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Über dieses Buch

Mark Jakob untersucht auf Grundlage von Archivquellen und zeitgenössischen Veröffentlichungen das Verhältnis von gesellschaftlichem Wandel, wertegeleiteter Familienpolitik und wissenschaftlicher Forschung. Von den 50er zu den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wandelte sich die bundesdeutsche Gesellschaft tiefgreifend, wie der Autor darlegt. Unter den Bedingungen dieser gesellschaftlichen Dynamik konnte die Familienpolitik immer weniger auf einen einheitlichen Begriff von Gesellschaft zurückgreifen, um ihre Politik einzubetten und zu legitimieren. Das Versprechen der Sozialwissenschaft, objektive Befunde und Deutungen gesellschaftlichen Wandels als Orientierungspunkte familienpolitischer Maßnahmen vorzulegen, konnte diese Unsicherheit nicht ausgleichen. Die institutionalisierte Kommunikation zwischen Wissenschaft und Politik war damit nur eingeschränkt fähig, ein Programm „rationaler“, wissenschaftsgestützter familienbezogener Gesellschaftspolitik zu entwickeln und umzusetzen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Der Gegenstand dieses Buches, die bundesdeutsche Familienpolitik, erscheint im Gegensatz zu seinem Thema, dem Wandel der Vorstellung von Gesellschaft im wissenschaftlich-politischen Dialog, auch dem politisch interessierten Laien schnell vertraut. Während der Arbeit an diesem Text war es eine eigentümliche Erfahrung, die familienpolitische Debatte doppelt in Vergangenheit und Gegenwart zu verfolgen und zu erkennen, dass einige der „neuen“ verhandelten Gegenstände seit Jahrzehnten immer wieder in der Diskussion stehen. Das Ziel, durch politische Steuerung mit rechtlichen, finanziellen und kommunikativen Mitteln günstige Rahmenbedingungen für Familiengründung und Familienleben in der modernen Gesellschaft zu schaffen, hat sich seit Beginn einer institutionalisierten Familienpolitik des Bundes nicht wesentlich geändert.
Mark Jakob

Kapitel 2. Aspekte sozialstrukturellen Wandels in der Bundesrepublik, 1949-1990

In der alten Bundesrepublik spielten sich tief greifende Veränderungen in der Struktur von Wirtschaft, Gesellschaft und Familie ab, die von der Familienpolitik als Handlungsaufforderung gedeutet wurden. In den 40 Jahren zwischen der Gründung der BRD und der Wiedervereinigung konnte sich die Familienpolitik nur selten auf weitgehend stabile Strukturen oder gleichmäßig verlaufende Entwicklungen in Familie und Gesellschaft stützen. Die Sozialwissenschaft zeigte beispielsweise die Verwerfungen und Neukonfigurationen der Familie der Nachkriegszeit auf, diskutierte besonders in den siebziger Jahren eine retardierende Wirkung bestimmter Familienformen auf die kindliche Entwicklung und vermerkte einen Verlust der Verbindlichkeit der auf die Ehe gegründeten Familie sowie eine steigende Variabilität der Familienformen.
Mark Jakob

Kapitel 3. Familienpolitische Entscheidungen und Maßnahmen 1949-1989

Bevor in den folgenden Kapiteln der familienpolitische und familienwissenschaftliche Blick auf die Gesellschaft im Kontext der Politikberatung diskutiert wird, soll an dieser Stelle ein kurzer Abriss der wichtigsten familienpolitischen Weichenstellungen und gesetzlichen Maßnahmen die großen Entwicklungslinien in der Bundesrepublik aufzeigen und somit die Bezüge der politischen und wissenschaftlichen Diskussion darstellen. In welchem Verhältnis zum sozialstrukturellen Wandel die Neuerungen standen, kann dabei nur angedeutet werden.
Mark Jakob

Kapitel 4. Weichenstellungen und Herausforderungen wissenschaftsgestützter Familienpolitik 1954-1969

Die Zuschreibung bestimmter Kommunikationen auf bestimmte Personen ist – simpel gesagt – einer der Mechanismen, anhand derer Luhmann zufolge soziale Systeme aus der ansonsten nicht zu bewältigenden Komplexität ihrer Umwelt eine sinnstiftende Auswahl treffen. Untereinander in der Reihenfolge der Amtszeiten ihrer offiziellen Urheber angeordnet, suggerieren diese Zitate bereits eine Entwicklung der Familienpolitik, die mit der gängigen Erzählung übereinstimmt: vom christlichen Welt- und Familienbild Wuermelings, in dem Familienpolitik einen Teil der Abwehr der „Überwältigung“ des Individuums in der modernen Gesellschaft bildete, über die bei Heck anklingende Einstellung, dass der gesellschaftliche Wandel nicht von vornherein zu verdammen wäre, aber die Familie als Institution schwer belastete, zum Beginn einer neuen familienpolitischen Ausrichtung bei Brauksiepe, die sich vornahm, die Realität auf wissenschaftlicher Basis zu erfassen und ihre komplexe Dynamik durch steuernde Eingriffe auf ein objektiv-rationalen Kriterien genügendes Ziel hin zu kanalisieren (und damit bereits richtungsweisend für die sozialliberale Koalition).
Mark Jakob

Kapitel 5. Krisen und Paradoxien wissenschaftsgestützter Familienpolitik 1969-1982

Der Regierungsantritt der sozialliberalen Koalition fiel in eine Zeit, in der beschleunigter gesellschaftlicher Strukturwandel, eine greifbare Veränderung familienbezogener Lebensentscheidungen in der Bevölkerung und immanente Probleme der Familienpolitik sich zu einer gemeinsamen Herausforderung verbanden. Im Verlauf der siebziger Jahre bestätigte sich, dass seit den sechziger Jahren ein tiefgreifender Wandel in der Gesellschaft vor sich ging, der mit den etablierten Erkenntnissen der Gesellschaftsbeschreibung nur unzureichend zu erfassen war. Der Mitte der sechziger Jahre eingetretene Geburtenrückgang, so wurde immer deutlicher, war keine vorübergehende Erscheinung, und die Ursachen des geänderten Verhaltens der Menschen, das sich auch in rückläufigen Eheschließungszahlen äußerte, lagen zunächst weitgehend im Dunkeln. Die Erwerbstätigkeit von Müttern mit zu versorgenden Kindern begann merklich anzuwachsen, doch im öffentlichen Diskurs schnell hergestellte Kausalbeziehungen zwischen weiblicher Erwerbstätigkeit und Geburtenrückgang erwiesen sich im Lichte genauerer Betrachtung als unhaltbar.
Mark Jakob

Kapitel 6. Schlussbetrachtung

Die Familienpolitik und ihre wissenschaftliche Beratung teilten in den fünfziger Jahren wesentliche normative Grundvorstellungen über die Form der Familie, über ihr Verhältnis zum Individuum und über ihre Stellung innerhalb der Gesamtgesellschaft sowie die Rolle des Staates bei der Förderung der Familien. Die Semantik einer vorstaatlichen und vorgesellschaftlichen Institution Familie erlangte im Kontext der Neubegründung bundesdeutscher Familienpolitik zentrale Bedeutung, ermöglichte sie doch die ostentative Abkehr von Assoziationen mit der nationalsozialistischen Familienpolitik. Der Wechsel zur sozialliberalen Koalition erfolgte unter Ankündigung eines deutlichen programmatischen Bruches und der Ankündigung einer rationalen Familienpolitik, deren inhaltliche Ausgestaltung noch deutlich Wissenschaftsund Planungsoptimismus der sechziger Jahre erkennen lassen.
Mark Jakob

Backmatter

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