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27.03.2018 | Fahrzeugsicherheit | Im Fokus | Onlineartikel

Fragen und Antworten zu E-Call

Autor:
Christiane Köllner

Wenn das Auto zum Lebensretter wird: Ab 31. März 2018 müssen neue Autos mit dem sogenannten E-Call ausgerüstet sein. Was Sie über das Notrufsystem wissen müssen, haben wir für Sie zusammengefasst.

Beim Rettungseinsatz nach Autounfällen zählt mitunter jede Sekunde. Da schwerverletzte Fahrer und Passagiere selbst oft keinen Notruf per Smartphone absetzen können, vergeht bis zur Rettung wertvolle Zeit. Genau um so ein Szenario zu vermeiden, führt die Europäische Union (EU) einen Notrufsensor in Neuwagen ein. Kommt es zu einem Unfall, setzt das Auto automatisch einen Notruf ab. So können die Einsatzkräfte schneller vor Ort sein und womöglich Leben retten. Ab 31. März 2018 müssen laut EU-Verordnung 2015/758 alle neuen, ab diesem Datum typgeprüften Fahrzeugmodelle (Pkw und leichte Nutzfahrzeuge) serienmäßig mit einem E-Call-System ausgerüstet sein. Wir haben für Sie alles Wichtige über das automatische Notrufsystem zusammengefasst. 

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Was ist E-Call?

E-Call ist die Abkürzung von "Emergency call" (Notruf) und steht für ein europaweites, satellitengestütztes, vorzugsweise fest im Fahrzeug installiertes Notrufsystem. Der Notruf E-Call nutzt Mobilfunk und Satellitenortung, um nach einem Unfall aus dem betroffenen Auto heraus (automatisch oder manuell) eine Telefonverbindung  zur einheitlichen Rufnummer 112 der nächstgelegenen Rettungsleitstelle herzustellen, erklärt der ADAC. Zusätzlich zur Sprachverbindung überträgt das E-Call-System im Fahrzeug einen Datensatz mit relevanten Informationen zum Unfallort, zur Art der Auslösung und zum Fahrzeug.

Wie funktioniert E-Call?

Das E-Call-System besteht laut dem TÜV Rheinland aus einem SIM-Karten-ähnlichen Mobilfunkchip, der per GPS auch über die Standort-Daten des Wagens verfügt. Sensoren nehmen Erschütterungen beim Aufprall des Autos oder etwa das Auslösen der Airbags wahr. In diesem Fall soll das System einen Notruf an die nächstliegende Rettungsleitstelle senden und den Standort des Wagens übermitteln. Bei einem heftigen Aufprall wird der Notruf automatisch abgesetzt, kann aber auch manuell ausgelöst werden. Dank Sprachverbindung besteht die Möglichkeit, die Leitstelle mit weiteren Informationen zu versorgen.

Was sind die Voraussetzungen für E-Call?

Das EU-Gesetz nimmt die Hersteller für die Ausstattung in die Pflicht. Sie müssen E-Call in jedem Fall einbauen, auch wenn sie einen eigenen Notrufdienst anbieten. Für die Fahrzeughalter entstehen keine Zusatzkosten oder Nachrüstpflichten. Das neue Notrufsystem benötigt ein Airbag-Steuergerät, Satelliten-Empfänger, Mobilfunkantenne, E-Call-Steuerung, Mikrofon und Lautsprecher, Notakku, Notruftaste, Kontrollleuchte.

Welche Daten werden übermittelt?

Kommt ein E-Call automatisch oder manuell zustande, werden die nachfolgenden Daten einmal und nur im Zusammenhang mit dem unmittelbar zuvor ereigneten Unfall an die Rettungsleitstelle übermittelt (Quelle: Europäischer Standard EN 15722). Laut Spezifikation umfasst der minimale Datensatz (MSD, Minimum Set of Data) mindestens: Notrufart, Fahrgestellnummer, Antriebsart, Zeit, GPS-Position, GPS-Richtung, die beiden vorherigen GPS-Positionen und die Anzahl der Passagiere. Die Hersteller können zudem bis zu maximal 94 Bytes an herstellerspezifischen Informationen ergänzen, erklärt Stefan Nürnberger im Artikel Datenverarbeitung im (vernetzten) Fahrzeug aus der DUD 2/2018.

Ist der Datenschutz gefährdet?

