Skip to main content
main-content

Über dieses Buch

Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes diskutieren die Aktualität und Multiperspektivität des Topos Fairness/Fairplay aus der Sicht unterschiedlicher fachwissenschaftlicher Blickwinkel. Dieser im Bereich des Sports beheimatete Topos hat längst die ursprünglichen Sphären des genuinen sportlichen Rahmens verlassen. So spricht man zum Beispiel von Financial Fair Play im europäischen Fußball, von „Tax-Fair Play“ im Bereich der Steuerpolitik, von Fair Trial im Prozessrecht, oder von sozialer Fairness in Bezug auf ökologische und arbeitsspezifische Prozesse. Fairness/Fairplay als verantwortungsvolle und nachhaltige Handlungsoption wird immer häufiger sowohl zum Thema politischer und medialer Diskurse, als auch zum Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzungen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Fairness und Fairplay. Eine interdisziplinäre Annährung

Fairness und Fairplay sind zwei verwandte, jedoch nicht deckungsgleiche Begriffe. In den folgenden Zeilen werden wir versuchen, diese kurz zu skizzieren und ihre Aktualität deutlich zu machen. Dabei wollen wir besonders hervorheben, warum diese beiden Begriffe und Konzepte in vielen unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen und den mit ihnen befassten wissenschaftlichen Disziplinen von Bedeutung sind. Dabei können wir natürlich keine Vollständigkeit anstreben, sondern wollen vielmehr begriffliche und thematische Fenster öffnen und den Diskurshorizont erweitern.
Minas Dimitriou, Gottfried Schweiger

Fairness lohnt sich!

Die Orientierung an Prinzipien der Gerechtigkeit ist für die Kooperation in sozialen Interaktionen zentral. Dies gilt sowohl in Organisationen als auch im Privatleben oder anderen gesellschaftlichen Kontexten. Psychologisch werden vier Dimensionen von Gerechtigkeit unterschieden und zwar Verteilungs- und Prozessgerechtigkeit, interpersonale und informationale Gerechtigkeit. Diese haben einen differentiellen Einfluss auf menschliches Erleben und Verhalten.
Menschen kooperieren in sozialen Interaktionen, wenn sie den Eindruck haben, dass ihre Wünsche und Bedürfnisse berücksichtigt werden. Die Wahrnehmung von Gerechtigkeit hat sich hier als besonders einflussreich erwiesen, denn die Umsetzung von Prinzipien der Gerechtigkeit spricht sowohl das Bedürfnis nach Kontrolle als auch das der personalen (moralischen) und sozialen Identität an. Interaktionen werden dann problematisch, wenn Personen das Gefühl haben, dass ihre Bedürfnisse verletzt werden. Dann reagieren sie mit Widerstand in der sozialen Interaktion.
Im vorliegenden Beitrag erfolgt zunächst eine Darstellung der verschiedenen Dimensionen von Gerechtigkeit. Danach wird analysiert, über welche Prozesse Gerechtigkeit bzw. Ungerechtigkeit menschliches Erleben und Verhalten beeinflusst. Abschließend wird ein integratives Modell vorgestellt, welches formuliert, wann Menschen in Interaktionen kooperieren und wann sie mit Widerstand reagieren.
Eva Jonas

Kommentar: Fairness lohnt sich!

Spätestens seit dem Jahr 2013 hat das Thema „Fairness und Gerechtigkeit“ einen größeren Stellenwert in der gesellschaftspolitischen Debatte eingenommen. In Deutschland wurde die Diskussion maßgeblich durch die nicht rechtskonform zustande gekommene Selbstanzeige von Ulli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung befeuert. In Österreich wurden die Regierungsverhandlungen nach der Nationalratswahl vom 23.9.2013 zum Anlass genommen, um über mögliche Steuerreformen zu diskutieren. Die Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ) drängt hierbei, unter Zuhilfenahme des Fairnessarguments, auf eine stärkere Besteuerung des Produktionsfaktors Kapital, um die Steuerbelastung von unselbständigen Arbeitseinkommen reduzieren zu können.
Harald Oberhofer

Zur gesellschaftlichen Relevanz von Sportevents

Das facettenreiche Phänomen Sport ist aus der modernen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Während Eco unter der Prämisse „Sport ist der Mensch, Sport ist die Gesellschaft“ (Eco, 1969/1985, 187) eine sogenannte hintergründige, sportive Struktur des Sozialen feststellt, konstatieren Elias/Dunning in diesem Zusammenhang, dass „die Kenntnis vom Sport einer Gesellschaft der Schlüssel zur Kenntnis der Gesellschaft ist“ (Elias/Dunning, 2003, 3). Darüber hinaus wird der Sport im Rahmen der zunehmenden Relevanz medial vermittelter Kommunikation als performative Instanz wahrgenommen, zumal „Sportereignisse als Domäne der Theatralisierung der Gesellschaft“ (Gebauer, 1997, 316) bezeichnet werden.
Minas Dimitriou

