Valeo: Aus Chrom wird Licht
- 11.11.2025
- Fahrzeug-Lichttechnik
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Valeo stellte in Paris-Bobigny seine neuesten Licht-Entwicklungen vor: unter anderem schmalere LED-Lichtleisten sowie 20.000-Pixel-Scheinwerfer.
Chromleisten werden neu interpretiert und durch moderne Lichtleiter ersetzt.
Valeo
Am 15. Oktober 2025 öffnete der französisch-deutsche Zulieferer Valeo die Pforten seines Lichtsysteme-Entwicklungszentrums exklusiv für die deutsche Presse, um in Paris-Bobigny seine neuesten Entwicklungen vorzustellen, die teilweise noch unter Patentvorbehalt stehen. Vom Mittag bis spät in den Abend hinein konnte moderne Technik in den Präsentationsräumen und Prüfständen angeschaut und erfahren sowie nachts auf der Straße erlebt und getestet werden. Die Fortschritte der Lichttechnologie sind beeindruckend.
Das Entwicklungszentrum in Bobigny, es ist 11 km vom Pariser Zentrum entfernt, hat derzeit 499 Mitarbeitende aus 36 Nationen, davon sind 50 % im Bereich Forschung & Entwicklung tätig. Zu Beginn der Führung stellte dessen Leiter Klaus Matauschek, Product Group Research & Development Director, den Grundsatz seines Valeo-Geschäftsbereichs vor: "Sicherheit ist unsere DNA", getreu dem Motto "Sehen und Gesehen werden". Es zählen zahlreiche Testeinrichtungen zur Erprobung und Absicherung von Prototypen zur Grundausstattung des Zentrums: Optik- und Lasertests, Versuche an Materialien und Chemikalien, ein 80 m langer Lichttunnel im Kellerbereich, Zuverlässigkeitslabore, ein Simulationsraum und industrielle Prozesstests sowie Prüfungen an Elektronikmodulen.
Ein 80 Meter langer Lichttunnel steht bei Valeo für verschiedenste Projektionsuntersuchungen an Scheinwerfern zur Verfügung
ATZ | Michael Reichenbach
Die Richtung der Entwicklungsarbeit im Zentrum wird sich laut Matauschek in den nächsten Monaten und Jahren ändern: "Design wird zunehmend durch künstliche Intelligenz unterstützt". KI kann monotone Arbeiten abnehmen, Ingenieure können wieder kreativer werden. Eine Herausforderung, aber eine Chance für die Ingenieure. Und neben der Sicherheit sind beim Thema Lighting auch Emotionen gefragt. Früher dienten schicke Chromleisten dazu, ein Auto schöner zu machen. Für Matauschek gilt: "Licht ist das neue Chrom".
Automotive-Trends beim Licht
In der Lichttechnik lassen sich die Trends wie folgt benennen, erklärte Jean-François Doha, Platform Lighting Module Platform Cluster Director bei Valeo, den Zuhörern der Fachpresse: digitaler, schmaler und nachhaltiger. Die digitale Signalisierung erlaubt es, Piktogramme oder Begrüßungslichter vor das Automobil zu projizieren, und das mit immer detailreicheren Grafiken oder sogar Videos, auch in Farbe, etwa wenn der Fahrer in den Pkw einsteigt und mit Bildern in HD-Qualität, auf den Straßenboden projiziert, begrüßt wird.
Der Scheinwerfer mit 35 mm Gehäusehöhe projiziert ein Piktogramm auf die Straße, wenn man zu nah auf den Vordermann auffährt. Im unteren Bildteil sieht man die Anordnung der 20.000 Pixel des Matrixlichts und den "ausgeschnittenen" Vordermann.
Valeo
Die Bauräume des Scheinwerfers, aber außerdem von LED-Lichtelementen als Zierrat in Kühlergrill oder Heckklappe, werden immer kleiner. Dies kommt den Formgestaltern und Exterior-Designern einer Karossiere entgegen, die das Licht eines Scheinwerfers gern zwischen Motorhaube und Kühlergrill für immer verstecken wollen. Hatten Halogen-Reflektor-Leuchten noch einen Bauraum von 110 mal 130 mm, schrumpfte er bei LED-Reflektor-Leuchten auf 60 mal 130 mm. Die Miniaturisierung schritt weiter voran: Ein LED-Modul hatte dann nur noch 40 mal 100 mm Höhe mal Breite. Und Valeo war der erste auf dem Markt, der noch darunter kam mit aktuell 15 mal 100 mm – also eine Höhe des Scheinwerfers von nur noch 15 mm, das ist gerade einmal eine Fingerbreite. Und der Trend geht weiter: 10 mm seien möglich, versprach Doha den Journalisten.
Nachhaltigere Kunststoffe
Der Trend Nachhaltigkeit zeigt sich darin, dass weniger Kunststoff-Sorten verwendet werden und die Lichtmodule immer weniger Strom benötigen, also effizienter betrieben werden, sodass zudem die Kühlung einfacher gestaltet werden kann. Zudem soll die Reparierbarkeit wieder besser werden. Denn es wäre zu schade, einen Scheinwerfer nach einem Crash komplett wegwerfen zu müssen. Mit einer anderen Montagetechnik, etwa Klammern statt bisherigem Laserschweißen, lassen sich auch Baugruppen innerhalb des Scheinwerfers austauschen, was der Ökobilanz und dem Geldbeutel des Endkunden hilft.
