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25.02.2015 | Fahrzeugtechnik | Im Fokus | Onlineartikel

Kostenvorteile für gewerblich genutzte Elektroautos

Autor:
Christiane Brünglinghaus

Aktuell muss ein mittelgroßer Pkw auf jährlich mindestens 35.000 Kilometer kommen, um günstiger als ein konventionelles Dieselfahrzeug zu sein. Entwickeln sich die Rahmenbedingungen positiv, könnte diese Schwelle bis 2020 auf 10.000 Kilometer sinken, ergibt eine Studie des Öko-Instituts und des VDE.

Elektroautos können schon heute in gewerblichen Fuhrparks wirtschaftlich betrieben werden, geht aus einer aktuellen Studie des Öko-Instituts und des VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik hervor. In der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Studie sei erstmals die Wirtschaftlichkeit von elektrischen Nutzfahrzeugen wissenschaftlich untersucht worden.

Pkw und leichte Nutzfahrzeuge: Gesamtkostenanalyse positiv

Auf Basis weiter sinkender Batteriepreise entstehe laut Studie bis 2020 ein ökonomisches Potenzial von bis zu 700.000 elektrischen Nutzfahrzeugen, die wirtschaftlich betrieben werden könnten. Entscheidend sei dabei die jährliche Fahrleistung der Fahrzeuge. Derzeit muss ein mittelgroßer Pkw (zum Beispiel ein Elektro-Golf) auf eine jährliche Kilometerleistung von mindestens 35.000 kommen, um günstiger als ein konventionelles Dieselfahrzeug zu sein. Durch eine günstige Entwicklung der Rahmenbedingungen wie der Energie- und Batteriepreise sowie des Restwerts auf dem Gebrauchtwagenmarkt dürfte die Wirtschaftlichkeitsschwelle bis 2020 je nach Szenario auf 30.000 bis 10.000 Kilometer sinken, so die Studie.

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Schon heute werden mehr als 90 Prozent der Elektroautos gewerblich genutzt. Die rund 24.000 per Ende 2014 zugelassenen Elektrofahrzeuge haben laut der Forscher in der gewerblichen Anwendung deutliche Vorteile gegenüber der privaten Nutzung: Sie weisen meist regelmäßige Tagesfahrleistungen auf, das heißt sie fahren regelmäßig Strecken bis zu 150 Kilometer pro Tag. Sie erreichen so eine hohe Jahresfahrleistung - eine wichtige Voraussetzung für die Wirtschaftlichkeit des elektrischen Antriebs. Steuerliche Vorteile der gewerblichen Nutzung seien ein weiterer Pluspunkt in der Gesamtkostenrechnung ebenso die oft günstigeren Gewerbestromtarife.

Variabler Fahrstromtarif macht E-Autos schneller wirtschaftlich

Wie variable Fahrstromtarife den Amortisationspunkt eines Elektroautos schneller erreichen lassen, wird zum Beispiel im Forschungsprojekt "sMobility" erprobt. 21 ausgewählte Elektrofahrzeugbesitzer testen seit April 2014 den im Projekt entwickelten und von enviaM angebotenen Fahrstromtarif. Es sei im geltenden rechtlichen Rahmen gelungen, Fahrstrom für Elektrofahrzeuge um drei bis sieben Cent je Kilowattstunde günstiger als der Grundversorgungstarif des örtlichen Stromversorgers anzubieten, so die Forscher.

Voraussetzung für die Nutzung des Fahrstromtarifes sei, die Stromladebox für Elektrofahrzeuge nach den Vorgaben des regionalen Netzbetreibers als unterbrechbare Verbrauchseinrichtung anzuschließen. Die so im Rahmen des §14a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) erzielbaren reduzierten Netzentgelte würde für den Stromlieferanten Preisspielräume eröffnen, die an den Elektrofahrzeugbesitzer weitergebgeben werden.

2,6 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen bis 2020 einsparen

"Wenn sich alle Rahmenbedingungen positiv entwickeln, könnten bis zu 700.000 batterieelektrische Pkw und leichte Nutzfahrzeuge in gewerblichen Fuhrparks bis zum Jahr 2020 wirtschaftlich betrieben werden", fasst Florian Hacker, Senior Researcher mit dem Schwerpunkt nachhaltige Mobilität und Projektleiter am Öko-Institut, die Ergebnisse der Studie zusammen.

Die Auswirkung auf die Treibhausgasemissionen wäre merklich: Würde das Potenzial von 700.000 Fahrzeugen erschlossen und der Strom für ihren Betrieb vollständig aus zusätzlichen erneuerbaren Quellen bezogen, könnten im Jahr 2020 rund 2,6 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen eingespart werden, rechnet die Studie vor.

Schwere Nutzfahrzeuge und Busse: wirtschaftlich mit Einschränkungen

Während die Aussichten für die batterieelektrische Pkw-Nutzung positiv sind, könnten vor allem schwere Nutzfahrzeuge, wie zum Beispiel die Lkw-Klasse des Mercedes-Benz Atego, noch nicht und Busse nur mit Einschränkungen wirtschaftlich betrieben werden. Grund seien laut Studie die derzeit noch hohen Preise für die notwendigen großen Batterien. Im optimistischen Szenario könnten bis zum Jahr 2020 bei optimaler Auslegung der Batterie 40 Prozent der Stadtbusse wirtschaftlich über die Straßen rollen. Elektrische Lkw hingegen weisen im Lieferverkehr auch im Jahr 2020 gegenüber dem Dieselantrieb noch Kostennachteile auf.

Die Studie zeigt auch, dass die Wirtschaftlichkeitsschwelle bei gewerblichen Nutzfahrzeugen gegenüber Dieselfahrzeugen sehr niedrig liegt. Bei einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern kommt ein mittelgroßer Pkw heute auf einen Kostennachteil von 4100 Euro jährlich gegenüber einem Dieselfahrzeug. Dieser Wert könnte sich bis 2020 auf nur noch 1400 Euro reduzieren. Eine Sonderabschreibung von 50 Prozent im ersten Jahr, wie von der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) vorgeschlagen, würde den Schwellenwert im Jahr 2018 von 31.000 auf nur noch 19.000 Kilometer senken. Ebenso günstig würden andere finanzielle Erleichterungen wie Kaufprämien oder geringere Strompreise wirken.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.04.2012 | Analysen und Berichte | Ausgabe 4/2012

Elektromobilität braucht intelligente Förderung

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