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20.04.2016 | Fahrzeugtechnik | Im Fokus | Online-Artikel

Fahrzeugtechnik gegen menschliche Schwächen

verfasst von: Stefan Schlott

3 Min. Lesedauer
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Automatisierungsstrategien und intuitive Bediensysteme sollen den Fahrer entlasten und den Verkehr sicherer machen. Auch weil sich bestimmte Fehlverhalten nicht abstellen lassen.

Ob am Steuer oder bei Fußgängern: Die Nutzung von Handy oder Smartphone wird zunehmend zum Verkehrsrisiko. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wird etwa jeder zehnte Todesfall auf deutschen Straßen durch falsches Verhalten von Fußgängern verursacht. In rund der Hälfte dieser Fälle besteht das Fehlverhalten von Fußgängern darin, dass sie nicht auf den Fahrzeugverkehr achten. Viele Fußgänger in Europa sind beim Überqueren von Straßen durch ihr Smartphone abgelenkt. Das ist das Ergebnis einer internationalen Erhebung der Dekra-Unfallforschung in sechs europäischen Hauptstädten. Aber auch alarmierend viele Autofahrer werden - trotz Verbot - durch Lesen und Tippen auf Smartphones abgelenkt und sind damit ein ernsthaftes Verkehrsrisiko. Zu diesem Ergebnis kommt eine noch unveröffentlichte Studie der Technischen Universität Braunschweig.

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3D-Gestenerkennung für Multi-Touch Displays

Infotainment Systeme im Automobil steigen in ihrem Funktionsumfang und in ihrer Bedienkomplexität. Sicheres Fahren wird zu einer immer größer werdenden Herausforderung für die Automobilindustrie. Die Minimierung und Vereinfachung der notwendigen …


Wissenschaftler der TU Braunschweig hatten im vergangenen Jahr 11.837 zufällig ausgewählte Autos an 30 Standorten in Hannover, Braunschweig und Berlin beim Vorüberfahren beobachtet. Dabei war bei 4,5 Prozent der Fahrer eine unzulässige Handynutzung nicht nur im stehenden Verkehr festzustellen, sondern fast ebenso häufig im fahrenden Auto. Der Leiter der Studie, der Verkehrspsychologie-Professor Mark Vollrath, schließt daraus, dass Fahrer Handys auch dann benutzen, wenn der Verkehr höhere Aufmerksamkeit erfordert.

Ablenkung wird kaum als Gefahr wahrgenommen

Vollrath führt den Anteil unzulässiger Handynutzung auf die stark gestiegene Zahl von Smartphones in Deutschland zurück, aber auch auf mangelndes Problembewusstsein. "Den Leuten scheint nicht klar zu sein, wie gefährlich gerade das Tippen auf dem Handy ist." Dazu kommt, dass eine Studie des französischen Zulieferers Valeo unter Autofahrern in Deutschland, Frankreich, China und den USA zeigt, dass Ablenkung oft kaum noch als Gefahr wahrgenommen wird. Die Lösung könnte nach Ansicht von Joachim Mathes und Harald Barth darin liegen, dem Fahrer die Möglichkeit zu bieten, die Fahraufgabe an ein Assistenzsystem zu delegieren.

In ihrem Kapitel Weiterentwicklung der Assistenzsysteme aus Endkundensicht aus dem Buch Fahrerassistenzsysteme und effiziente Antriebe schreiben sie: "Der Weg aus diesem Interessenkonflikt heißt automatisiertes Fahren." Dabei gehe es nicht darum, den Fahrer zu ersetzen oder ihm etwas wegzunehmen. Vielmehr werde ihm ein Stück Freiheit zurückgegeben: "Der Fahrer soll entscheiden können, ob er momentan gern selbst fährt oder die Fahraufgabe in der aktuellen Situation lieber delegieren möchte", so die Autoren weiter. Dabei werde sich der Paradigmenwechsel, dem Fahrer auch während des Fahrens eine freie Zeiteinteilung zu ermöglichen, stufenweise vollziehen.

Die Bedienkomplexität steigt weiter

Für den sicheren Umgang mit dem Automobil spielt aber auch weiterhin der Informationsfluss zwischen Fahrer und Fahrzeug die dominante Rolle. Darauf weisen Heiner Bubb, Klaus Bengler, Rainer E. Grünen und Mark Vollrath im Kapitel Systemergonomie des Fahrzeugs aus dem Fachbuch Automobilergonomie hin . Dies umso mehr, als Infotainmentsysteme im Automobil in ihrem Funktionsumfang und in ihrer Bedienkomplexität immer weiter zunehmen. Zu den jüngeren Entwicklungen, die dabei Abhilfe schaffen sollen, zählt unter anderem die 3D-Gestenerkennung im Automobil. Die Hauptvorteile von 3D-Gesten liegen für Roland Aubauer und Andreas Guete in einer intuitiven, einfachen und hygienischen Bedienschnittstelle, die keine Hand-Augenkoordination des Nutzers erfordert und somit für die Anwendung im Automobil aus Fahrsicherheitsaspekten von hoher Bedeutung ist. In ihrem Kapitel 3D-Gestenerkennung für Multi-Touch-Displays aus dem Fachbuch Automobil-Sensorik schränken die Autoren allerdings auch ein, dass nach jetzigem Stand zusätzliche Benutzerstudien erforderlich seien, um das Bedienkonzept weiter zu optimieren. 

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