Kommentar: Zur gesellschaftlichen Relevanz von Sportevents

Gleich zu Beginn stellte er die Frage nach dem „ethischen Rahmen des Sportrechtehandels in Österreich“ und nach dessen Legitimität „aus der Sicht der gesellschaftlichen Relevanz von Sportevents“. Konkret widmete er sich der „Analyse der Rolle von Medienunternehmen im Spannungsfeld ökonomischer Rationalität und ethischer Verantwortung am Beispiel des Sportrechtehandels“ (Dimitriou, 2014) – mit dem Fallbeispiel ORF.
Rudolf Renger

Fairness, Steuerethik und Armutsbekämpfung

Dieser Beitrag verteidigt die Überzeugung, dass ein substantieller Begriff von Steuerethik das Gesamtphänomen der Verteilung von wirtschaftlichen und sozialen Vorteilen in einer Gesellschaft im Auge haben muss. Solche Auffassungen und Konzepte von Steuergerechtigkeit, die sich auf einen eingeschränkteren Begriff von Steuern beziehen, bleiben notwendigerweise auf eine (z. B. steuerwissenschaftliche) Binnenperspektive beschränkt, die weder – so die hier vertretene Auffassung – dem Begriff der sozialen Gerechtigkeit gerecht werden noch der starken Versuchung eine systematische Grenze setzen, Steuerfragen aus einer, der eigenen sozioökonomischen und/oder ideologischen Position verhafteten Perspektive zu beurteilen.
Helmut P. Gaisbauer, Clemens Sedmak

Kommentar: „Fairplay“ vor dem Anspruch von „Gerechtigkeit„

Es mag überraschen, einen politikwissenschaftlichen Vortrag über Steuerethik von einem Theologen kommentieren zu lassen. Was kann die Theologie, also ein an eine religiöse Tradition gebundener Diskurs, zur Lösung steuerethischer Fragen beitragen – außer vielleicht einige moralische Appelle oder Mahnungen, deren Geltung und Verständlichkeit an bestimmte Glaubensüberzeugungen gebunden ist? Als Theologe möchte ich solche Fragen durchaus ernst nehmen, mehr noch: diese kritischen Rückfragen an das Selbstverständnis und die Leistungsfähigkeit einer wissenschaftlichen Disziplin fordern zu einer Auseinandersetzung heraus, die als solche bereits einen wichtigen Teil des inhaltlichen Kommentars bildet.
Franz Gmainer-Pranzl

Ungerechtigkeit mit System

Auf die Frage, wem gegenüber sich der prominente und rechtskräftig verurteilte Steuerhinterzieher Uli Hoeneß schuldig gemacht hat, antwortet der Moralphilosoph Julius Schälike in einem Interview mit der „Zeit“ vom 15. März 2014: „Hoeneß hat seinen fairen Teil an der Finanzierung des Gemeinwesens nicht zahlen wollen. Damit erlangte er einen unfairen Vorteil gegenüber denen, die ihre Steuern korrekt gezahlt haben.“ Steuerunehrliches Verhalten schädigt also doppelt: Der Allgemeinheit werden Mittel zur Bereitstellung von öffentlichen Gütern vorenthalten, den Ehrlichen erwachsen (Einkommens-)Nachteile, weil sie ihrer Abgabenpflicht pflichtbewusst nachkommen.
Jörg Paetzold, Hannes Winner

Kommentar: Zur (gewandelten) Bedeutung von Fairness und Fairplay im Arbeits- und Sozialrecht

Der vorstehende Beitrag hat deutlich gemacht, dass die Neigung zu Steuerhinterziehung wesentlich mit der Einkommens- und Bildungssituation zusammenhängt. Das könnte zumindest zweierlei bedeuten: Zum einen, dass wirtschaftlich und sozial Bessergestellte sich gesellschaftlicher Fairness und Fairplay weniger verpflichtet fühlen. Zum anderen, dass sie die Rahmenbedingungen selbst als nicht (ausreichend) fair empfinden und daher – zumal unter Ausnutzung ihrer besseren Gestaltungsmöglichkeiten – nicht einhalten.
Walter J. Pfeil

Fairness in der Bioethik

In der Öffentlichkeit und in der bioethischen Literatur findet seit etwa 20 Jahren eine intensive Diskussion über die Verwendung von humanen Stammzellen zu Zwecken der Therapie aber auch zu Zwecken der medizinisch assistierten Fortpflanzung statt. Die Autoren dieses Beitrages haben vor kurzem in einem ausführlichen Artikel (Weiss u. a., 2013) die relativ neue Situation dargestellt, die nach der Entwicklung von Techniken entstanden ist, mit denen man im Labor ohne Verwendung von humanen Embryonen, sogenannte humane induzierte pluripotente Stammzellen (hiPSC), herstellen kann.
Michael Breitenbach, Andreas M. Weiss

