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14.01.2020 | Fahrzeugtechnik | Fahrbericht + Test | Onlineartikel

Kupplung, Startknopf, Gänsehaut: Der Hyundai i30 Fastback N Performance im Test

Autor:
Sven Eisenkrämer
7:30 Min. Lesedauer

Hyundai hat mit dem i30 N schon länger einen echten Konkurrenzjäger auf dem Markt. Mittlerweile gibt es ihn auch mit dem Fastback-Heck. springerprofessional.de hat den Koreaner als i30 Fastback N Performance mit 275 PS getestet. 

Mit etwas Skepsis an ein neues Testfahrzeug heranzugehen, ist in der Regel eine gute Wahl. Der rote Flitzer, der diesmal vor uns steht, wurde schon als echter GTI-Jäger bezeichnet. Was kann er also, der Hyundai i30 Fastback N Performance?

Äußerlich hat die Fließheckvariante "Fastback" des i30 zunächst mal Ähnlichkeiten mit ein paar Modellen deutscher Premiumhersteller aufzuweisen: An der Front erinnert der kantige Kühlergrill an Audi, auch die seitlich langgezogene Scheinwerferform hat ein wenig was von den Modellen aus Ingolstadt. 

Das im Vergleich zur herkömmlichen Kompakt-Variante längere und Coupé-artige Heck wiederum ist deutlich eigener als der Golf-ähnliche Stil der klassischen i30-Variante. Während die Heckleuchten etwas an die schnittigen Elemente eines Mercedes-Benz erinnern, ist der Rest des ansehnlichen Fastback einzigartig und gibt dem Hyundai eine eigene Note: Ein sehr hochgezogener, in die Heckklappe integrierter Flügel; eine horizontale Falz, die über die Heckklappe und in die Karosserie einläuft und das gesamte Hinterteil kantig-wuchtig wirken lässt. Dazu kommt eine Gitterstruktur über dem lang gezogenen Reflektorband am Heckdiffusor, eine sportliche, mittig tief eingesetzte Dreiecksleuchte und je ein ordentlich dimensioniertes Endrohr auf jeder Seite – das Fastback-Heck macht viel her.

Das Auto ist 4.455 Millimeter lang (und damit 120 Millimeter länger als das Schrägheck), 1.795 Millimeter breit und 1.419 Millimeter hoch. Der Radstand ist mit dem des Schräghecks identisch: 2.650 Millimeter.  

Motor + Antriebstechnik

Der i30 N Performance liefert maximal 202 Kilowatt (275 PS) bei 6.000 Umdrehungen pro Minute. Die kommen aus einem querverbauten 2.0-l-T-GDI Performance-Reihen-Vierzylinder-Ottomotor mit Turbolader und Ladeluftkühlung. Der Ladedruck liegt bei maximal 1,0 bar, aber das Fahrzeug verfügt über eine Overboost-Funktion, die für bis zu 7 Sekunden Dauer noch mal mehr rausholt und den Ladedruck auf bis zu 1,2 bar erhöhen kann. 

Rein ins Auto, den Schlüssel dank Keyless Go in der Tasche, Kupplung treten und Startknopf drücken! Moment: Kupplung treten? Ja! Denn den i30 N gibt es aktuell ausschließlich mit manuellem Schaltgetriebe. Das könnte daran liegen, dass derzeit verwendete "trockene" Doppelkupplungsgetriebe von Hyundai wahrscheinlich nicht für die maximalen Drehmomente des i30 N ausgelegt sind: 353 Newtonmeter liefert der Antrieb bei 1.450 bis 4.700 Umdrehungen pro Minute – im Overboost sogar 378 Newtonmeter (1.750-4.200 U/min).

Also: Kupplung, Startknopf, Gänsehaut!

Das Röhren und Gluckern, das durch die beim Start offenen Klappen der Sportabgasanlage tönt, gibt dem Gehirn sofort einen eindeutigen Befehl: Lass die Endorphine los! Je nach Fahrmodus – dem N-Grin Control System mit den Modi Eco, Normal, Sport, N oder N-Custom – hat man nach dem Losfahren dezent-sportliche Geräusche mit geschlossenen Klappen zu vertreten oder auch einen Mix aus bösem Blubbern und lautstarkem Knallen durch angepasste Schubabschaltung und gezielten Fehlzündungen.

Über den Frontantrieb lässt sich sogar per Launch Control maximaler Schub aus dem Stand auf die Straße bringen. Während unseres Testzeitraums haben wir wegen kalter und meist regennasser Straßen allerdings auf das Messen der maximalen Beschleunigung verzichten müssen. Somit glauben wir guten Gewissens den Herstellerangaben, die eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in 6,1 Sekunden bescheinigen. Bei 250 km/h ist beim i30 Fastback N Schluss.

Fahrwerk + Sicherheit

Die adaptiven Stoßdämpfern des Sportfahrwerks sind über die Fahrmodi einstellbar. Für den Alltag eignet sich die Normal-Konfiguration durchaus. Selbstredend ist man in einem N-Modell von Hyundai nicht allzu komfortabel unterwegs, aber der Härtegrad ist durchaus akzeptabel. Wie ein Brett auf der Straße liegt man dann im N-Modus – und hat dementsprechend mit sehr direkter Rückmeldung jeder Asphalt-Unebenheit zu tun. Die Kurvenlage dieses i30 ist auch dank elektronisch geregelter Differenzialsperre fürs sportliche Fahren gemacht, aber auch nicht für jeden Möchtegernrennfahrer geeignet. Ein gewisses fahrerisches Können und Feingefühl, das einsetzende Untersteuern und die gerade bei nicht optimalen Witterungs- und Straßenbedingungen fehlende Traktion zu beherrschen, ist Voraussetzung. Damit macht der i30 N dann aber enorm viel Spaß, nicht zuletzt weil die N-Performance-Bremsanlage eine punktgenaue Dosierung der Verzögerung erlaubt.