Datenschützer sehen die neue Funktion kritisch. Sie befürchten eine mögliche Überwachung des Bewegungsprofils. Laut EU-Gesetzeslage werden allerdings ausschließlich im Falle eines Unfalls Daten übermittelt. E-Call sendet nur unmittelbar nach einem Unfall Daten an die Rettungsleitstelle, nicht an den Hersteller (es sei denn, der Autobesitzer hat es bewusst anders eingestellt). E-Call zeichnet auch keine Daten im Auto auf. In der EU-Verordnung zum E-Call sei klar geregelt, dass zwischen dem gesetzlich verordneten E-Call-System und einem herstellerspezifischen Connected-System kein Datenaustausch erfolgen darf, erklärt der ADAC.

Welche E-Call-Systeme bieten die Hersteller an?

Bereits Ende der 1990er Jahre boten einige Fahrzeughersteller eigene fahrzeugseitige Notrufdienste an, meist im Paket mit anderen telematischen Diensten wie Navigation, Pannenruf und Informationsdiensten. Diese herstellereigenen Notrufdienste sind prinzipiell privatwirtschaftlich betriebene Vermittlungsdienste zwischen hilfesuchenden Fahrzeuginsassen und öffentlichen Rettungsleitstellen, so der ADAC.

In Deutschland und Europa werden solche Notrufdienste von mehreren Herstellern angeboten. Zum Beispiel startete der Mercedes-Benz-Notruf in Kombination mit Comand Online 2012, und mit der Einführung von Mercedes Me im September 2014 sind alle Baureihen serienmäßig damit ausgestattet. Darüber hinaus gibt es Nachrüstlösungen mit Notruffunktion von Drittanbietern, zum Beispiel Kfz-Versicherungen.

Privatwirtschaftliche Notrufdienste seien mit dem europäischen E-Call, der auf der Notrufnummer 112 basiert, nicht kompatibel, hinsichtlich der Funktionsweise jedoch meist vergleichbar, so der ADAC. Autofahrer, die einen herstellereigenen Notrufdienst in ihrem Fahrzeug haben, könnten künftig frei wählen zwischen herstellereigenem Notrufdienst und dem europaweiten 112-E-Call-Dienst. 

Was bedeutet E-Call für die Kfz-Versicherer?

Die verpflichtende Ausstattung von Fahrzeugen mit E-Call wird Versicherer vor eine wichtige Entscheidung stellen, wie Mirko Kraft und Julia Hering im Artikel Potenziale von Telematik-Tarifen in der Kfz-Versicherung in Deutschland aus der Zeitschrift für die gesamte Versicherungswissenschaft 5/2017 erklären. Zum einen könnten sie die E-Call-Technologie nutzen, um ihren Kunden darüber ergänzende Services, wie zum Beispiel Schadenhilfe, anzubieten. Zum anderen könnte eine eigene Telematik-Lösung unabhängig von E-Call entwickelt werden, die Fahrer älterer Fahrzeuge ohne eingebaute E-Call-Technologie anspreche.

Was bringt E-Call?

Nach Angaben der EU-Kommission könnte durch die sofortige E-Call-Benachrichtigung und die Kenntnis der Koordinaten der Unfallstelle die Anfahrtszeit der Rettungskräfte in ländlichen Gebieten um 50 Prozent und in Städten um 40 Prozent verringert werden. Dadurch könnte es EU-weit bis zu 2.500 weniger Verkehrstote pro Jahr geben. Zudem dürfte sich die Zahl der Straßenverkehrstoten um mindestens vier Prozent und die der Schwerverletzten um sechs Prozent verringern.

Mit E-Call gelangt eine Technik in alle europäischen Neufahrzeuge, die als "Wegbereiter für eine Vernetzung der Fahrzeuge verstanden werden kann", erklären die Springer-Autoren im Kapitel Elektrik/Elektronik/Software aus dem Vieweg Handbuch Kraftfahrzeugtechnik. Zwar diene diese Technik zunächst dazu, bei Unfällen schnelle Hilfe zu leisten. Die zugrunde liegende Technik sei aber dieselbe, wie sie seit vielen Jahren von Telematikeinrichtungen im Fahrzeug genutzt werde. "Durch die flächendeckende Einführung entsteht erstmals die Möglichkeit, Fahrzeuge in großem Umfang miteinander oder mit dem Internet zu vernetzen", so die Autoren. Auch die parallel eingeführte Car-to-Car- beziehungsweise Car-to-Infrastructure-Kommunikation werde die verfügbare Informationsdichte weiter erhöhen.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2016 | OriginalPaper | Buchkapitel

Elektrik/Elektronik/Software

Quelle:
Vieweg Handbuch Kraftfahrzeugtechnik

01.02.2018 | Schwerpunkt | Ausgabe 2/2018

Datenverarbeitung im (vernetzten) Fahrzeug

01.03.2013 | Entwicklung | Ausgabe 2/2013

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