Freiform-Objekte aus Kunststoff in den roten Rückleuchten sorgen für 3D-Effekte.
Valeo
Doch die Trends gehen über die drei Begriffe noch hinaus, teilte Doha mit. Bei der "Plattformisierung" werden zusammengefasste Technik-Baugruppen zum Standard, dies reduzierte den Entwicklungsaufwand enorm, erhöhe die Arbeitsgeschwindigkeit in F&E und verringere Risiken bei der funktionalen Sicherheit. Zudem geht Valeo Lighting in Richtung Elektromobilität, indem man den Laderstecker und die Steckdose beleuchtet. Am Heck des Fahrzeugs gibt es den Trend hin zu schmaleren Lichtbandsignaturen, die von linker zu rechter Rückleuchte reichen, sowie zu Freiform-Objekten in den roten Rückleuchten, die 3D-Effekte mit beeindruckenden Animationen aufweisen.
In allen Märkten und Autos vertreten
Valeos Scheinwerfer sind bei allen Marken von A bis Z und in allen Fahrzeugsegmenten vertreten. Zu den neueste Markteinführungen zählen Lichtsysteme für die deutschen Modelle Audi A5L mit digitalem Tagfahrlicht und adaptivem Fernlicht (Adaptive Digital Highbeam, ADB) in Matrixform und für den BMW i7 mit seinem markanten illuminierten Kühlergrill (den BMW-Nieren). Aber ADB wird schon bald nicht mehr nur im deutschen Premiumbereich vertreten sein, sondern auch bald in unteren Fahrzeugsegmenten und in chinesischen Modellen zum Massenprodukt werden, weist Olivia Da Silva, Product Marketing Director bei Valeo, den Weg auf.
Scheinwerfer und Rückleuchten (auch in OLED-Technik) aus dem Hause Valeo haben multiple Funktionen und sind in allen Märkten und Marken von A bis Z zu finden.
Valeo
Der französische Elektro-Renault R4 sowie die Alpine A290 (Derivat des R5) mit ihren x-förmigen Tagfahrlichtern haben die komplette Front- und Heckbeleuchtung von den Entwicklern aus Bobigny erhalten. Auch ein chinesischer Zeekr 007 mit digitalem Anzeigefeld, auf dem der Fahrer eigene Texte an der Front anzeigen lassen kann, mit beleuchtetem Logo und extradünnen Doppel-Beleuchtungsmodulen namens Thinbilite, zählt zu den Kunden.
Eines der Highlights: vertikales Licht
Die Nachtfahrten der Journalisten wurden unter anderem mit einem Testfahrzeug des Typs Audi A4 durchgeführt. Dieser Prototyp weist als Besonderheit ein Scheinwerferdesign in senkrechter Form auf. Aus einem vertikal angeordneten Scheinwerfer, also mit acht LED-Lampen übereinander statt wie üblich nebeneinander, eine breite Fläche vor dem Fahrzeug gleichmäßig auszuleuchten, zählt zu den schwierigsten Aufgabenstellungen der Lichtingenieure derzeit. Aber dieses Designfeature wird von den Exterieur-Designern gewünscht, und die Valeo-Ingenieure konnte es realisieren. Denn Ziel ist eine größere Differenzierung der OEMS untereinander auf dem umkämpften Weltmarkt.
Bei den Nachtfahrten konnten sich die Journalisten ein Bild von der Blendfreiheit de neuesten Scheinwerfergeneration machen.
ATZ | Michael Reichenbach
Horizontales Design war gestern, vertikales Design ist die Zukunft. Zu den Vorteilen der Valeo-Lösung zählen mehr Gestaltungsfreiheit sowie Freeshape-Lichtsignaturen, Mimik für Tag-/Nachtsignaturen, Flexibilität beim Scheinwerferdesign, ein kompaktes Design, Premiumperformance, eine ADB-MxB-Version mit 28 Segmenten sowie Funktionen wie blendfreies Fernlicht und digitales dynamisches Kurvenlicht. Das Modul hat eine Masse von nur 200 g. Das Abblendlicht wartet mit 1000 lm / 45 lx auf, während das Matrix-Fernlicht 1500 lm / 130 lx hat.
Emotionales und technisches Fazit
Zum einen ist Licht ein emotionales Thema, für mehr Schönheit am Pkw wird die historische Chromleiste neu interpretiert und durch moderne Lichtleiter ersetzt. Zum anderen dienen technisch immer bessere Matrixscheinwerfer, mit Tausenden Pixeln, in vertikaler Bauweise und mit ausgeklügelten Zusatzfunktionen für ein Mehr an Sicht bei der Fahrt durch Nacht. So sorgt Valeo für ein Plus bei Verkehrssicherheit und Emotionen.
Klaus Matauschek, Product Group Research & Development Director bei Valeo, erklärt die neuesten Lichttechnologien im Präsentationsraum in Paris-Bobigny – in der Mitte sieht man die BMW-Nieren mit dem LED-Lichtband.
ATZ | Michael Reichenbach