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14.03.2014 | Fahrzeugtechnik | Im Fokus | Onlineartikel

Wie man Mobilität neu denkt

Autor:
Christiane Brünglinghaus

Immer mehr Autos verstopfen den Verkehr in den Metropolen dieser Welt. Autonome und elektrische Fahrzeuge können dieses Problem nicht allein lösen. Gefragt sind neue Konzepte, die das Thema Stadt und Mobilität ganzheitlich denken - wie zum Beispiel Link & Go 2.0.

"Vollelektrisches, autonomes Fahren mit integrierten Social-Media-Kanälen sehen wir als DAS Thema für städtische und vernetzte Mobilität", sagt Philippe Obry, President AKKA Research. "Die entsprechenden Technologiebausteine haben wir in unserer Innovationsplattform Link & Go letztes Jahr in Genf vorgestellt. Nun gehen wir einen Schritt weiter und stellen dieses Jahr die Evolution des Mobilitätskonzepts vor."

Bei Link & Go, das auf dem Genfer Auto-Salon 2013 präsentiert wurde, lag der Schwerpunkt auf den Möglichkeiten des Fahrzeugs selbst. Die Weiterentwicklung - Link & Go 2.0 - soll sich in ein visionäres Umfeld und die urbane Landschaft der Zukunft einfügen. Mit diesem Projekt will der Engineering-Dienstleister zusammen mit MBtech das Thema Stadt und Mobilität neu denken.

Autonomes Fahren in die Umgebung einbinden

Link & Go 2.0 ist ein autonomes Fahrzeug, das über keinen manuellen Modus verfügt, erklären die Entwickler. Denn das Hauptziel sei es, die Mobilität zu verbessern. Das Auto ist autark in der Art, wie es fährt und in der Art, wie es Serviceleistungen verwaltet. Wenn es nicht gebraucht wird, fährt es automatisch dorthin, wo je nach Tag und Uhrzeit statistisch gesehen Bedarf besteht. Wenn das Fahrzeug Strom benötigt, fährt es von selbst zu einer Ladestation. Wenn es gewaschen werden muss, fährt es selbstständig zu einer Waschanlage. Mit Link & Go 2.0 soll der Komfort für die Passagiere erhöht und der Straßenverkehr durch den gezielten Einsatz entlastet werden.

Damit es sich frei bewegen kann, ist Link & Go 2.0 mit Lasersensoren und Kameras ausgestattet, die die komplette Umgebung analysieren können, erklären AKKA und MBtech. Das Auto könne auf allen städtischen Straßen fahren, einschließlich Gemeinschaftsbereichen, traditionellen Straßen und Stadtautobahnen. Link & Go 2.0 sei eine vollständig elektrische und vernetzte Plattform. Es gibt vier Lenk- und Antriebsräder, die alle essentiellen Funktionen der Plattform steuern. Diese Antriebsräder verfügen auch neuartige Brems- und Energiegewinnungs-Techniken.

Das Fahrzeug kommuniziert mit seiner Umgebung mithilfe eines Lichtsystems, das Informationen über Auto und Umfeld enthält, wie zum Beispiel das Reiseziel oder die Verfügbarkeit des Fahrzeugs, erläutern AKKA und MBtech. Dem Nutzer biete Link & Go 2.0 zahlreiche Services, wie zum Beispiel Touristeninformationen oder Videokonferenzen. Für den Fahrgastkomfort wurden zudem halbtransparente Bildschirme in die Fenster eingebaut, um so viele Leistungen wie möglich anzubieten. Der Benutzer soll die vollkommene Kontrolle über das Fahrzeug behalten, indem er Absichten und Bedürfnisse deutlich macht - es dann aber dem Link & Go 2.0 überlässt, den besten Weg dorthin zu finden.

Teilen statt Trennen: Shared Space

Der Ansatz von AKKA und MBtech eröffnet neue Forschungsfelder, um neue Einsatzbereiche für vernetzte Fahrzeuge in den Städten der Zukunft zu finden. Dies könnte sich auch auf die Infrastrukturentwicklung auswirken. Statt streng getrennter Bereiche für Fußgänger, Autos, Radfahrer mit zahlreichen Regeln und Schildern teilen sich die Nutzer den urbanen Raum. Voraussetzung: Jeder achtet auf jeden im gemeinschaftlichen Raum, dem Shared Space.

