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02.12.2015 | Fahrzeugtechnik | Im Fokus | Onlineartikel

Assistenzsysteme: Mehr Schein als Sein

Autor:
Stefan Schlott

Autokunden in Deutschland sind bei Fahrassistenzsystemen noch zurückhaltend. Dabei sind die Systeme ein logischer Zwischenschritt zum autonomen Fahren. Immerhin: Fast jeder zweite Befragte wünscht sich, dass traditionelle Autobauer und nicht Technologiefirmen bei der Entwicklung vorweggehen.

Fahrerassistenzsysteme spielen nach einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey & Company für Autofahrer in Deutschland noch nicht die erwartete Rolle. Adaptive Fernlichtassistenten sind das gängigste Assistenzsystem. Sie sind in 23 Prozent der Neufahrzeuge eingebaut. Funktionen wie Totwinkelwarner oder Verkehrsschilderkennung sind hingegen nur in knapp jedem zehnten Auto zu finden.

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"Fahrassistenzsysteme bieten einen echten Mehrwert für den Kunden - vor allem hinsichtlich Sicherheit und Komfort", sagt Detlev Mohr, Leiter der europäischen Automobilberatung bei McKinsey: "Bisher bestellen Autokäufer die angebotenen Technologien jedoch nur zögerlich. Autohersteller sollten die Vorteile daher deutlicher erklären - zumal diese Technologien den Weg zum autonomen Fahrzeug bereiten und helfen können, Unfälle durch Fahrfehler zu vermeiden."

Nachholbedarf bei der Nutzung

Natürliche Voraussetzung für diese Wirkungen ist jedoch, dass die Systeme auch genutzt werden. In diesem Kontext sehen die McKinsey-Berater einen deutlichen Nachholbedarf: "Zwar kennen 72 Prozent der deutschen Autofahrer die wichtigsten Fahrerassistenzsysteme, allerdings probiert nur jeder Vierte diese auch in einer Probefahrt aus." Dabei müssen sich Assistenzsysteme schon per Definition in ihrem Zusammenwirken mit dem Fahrer im realen Straßenverkehr bewähren, um eine hohe Wirksamkeit und Akzeptanz bei gleichzeitig minimalen Nebenwirkungen zu entfalten.

In ihrem Kapitel "Nutzerorientierte Bewertungsverfahren von Fahrerassistenzsystemen” (Seite 184) aus dem Handbuch Fahrerassistenzsysteme fordern Jörg Breuer, Christoph von Hugo, Stephan Mücke und Simon Tattersall deshalb: "Es bedarf entwicklungsbegleitender, nutzerorientierter Bewertungsverfahren, die - über rein technische Funktionstests auf Komponenten- oder Fahrzeugebene hinaus - die Entwicklung und Bewertung von Assistenzsystemen aus Kundensicht sicherstellen."

Nutzerorientierte Anforderungen berücksichtigen

Dazu zählten neben Gestaltungsempfehlungen, Normen und Checklisten insbesondere Probanden- und Expertenversuche in unterschiedlichen Testumgebungen. Nur so sei es möglich, im Laufe der Entwicklung von Assistenzsystemen nutzerorientierte Anforderungen zu berücksichtigen und empirisch zu überprüfen, wobei sich in der Praxis die formale Trennung von Entwicklung und Absicherung bewährt habe.

Dass die Entwickler zumindest in dieser Richtung richtig liegen, zeigt ein anderes Detail aus der Erhebung von McKinsey. Kunden, die ein Fahrzeug mit Fahrerassistenzfunktionen fahren, sind demnach sehr zufrieden damit: Neun von zehn Befragten geben an, diese Funktionen beim nächsten Autokauf erneut zu bestellen. Ob dies bei der geringen Basis an Nutzern reicht, den Techniken schon bald zum Durchbruch zu verhelfen, darf indes bezweifelt werden. Mehrere aktuelle Studien, darunter von Branchenverband Bitcom oder von PriceWaterhouseCoopers erwarten derzeit, dass sich das autonome Fahren in den nächsten zehn bis 15 Jahren durchsetzen wird.

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