Kommentar: Fairness in der Bioethik

Stammzellenforschung ist ein äußerst interessantes, faszinierendes, aber auch für viele Menschen beängstigendes Forschungsfeld. Beängstigend deshalb, da hier in der Wissenschaft seit einigen Jahrzehnten etwas passiert, das für die meisten nicht nachvollziehbar ist und außer Kontrolle zu geraten droht. Die Tatsache, dass auch der Mensch geklont werden kann, lässt Gedanken an Designerbabys und geklonte Krieger aufkommen, die letztendlich die Menschheit selbst ausrotten könnten.
Helga Embacher

Fairness und Fairplay aus pädagogischer Sicht

Fairness ist ein Wert, der auf Gerechtigkeitsvorstellungen beruht. Fairplay ist das Handeln, das sich an diesem Wert ausrichtet. Fairness ist nicht unbedingt auf Regeln angewiesen, aber Regeln dienen häufig der Fairness, weshalb sich die Theorie zur Entwicklung einer Moral der Gerechtigkeit (Kohlberg, 1996) auch mit dem Einhalten von Regeln befasst. Neben dem Einhalten von Regeln wird im Laufe der persönlichen Entwicklung zunehmend aber auch die Bewertung von Regeln wichtig, denn nicht alle Regeln dienen der Fairness und schon so manche Regel hat sich im Zuge einer kritischen Diskussion und vor dem Hintergrund kultureller Veränderungen als nicht mehr notwendig oder haltbar erwiesen.
Christine Schmid

Kommentar: Fairness und Fairplay aus pädagogischer Sicht

Christine Schmid beschreibt in ihrem wertvollen Beitrag einerseits, wie Kinder moralisches Wissen erwerben, andererseits wie dieses Wissen in moralisches Handeln überführt und solches Handeln gefördert werden kann. Daran anknüpfend erscheinen mir drei Nachfragen bzw. Vertiefungen geboten, die ich in diesem Kommentar skizzieren will: (1) Das Verhältnis der Dualität von moralischem Wissen und moralischer Motivation zu den jeweiligen Inhalten der Moral. (2) Die Frage nach der Verantwortung, moralisches Wissen und moralische Motivation im Laufe der Kindheit zu erwerben.
Gottfried Schweiger

Fairplay im Ferntourismus?

Der folgende Beitrag setzt sich mit den Potentialen verantwortungsbewussten Reisens im Ferntourismus auseinander. Die vorgenommene Analyse des Fairplay im Ferntourismus befasst sich weniger mit dem ökologisch nachhaltigen Reiseverhalten, sondern nimmt in einer tourismussoziologischen Perspektive auf interkulturelle Begegnungsweisen im Ferntourismus Bezug.
Wolfgang Aschauer

Kommentar: Fairplay im Ferntourismus?

In seinem Beitrag „Fairplay im Ferntourismus? Zur Reiseethik westlicher Touristen“ stellt Wolfgang Aschauer eine normative Beziehung zwischen den Reiseeinstellungen und Werthaltungen von Touristen und der ethischen Maxime der Fairness her. Wenngleich die Einschränkung auf Ferntourismus und westliche Touristen nicht ganz nachvollziehbar ist und auch im Artikel nicht weiter erläutert wird, so ist seine Fokussierung auf zwei besondere Reiseformen – das Reisen in Krisengebiete am Beispiel Ägyptens und das Reisen in Slums am Beispiel Kapstadts und Rio de Janeiros – schlüssig.
Andreas Koch

Backmatter

Weitere Informationen

BranchenIndex Online

Die B2B-Firmensuche für Industrie und Wirtschaft: Kostenfrei in Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren.

Whitepaper

- ANZEIGE -

Entwicklung einer Supply-Strategie bei der Atotech Deutschland GmbH am Standort Feucht

Die Fallstudie zur Entwicklung der Supply-Strategie bei Atotech Deutschland GmbH beschreibt den klassischen Weg der Strategieentwicklung von der 15M-Reifegradanalyse über die Formulierung und Implementierung der Supply-Rahmenstrategie. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht die Ableitung und Umsetzung der strategischen Stoßrichtungen sowie die Vorstellung der Fortschreibung dieser Strategie. Lesen Sie in diesem Whitepaper, wie die Supply-Strategie dynamisch an die veränderten strategischen Anforderungen des Unternehmens angepasst wurde. Jetzt gratis downloaden!

Bildnachweise