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15.08.2016 | Fahrzeugtechnik | Im Fokus | Onlineartikel

Fahrzeugzugangssysteme: Sesam öffne Dich

Autor:
Stefan Schlott

Der aktuellen Sicherheitsdebatte um drahtlose Autoschlüssel zum Trotz unterliegt die Entwicklung von Zugangssystemen einer hohen Änderungsdynamik. Bald soll das Smartphone die Funkschlüssel ersetzen.

"Bei allen Schließ- und Identifikationslösungen haben Sicherheit und Zuverlässigkeit für Continental höchste Priorität. Deshalb kommen bei der Evaluierung und Entwicklung solcher Lösungen nur Technologien zum Einsatz, bei denen sowohl Stabilität als auch ein hohes Schutzniveau nachweisbar sind. Dabei konzentrieren sich die Ingenieure darauf, mögliche Angriffsversuche vorherzusehen und aktiv zu verhindern", heißt es in einer Presseaussendung von Continental aus dem vergangenen Jahr. Der Automobilzulieferer kann auf langjährige Erfahrung zurückgreifen: Die erste elektronische Wegfahrsperre hatte Continental bereits 1994 verkauft, das erste schlüssellose Start- und Zugangssystem unter der Bezeichnung Pase (Passive Start and Entry) im Jahr 1998. Zwischenzeitlich liefert Continental die vierte Pase-Generation an Fahrzeughersteller aus.

Wer die aktuelle Berichterstattung in den Tages- und Publikumsmedien verfolgt, kommt an der Frage nicht vorbei, ob das Unternehmen bei seinem Pressetext den Mund nicht etwas zu voll genommen hat. So berichten derzeit viele Zeitungen von einer Studie der School of Computer Science an der Universität Birmingham mit dem Titel "Lock It and Still Lose It — On the (In)Security of Automotive Remote Keyless Entry Systems". Demnach haben Forscher offenbar Sicherheitslücken in den per Funk funktionierenden Schlüsseln vieler Autohersteller ausgemacht. Nach ersten Schätzungen könnten auf der ganzen Welt rund 100 Millionen Autos betroffen sein, darunter Modelle von Opel, Ford und Fiat.

Diebstahlsicherheit gleicht einem Rennen zwischen Hase und Igel

Das Bemühen um eine bestmögliche Diebstahlsicherheit von Schlössern gleicht seit jeher einem Rennen von Hase und Igel. Schon aus der Frühzeit der Schmiedekunst sind ausgeklügelte mechanische Schlösser erhalten, die das Hantieren mit Dietrich und Sperrhaken erschweren sollten. Bei den berührungslosen Zugangssystemen von Fahrzeugen sind Funktechnik und Kryptologie seit über 20 Jahren fester Bestandteil der Entwicklungen. Darauf weisen Andreas Wolf, Stephan Greiff und Robert Obermaier in ihrem Beitrag "Fahrzeugzugangssysteme von morgen" für die ATZelektronik 3/2016 hin. So sei die Funktionalität und die Robustheit gegenüber Störern in mehreren Evolutionsstufen weiterentwickelt und der Diebstahlschutz immer wieder an aktuelle Gefährdungspotenziale angepasst worden. Derzeit sehen sich Pase-Systeme den Autoren zufolge aber einem neuen Angriffsverfahren ausgesetzt: Durch den sogenannten Man-in-the-Middle-Angriff könnten etablierte Sicherheitskonzepte ausgehebelt werden. Angreifer verlängern das Signal zwischen Fahrzeug und Schlüssel, sodass der Wagen annimmt, der autorisierte Schlüssel sei an Bord und startet. Abhilfe soll eine besonders kurz gepulste Funktechnik schaffen.

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Ein anderer Entwicklungsansatz betrifft den Ersatz der Funkschlüssel durch Smartphones. Damit verbunden ist eine deutliche Ausweitung der Funktionalitäten. So sollen sich per App die Türen entriegeln, die Fenster öffnen oder andere Fahrzeugfunktionen aus der Ferne steuern lassen. "Auf den ersten Blick mag dies überflüssig und trivial klingen, doch es macht insbesondere beim Carsharing oder dem traditionellen Fahrzeugverleih viel Sinn", schätzt Dirk Wollschläger diese Idee ein. In seinem Beitrag  "Das vernetzte Fahrzeug — Voraussetzungen, Anforderungen und Perspektiven" für die ATZelektronik 4/2014 schreibt er: "Mit dieser Technik wird es beispielsweise möglich sein, das Fahrzeug einfach mit dem Smartphone zu öffnen, ohne sich am Schalter des Vermieters anstellen zu müssen." Bei Elektrofahrzeugen liefere die Technik sogar einen noch größeren Mehrwert — zum einen, um mobil den Ladestatus der Batterie zu prüfen, zum anderen, um im Winter das Fahrzeug vorzuheizen, während es noch stationär mit dem Stromnetz verbunden ist.

Das Smartphone als digitaler Autoschlüssel

Volvo will die Technik bereits im kommenden Jahr auf den Markt bringen. In ihrem Onlinebeitrag "Volvo ersetzt Autoschlüssel durch Smartphone" berichtet Christiane Brünglinghaus, dass Volvo die neue Technik bereits seit Frühjahr 2016 gemeinsam mit dem Carsharing-Unternehmen Sunfleet, das unweit des Göteborger Flughafens sitzt, testet. Ab 2017 sollen dann erste Flottenfahrzeuge mit dem digitalen Schlüssel ausgestattet werden. Wer einen klassischen Schlüssel haben möchte, bekomme diesen aber auch weiterhin.

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