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25.07.2013 | Fahrzeugtechnik | Im Fokus | Onlineartikel

EU-Reifenlabel: sind die Sicherheitskriterien ausreichend?

Autor:
Christiane Brünglinghaus

Reifen sind das einzige Verbindungselement des Fahrzeugs mit der Fahrbahn. Sie beeinflussen entscheidend Sicherheit, Komfort und Kraftstoffverbrauch des Pkw. Mit dem neuen EU-Reifenlabel sollen grundlegende Leistungseigenschaften eines Reifens für den Verbraucher deutlich werden. Doch die Eigenschaft Sicherheit wird nicht ausreichend berücksichtigt.

Den Reifen wird viel abverlangt. Sie müssen teils konträren Eigenschaften und Anforderungen genügen. Die Anforderungen ergeben sich aus dem Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Komfort, Umwelt und Wirtschaftlichkeit: Reifen müssen zunächst Radlasten aushalten und Seiten- und Längskräfte aufbringen. Dabei sollten sie unter allen Witterungsbedingungen die bestmöglichste Straßenhaftung bieten. Sehr gute Federungs- und Dämpfungseigenschaften gehören ebenso zu optimalen Reifen wie die Unterstützung des Lenkverhaltens. Eine gute Laufleistung bei möglichst wenig Rollwiderstand und geringer Geräuschentwicklung wird ebenso angestrebt. Gleichzeitig sollen Reifen dimensionsstabil, sicher und strukturfest sein. Doch den perfekten Reifen, der alle positiven Eigenschaften gleichzeitig optimal erfüllt, gibt es nicht. So kann nur der Kompromiss Ziel jeder Entwicklung sein.

EU-Reifenlabel: nur drei Kriterien

Der Reifenentwicklungsprozess ist daher vielschichtig und dynamisch. Neue Systeme und steigende Anforderungen seitens der Kunden werden den Prozess auch künftig nachhaltig verändern. Der gesamte Fahrzeug- und Reifenprozess hat heute eine extrem hohe Komplexität erreicht. Auch der Reifen selbst ist ein hoch komplexes Produkt mit vielfältigen Eigenschaften, um ein Optimum an Komfort und vor allem Sicherheit zu bieten. Mit dem neue EU-Reifenlabel soll der Verbraucher nun auf einen Blick über die Qualität des Reifen informiert werden. Ab dem 1. November 2012 müssen alle Reifen, die nach dem 1. Juli 2012 hergestellt werden, mit dem Label versehen sein. Doch wie gut ist die Kennzeichnung? Drei Merkmale stellt das Etikett dar: Kraftstoffeffizienz, Nasshaftung und externes Rollgeräusch. Mit der Einstufung von "A" (beste Kategorie) bis "G" (schlechteste Kategorie) soll es den Kunden beim Reifenkauf unterstützen, ähnlich dem Label für Elektrogeräte.

Die neu eingeführte Kennzeichnung ist zunächst einmal eine übersichtliche Entscheidungshilfe für den Kunden. Allerdings werden aber nur drei Eigenschaften eines Reifens widergespiegelt. Die Reifenindustrie analysiert während der Entwicklung und Testphase eines Reifens hingegen 50 Kriterien. Das Label kann also nur erster Anhaltspunkt für den Reifenkauf sein. Leider bezieht sich auch nur eine Eigenschaft auf die Sicherheit: die Nasshaftung. Aspekte wie die Haftung in Kurven oder das Fahrverhalten auf trockener Fahrbahn werden nicht angegeben. Das Reifenlabel bewertet auch nicht die Fahreigenschaften bei Schnee und Eis. Schenkt ein Kunde der Eigenschaft Rollwiderstand, und damit dem Aspekt Wirtschaftlichkeit, zu viel Aufmerksamkeit, kann das zu Lasten der Fahrsicherheit gehen. Zudem klassifiziert der Hersteller seine Produkte selbst. Mehr über die Hintergründe zum EU-Reifenlabel und zum Thema Sicherheit erfahren Sie im Reifenreport in der ATZ 7-8-2013. Der Beitrag erläutert auch neueste Entwicklungen im Bereich der Reifentechnik.

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