, was wiederum den Rollwiderstand erhöht. Er ist ein notwendiges Übel, doch die Reifenindustrie arbeitet daran, ihn zu optimieren. Die Reifenentwickler befinden sich also immer in dem Dilemma, dass sich hohe Laufleistung, guter Nassgriff und niedriger Rollwiderstand gegenseitig ausschließen. Gerade an Lkw-Reifen werden auch besondere Anforderungen an die Haltbarkeit gestellt. Durch die großen Lasten und langen Laufzeiten verschleißen die Reifen schnell. Leider gibt es den perfekten Reifen, der sich für alle Anwendungen gleichermaßen eignet, nicht. So kann nur der Kompromiss Ziel jeder Entwicklung sein.

Der Lkw-Reifen-Praxistest im Detail

Zwischen August und Oktober sind zwei baugleiche 40-Tonnen-Lkw des Chemielogistikers Talke jeweils 30 Mal dieselbe Strecke vom rheinischen Hürth ins französische Loos und wieder zurück gefahren. Die Distanz einer solchen Tagestour (Hin- und Rückfahrt) betrug rund 650 Kilometer, 635 davon waren die Lkw auf der Autobahn unterwegs, erläutert Lanxess. Fahrer, Ladegewicht und Tankvorgänge seien bei beiden Fahrzeugen stets identisch gewesen. Über die gesamte Testdauer legten beide Lkw zusammen eine Distanz von 40.000 Kilometer zurück.

Um sicherzustellen, dass die Testfahrzeuge exakt den gleichen Kraftstoffverbrauch haben, waren beide 40-Tonner zunächst auf identischen "grünen Reifen" mit der Kraftstoffeffizienzklasse B auf dem EU-Label unterwegs. Nach der Hälfte des Tests seien bei einem Fahrzeug Standardreifen der Klasse D aufgezogen worden. Das Ergebnis: Der Lkw auf "grünen" B-Reifen verbrauchte im Durchschnitt mit 25,4 Liter pro 100 Kilometer 2,36 Liter weniger Sprit als sein Pendant mit D-Reifen, gibt Lanxess an. Das entspreche einer Einsparung von 8,5 Prozent. Außerdem soll das Fahrzeug auf B-Reifen pro 10.000 Kilometer gut 700 Kilogramm weniger CO2 ausgestoßen haben.

EU-Reifen-Label seit einem Jahr Pflicht

Zum 1. November 2012 wurde die Kennzeichnungspflicht von Neureifen mit dem EU-Reifen-Label eingeführt. Sie gilt sowohl für Pkw-Reifen als auch für Reifen, die bei leichten und schweren Nutzfahrzeugen zum Einsatz kommen. Auf dem Etikett wird der Rollwiderstand eines Fabrikats mit den Noten A (niedrig) bis G (hoch) bewertet. Zudem gibt es den Käufern Auskunft über die Nasshaftung und die Lautstärke des Rollgeräuschs eines Reifen.

Lesen Sie auch:

EU-Reifenlabel: sind die Sicherheitskriterien ausreichend?

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Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.07.2013 | Entwicklung | Ausgabe 7-8/2013

Reifen Label, Ökologie und Sicherheit

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