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07.12.2015 | Fahrzeugtechnik | Im Fokus | Onlineartikel

Ökologie und Ökonomie verbinden

Autor:
Stefan Schlott

Auch wenn bei den Zulassungszahlen für Elektrofahrzeuge Anspruch und Wirklichkeit noch weit auseinanderklaffen, können die Stromer zu Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen beitragen. Mehrere Studien zeigen, wie das gehen kann.

Allein durch eine Einsatzoptimierung sind bei gemischten Flotten, die sowohl aus herkömmlichen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor als auch aus Elektrofahrzeugen bestehen, eine CO2-Reduktion von 25 Prozent und Kosteneinsparungen von 10 Prozent möglich. Dies ist die Quintessenz des Projekts Shared E-Fleet, das vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO vorgestellt wurde.

"Nachhaltige Mobilität und Wirtschaftlichkeit müssen keine Gegensätze sein", kommentierte Dr. Alexander Tettenborn, Leiter des Referats Entwicklung digitaler Technologien des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), das das Projekt gefördert hat, die vorgestellten Ergebnisse. "Werden Elektrofahrzeuge häufig genutzt und ihr Einsatz clever geplant, können sie auch unter Kostengesichtspunkten eine vollwertige Alternative zu herkömmlichen Fahrzeugen sein."

Bedeutender Beitrag zum Klimaschutz

Wenn sich diese Erkenntnisse durchsetzen und der Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur nicht länger auf die lange Bank geschoben würden, könnte der Verkehrssektor einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dies wurde im Umfeld des Pariser Klimagipfels deutlich. So rechnete das gemeinnützige Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) kurz vor der Weltklimakonferenz vor, dass der Transportsektor bereits jetzt für 23 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich sei.

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Bis 2050 sollen sich die Emissionen laut Szenarien des Weltklimarates IPCC verdoppeln. Grund dafür sei vor allem die rasante Motorisierung in China, Indien und Südostasien. Doch um das Ziel einer maximalen Erderwärmung um zwei Grad zu erreichen, müsse der Transportsektor seine Emissionen bis 2050 mindestens stabilisieren, wenn nicht sogar um die Hälfte reduzieren.

Halbierte CO2-Emissionen

"Elektromobilität im großen Stil könnte entscheidend dafür sein, dass die CO2-Emissionen im Transportsektor bis 2050 halbiert werden", sagt Leitautor Felix Creutzig vom MCC. Teil einer solchen groß angelegten Elektromobilität seien auch Car-Sharing-Konzepte, elektrische Fahrräder und der Schienenverkehr. "Effizienzsteigerungen der herkömmlichen Automobilflotte werden nach 2025 schwieriger. Als Motor für die Dekarbonisierung bleibt dann nur der Brennstoffwechsel."

Das unterstreichen auch Wilfried Hennings und Jochen Linssen in ihrem Kapitel "Elektromobilität" (Seite 464) aus dem Buch Energietechnologien der Zukunft: "Der Wechsel zu neuen Kraftstoffstrategien wie Wasserstoff auf Basis regenerativer Energien, Biokraftstoffe der zweiten Generation oder erneuerbarem Erdgas kann das Marktpotenzial der Elektromobilität beeinflussen."

Neue Kraftstoffe nur für Nischenanwendungen

Allerdings gehen verschiedene verfügbare Szenarien davon aus, dass der Einsatz von Wasserstoff‐Fahrzeugen sowie von fossilem und erneuerbarem Erdgas auf Sicht über Nischenanwendungen nicht hinaus kommt. Auch Biokraftstoffe würden vorwiegend auf die Bereiche Straßengüter‐Fernverkehr und Flugzeuge konzentriert. Anders sieht es bei Elektrofahrzeugen aus, denen ein hohes Marktpotenzial von knapp 50 Prozent Bestandsanteil im Jahr 2050 zugewiesen wird.

Dies hätte auch Vorteile für andere Bereiche. "Die Elektrifizierung der Pkw könnte gleichzeitig einen Beitrag zur Energiewende leisten, wenn die Elektrofahrzeuge entsprechend intelligent in das Energiesystem integriert würden", erklärt Patrick Jochem vom Institut für Industriebetriebslehre und Industrielle Produktion (IIP) des KIT. "Dabei könnte ein Verschieben der Ladeprozesse in windstarke Stunden zu einer Entlastung des Energiesystems führen und somit Synergien zwischen beiden Sektoren schaffen."

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