Denn in der Stadt der Zukunft soll Stress reduziert und das Wohlbefinden erhöht werden, indem ein weniger beengendes Umfeld geschaffen wird, das ruhiger und umweltverträglicher ist. Die Einrichtung von Fußgängerzonen wird Hand in Hand gehen mit der Entwicklung von Treffpunkten, an denen Autos, Fahrräder und Fußgänger Seite an Seite in einem konstanten Mobilitätsfluss leben werden, prognostizieren AKKA und MBtech.

Lesen Sie mehr zu Smart Mobility und warum Städte nur unzureichend auf die Mobilität von morgen vorbereitet sind auf Seite 2.

Smart Mobility

Intelligente Mobilität, sogenannte Smart Mobility, ist hier auch ein Schlagwort und zugleich Lösungsansatz. Gemeint ist die intelligente Vernetzung der Verkehrsangebote in Großstädten. Menschen verlangen nach zeitsparenden, kostengünstigen Lösungen, die flexibel auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Ein effizientes Mobilitätsnetzwerk ist dabei Kern einer Smart City, die intelligente Verkehrsplanung und eine möglichst optimale Vernetzung aller Verkehrsteilnehmer in einer urbanen Kommunikationsinfrastruktur gewährleisten soll.

Sinnvolle Anwendungsszenarien für den urbanen Raum zu entwickeln und intelligent in bestehende Mobilitätsangebote zu integrieren, ist also entscheidend, um Impulse für eine nachhaltige, multimodale Mobilitätskette zu setzen. Und um zum Beispiel auch die Attraktivität der Carsharing-Angebote zu erhöhen. Auch Mikromobilität gilt als künftiger Trend für die aufstrebenden Megacities dieser Welt. Kleine wendige Elektroroller könnten eine Option sein, um überfüllten Großstädten und urbanem Verkehrschaos zu trotzen. Auch pendeln immer mehr Menschen mit Autos in die Ballungszentren. Wie können sich die Pendler dennoch effizient durch den Stadtverkehr bewegen? Darauf gibt zum Beispiel die Audi Urban Future Initiative Antworten.

Sicher scheint, dass integrierte Verkehrspolitik notwendig ist. Teillösungen wären ineffizient. Das Ziel ist daher eine Verkehrspolitik, die sich an ökonomischer Effizienz ausrichtet und diese mit ökologischen und sozialen Standards verbindet, schreibt auch der Springer-Autor Oliver Schwedes im Kapitel "Das Leitbild einer integrierten Verkehrspolitik" (Seite 147) im Buch Öffentliche Mobilität.

Städte nur wenig auf die Mobilität von morgen vorbereitet

Genau diese Dringlichkeit, Mobilitätssysteme in entwickelten Metropolen mit hohem Auto-Anteil vollständig zu überdenken, kommt auch in einer Studie "Future of Urban Mobility 2.0" der Unternehmensberatung Arthur D. Little zum Ausdruck. Eines der zentralen Ergebnisse der Studie ist die Tatsache, dass die meisten Städte nur schlecht aufgestellt sind, um die Herausforderungen der Mobilität von morgen zu meistern und sie sich jetzt gezielt darauf vorbereiten müssen.

Die Berater empfehlen insbesondere den Metropolen in Nordamerika, ihr schlecht ausgebautes öffentliches Mobilitätssystem grundsätzlich zu überdenken, und es unter anderem mit einem größeren Anteil öffentlicher Verkehrsmittel nachhaltiger zu gestalten. In entwickelten Städten müsse auch die multimodale Mobilität und die allgemeine Attraktivität des öffentlichen Verkehrs durch Serviceerweiterung gefördert werden. Entsprechend kommen die Berater für Metropolen der Entwicklungsländer zu anderen Empfehlungen. Für Städte in Schwellenländern mit teilweise unterentwickelten Mobilitätssystemen muss das Ziel sein, einen nachhaltigen Mobilitätskern zu gründen, der kurzfristige Nachfrage zu vernünftigen Kosten zufriedenstellen kann. Doch gerade diese Städte hätten die Möglichkeit, die Testumgebung und der Nährboden für neue städtische Mobilitätssysteme zu werden.

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