Bei den sicherheitsrelevanten Assistenzsystemen fehlt eine adaptive Geschwindigkeitsregelung – kürzlich hat Hyundai bekanntgegeben, an einer intelligenten, lernenden Version eines ACC zu arbeiten. Ansonsten sind die heutigen Standards alle mit an Bord. Der aktive Spurhalteassistent ist leider eines der einfacheren Systeme, dass sich allein bei Näherung einer Linie auf der Fahrbahn orientiert und nicht prädiktiv eine klare Spurverfolgung ermöglicht. Das Schwanken zwischen den Begrenzungslinien ist daher üblich und nicht sehr komfortabel. 

Die serienmäßigen Voll-LED-Scheinwerfer bieten eine ordentliche Lichtausbeute. Zwar gehören Sie mit dem Fernlichtassistent noch nicht zur Premium-Kategorie auf dem Markt – Helligkeit und Ausleuchtung sind für diese Fahrzeugklasse dennoch durchaus akzeptabel.

Bedienung + Konnektivität

Die Bedienung der Funktionen im Fahrzeug ist übersichtlich. Zwar hat der Innenraum mit Infotainmentsystem, Klima-Regelung und sonstigen Funktionen über die ganze Mittelkonsole und weiteren Knöpfen am und neben dem Lenkrad noch recht viele Knöpfe und Taster. Doch überfrachtet ist hier nichts. Man findet sich schnell zurecht. 

Im aktuellen Modell ist noch nicht die neueste Version des Hyundai-Infotainmentsystems implementiert. Die neuen, ausführlichen "Blue Link"-Funktionen mit App-Steuerung sind für den i30 N beispielsweise nicht nutzbar. Serienmäßig vorhanden ist eine Smartphone-Anbindung über Apple Car Play und Android Auto. Bedient wird das System über ein 8-Zoll-Touchdisplay. Die Gestaltung der Nutzeroberfläche ist nicht ganz so intuitiv wie die neueste Hyundai-Lösung, aber der Fahrer findet sich auch hier schnell zu recht. Leider war bei unserem Test die Navigationskarte nicht auf neuestem Stand. Eine neue, bereits freigegebene Kraftfahrtstraße samt Riesen-Brücke über ein Flusstal kannte das System nicht.

Kosten + Nutzen

Als Fastback startet der i30 N bei 33.700 Euro. Die Liste der Serienausstattung ist dabei lang, die der optionalen Zukäufe angenehm kurz. Ein Komfort-Paket unter anderem mit wärmedämmender Frontscheibe, Stoff-Leder-Sitzen, elektrischer Sitzverstellung, Glas-Schiebedach kostet 1.700 Euro, ein Schiebedach 1.100 Euro, das Navigationspaket samt N Performance Driving Data (Ladedruck-, Drehmoment-, Leistungsanzeige und Zeitnehmer) 600 Euro. Eine Querverstrebung im Gepäckraum gibt es noch für 180 Euro dazu – damit ist die maximale Ausstattung ab Werk mit 37.280 Euro erreicht. Im Vergleich lag der Einstiegspreis des ausgemachten Konkurrenten aus Wolfsburg (siebte Generation) schon bei 37.355 Euro.

Der i30 N ist für "N-thusiasten" gedacht und daher auch kein Nutzfahrzeug. Der Gepäckraum ist für den Alltag mit einer Steigerung um 15 Prozent zum Schrägheck auf 450 bis 1.351 Liter absolut in Ordnung für einen Kompakten. Ansonsten ist der Wagen vor allem zum Spaßhaben geeignet und spricht die Emotionen des Fahrers an.

Kritik + Fazit

Die Skepsis, mit der wir an den Hyundai i30 Fastback N Performance herangegangen sind, war am Ende nicht gerechtfertigt. Der sportliche Kompakte macht in so vielen Punkten wirklich viel her. Einen Golf GTI mit 245 PS lässt der Koreaner auf der Strecke sehr wahrscheinlich locker hinter sich – auch wenn wir das "noch" nicht ausprobiert haben.  

Trotz allen Spaßes, die das Schalten in diesem Fahrzeug macht, könnte er ein Doppelkupplungsgetriebe und eine bessere Traktionssteuerung gebrauchen. Damit und mit der neuesten Infotainment-Lösung, die Hyundai bereits in neuen Modellen verbaut, wäre das Fahrzeug ein echter Jäger auf die deutsche Konkurrenz & Co. Immerhin: Brancheninsider erwarten, dass Hyundai sehr bald schon ein DCT mit nasslaufender Kupplung für den i30 N auf den Markt bringt. Und auch eine Allrad-Version könnte bald kommen – eventuell mit noch mehr Leistung, um nicht mehr nur dem Golf GTI die Stirn zu bieten, sondern auch dem Golf R. Offiziell ist von Hyundai zu den Gerüchten nichts zu erfahren, aber diverse Indizien lassen darauf schließen, dass an allem etwas Handfestes dran ist.

Wer das manuelle Schalten an einem recht stark motorisierten Fronttriebler liebt, dabei mit aktivierbarer Zwischengas-Steuerung und Klappenanlage etwas Aufsehen erregen und trotzdem hin und wieder gerne mit seinem Fahrzeug unterschätzt wird, der wird auch mit dem jetzigen i30 N seine große Freude haben. Tipp für die kalten und nassen Monate: So ordentlich, wie der Hyundai nach vorne treibt, sind herausragende Winterreifen mit absolutem Top-Grip auf nasser Strecke Pflicht, genau so wie fahrerisches Können.

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