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14.05.2014 | Fahrzeugtechnik | Im Fokus | Onlineartikel

Staatshilfe kann Elektroauto-Absatz begünstigen

Autor:
Christiane Brünglinghaus
4 Min. Lesedauer

Elektroautos haben noch Seltenheitswert auf deutschen Straßen. Das hat unterschiedliche Gründe. Ein möglicher Grund: Staatliche Kaufanreize sind in Deutschland für Elektroautos minimal. Dabei hat eine aktuelle Studie herausgefunden, dass steuerliche Förderung den Elektroauto-Absatz ankurbeln kann.

Kann die eine Million-Marke für Elektroautos im Jahr 2020 erreicht werden? Diese Frage wird viel diskutiert. Der Markterfolg von Elektrofahrzeugen hängt dabei von vielen Faktoren ab - unter anderem von Entwicklungen wie etwa dem Rohöl- oder Strompreis. Sicher ist aber: Der Erfolg wird wesentlich von der Wirtschaftlichkeit der Elektrofahrzeuge im Vergleich zu konventionellen bestimmt.

Und hier spielen auch staatlich finanzierte Zuschüsse zum Kaufpreis und Steuererleichterungen eine Rolle. Denn gerade die steuerliche Förderung von Elektroautos kann unter bestimmten Bedingungen den Absatz fördern. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der unabhängigen Forschungsorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT). Norwegen und die Niederlande sind laut Studie gute Beispiele für Märkte, wo hohe Steueranreize zu höheren Zulassungen von Elektrofahrzeugen führen. Ein Gegenbeispiel sei Großbritannien, wo trotz relativ hoher Anreize, die Verkaufszahlen von Elektroautos immer noch sehr niedrig sind.

Weltweit über 400.000 Elektroautos unterwegs

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Insgesamt spielen jedoch der Studie zufolge auch weitere Faktoren eine Rolle - darunter das Verhältnis zwischen Kraftstoff- und Strompreisen in den einzelnen Ländern. Darüber hinaus seien staatliche Vorgaben für die Fahrzeughersteller, Investitionen in die Ladeinfrastruktur und auch Sensibilisierungskampagnen für Verbraucher wichtige Aspekte bei der Förderung von Elektromobilität. Insbesondere der US-Bundesstaat Kalifornien illustriere sehr gut, wie eine umfassende Elektromobilitätsstrategie über die Steuerpolitik hinaus wirkt. Im US-Bundesstaat ist die steuerliche Förderung im internationalen Vergleich zwar nur durchschnittlich, aber die Verkaufszahlen von Elektroautos sehr gut.

Obwohl der Marktanteil der Elektromobile immer noch gering ist, hat der weltweite Elektroauto-Absatz laut ICCT in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Knapp 200.000 rein elektrisch angetriebene Neuwagen und Plug-in-Hybride sind im Jahr 2013 verkauft worden. Im Jahr 2009 waren es global nur 10.000 Fahrzeuge. Zu Beginn dieses Jahres waren es bereits 405.000, wie das Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) angibt.

Deutschland bei Neuzulassungen Schlusslicht

Jedoch entwickeln sich die Neuzulassungen in den einzelnen Ländern unterschiedlich. Spitzenreiter ist Norwegen, wo der Markanteil der Elektroautos bei rund 6 Prozent aller verkauften Neuwagen liegt. Dicht dahinter folgen die Niederlande mit einem Anteil von 5,9 Prozent und Kalifornien mit 4 Prozent. Alle drei Märkte zeigen auch hohe Wachstumsraten: In Norwegen und Kalifornien hat sich die Anzahl der verkauften Elektroautos von 2012 auf 2013 verdoppelt. Die Niederlande haben eine enorme Zuwachsrate zu verzeichnen: Die Zulassungszahl sei 2013 beinahe sechsmal so hoch gewesen wie im Jahr davor. Die Bundesrepublik gehört mit einem Anteil von 0,2 Prozent Elektroautos an den Neuzulassungen 2013 international zu den Schlusslichtern.

Zur Begründung verwiesen die ICCT-Autoren auf die unterschiedlichen Förderungsbedingungen in den jeweiligen Ländern. In den Niederlanden bezuschusse der Staat den Kauf eines typischen Plug-in-Hybridfahrzeugs ihren Angaben nach mit knapp 38.000 Euro, was in etwa drei Viertel des Fahrzeugpreises entspreche. Elektroautos sind dort von der Zulassungssteuer sowie der jährlichen Kfz-Steuer befreit.

Auch in Deutschland sind Elektroautos laut ICCT von der Kfz-Steuer befreit. Die Ersparnis belaufe sich hierzulande aber nur auf einige wenige hundert Euro. Dieser Betrag werde zudem bereits durch die höhere Mehrwertsteuerbelastung aufgrund des in der Regel höheren Preises von Elektroautos wieder aufgewogen.

Kostenfreies Laden der Akkus größter Kaufanreiz

Fragt man die deutschen Autofahrer, welche staatliche Subvention sie dazu veranlassen würde, über den Kauf eines entsprechenden Fahrzeugs nachzudenken, nennen 57 Prozent das kostenlose Laden von Akkus an Ladestationen. Das geht aus einer Umfrage von AutoScout24 unter 1038 deutschen Autofahrern hervor. Für jeden Fünften wäre der Wegfall der Mehrwertsteuer beim Kauf eines E-Autos reizvoll (22 Prozent). Öffentliches Parken (9 Prozent) oder die Nutzung der Busspur als Fahrer eines Elektromobils (2 Prozent) seien für die Befragten als Kaufanreiz weniger relevant. 60 Prozent der Deutschen vertreten die Meinung, dass es im Gegenzug zur staatlichen Förderung von Elektroautos strengere Auflagen für stark umweltbelastende Autos geben sollte.

Angebot an Gebrauchten und Kaufzuschüsse als finanzielle Förderung bevorzugt

Abgesehen von staatlicher Unterstützung wäre eine große Auswahl an gebrauchten Elektrofahrzeugen attraktiv laut AutoScout24-Studie: 70 Prozent der Deutschen geben an, ihre Kaufentscheidung würde zugunsten eines solchen Fahrzeugs beeinflusst, gäbe es ein breites Angebot gebrauchter E-Autos. Auch die finanzielle Förderung von Elektroautos allgemein sei ein wichtiges Thema. Jeder dritte Deutsche favorisiert beim Kauf eines Elektroautos einen direkten Zuschuss (74 Prozent). Eine finanzielle Förderung im Rahmen einer steuerlichen Sonderabschreibung befürworten 19 Prozent der Befragten. Für lediglich sieben Prozent ist ein Angebot zinsgünstiger Kredite von Banken attraktiv.

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