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Über dieses Buch

Eine grundlegende Publikation der zeitgenössischen Fanforschung in der überarbeiteten Neuauflage.Fans sind ein weit verbreitetes und vielfältiges Phänomen: Menschen sind Fans von Fußballvereinen, Musikern, Filmstars, Automarken usw. Es gibt Fans in verschiedenen Altersgruppen und Schichten. Die hier versammelten Beiträge analysieren Fans hinsichtlich ihrer spezifischen Emotionalität, ihrer Kultur und Lebensführung, ihrer Sozialisation und Sozialstruktur, ihres Konsumverhaltens, ihrer Mediennutzung und ihrer politischen Partizipation. Thematisiert werden außerdem die internen Abgrenzungen in Fan-Szenen, Fragen der Migration und Globalisierung von Fans, Geschlechterkonstruktionen in Fan-Gemeinschaften sowie die Geschichte des Fantums.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung. Fans als Gegenstand soziologischer Forschung

Zusammenfassung
Sich für eine Musikgruppe, einen Sportverein, einen Film oder eine Fernsehserie intensiv zu begeistern, ist ein ist verbreitetes Phänomen. Viele Menschen sind Fans, und die unterschiedlichsten Dinge ziehen Fans an. Dennoch hat das Thema bisher recht wenig sozialwissenschaftliche Aufmerksamkeit erhalten. Die Einleitung zum Band „Fans. Soziologische Perspektiven“ definiert Fans als Menschen, die längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einem für sie externen, öffentlichen, entweder personalen, kollektiven, gegenständlichen oder abstrakten Fanobjekt haben und in die emotionale Beziehung zu diesem Objekt Zeit und/oder Geld investieren. In einer quantitativen Exploration durch eine Online-Befragung zeigt sich zudem, dass Fans diese leidenschaftliche Beziehung unterschiedlich intensiv eingehen und Verschiedenes damit verbinden. Verbreitet ist beispielsweise die Informationssuche, Anderen begeistert vom Fanobjekt zu erzählen und Gegenstände mit Bezug zum Fanobjekt zu sammeln. Ein Literaturüberblick zur Fanforschung zeigt Stärken, Schwächen und Lücken des Forschungsfeldes auf.
Jochen Roose, Mike S. Schäfer, Thomas Schmidt-Lux

Fans in theoretischer Perspektive

Zusammenfassung
Fans waren bislang kaum Gegenstand systematischer Theoriebildung. Der Beitrag unternimmt eine exemplarische Theoretisierung von Fans, indem er sich auf drei Fragen konzentriert und sich diesen drei theoretischen Richtungen nähert. Erstens werden die Gründe, Fan zu werden, mit der Rational Choice-Theorie als Strategie der Erlebnissteigerung interpretiert. Durch die langfristige Fanbeziehung mit ihren Ritualen und der Vorbereitung in der Fan-Gemeinschaft wird das Erlebnis intensiver und gleichzeitig erwartbarer. Zweitens wird das Agieren von Fans aus einer Goffman’schen Sicht als spezifische Interaktionsordnung betrachtet. Die Fan-Rolle bietet Möglichkeiten und Regeln einer Inszenierung. Drittens wird die soziale Ordnung innerhalb von Fan-Gemeinschaften mit Bourdieus Ansatz gefasst. Fan-Gemeinschaften folgen eigenen Ordnungen der Zuschreibung von Anerkennung nach Fan-spezifischen Kapitalien. Distinktionsgewinne lassen sich sowohl innerhalb der Fangemeinschaft als auch extern erzielen. In einer Freizeitgesellschaft könnten solche Kapitalien wichtiger werden. Insgesamt wird deutlich, dass verschiedene Theorierichtungen eine instruktive Basis für die Theoretisierung und damit das Verständnis des Gesellschaftsphänomens Fans bieten.
Jochen Roose, Mike S. Schäfer, Thomas Schmidt-Lux

Geschichte der Fans

Zusammenfassung
Zwar ist erst zum Ende des 19. Jahrhunderts explizit von Fans die Rede. Doch schon lange davor lassen sich Beispiele finden, die aus heutiger Sicht ebenfalls als Fantum bezeichnet werden können. Der Aufsatz beschreibt diese Entwicklung von Fans und Fanobjekten seit der Antike. Abschließend wird danach gefragt, welche systematischen Veränderungen von Fans und Fantum sich im Laufe dieser Geschichte – etwa durch den Medienwandel – feststellen lassen.
Thomas Schmidt-Lux

Fans und Sozialstruktur

Zusammenfassung
Der Beitrag geht der Frage nach, inwiefern die Wahl von Fanobjekten eine sozialstrukturelle Basis hat. Als Fanobjekte werden Personen verstanden, die außerhalb des persönlichen Netzwerks stehen und in Form von parasozialen Beziehungen verehrt werden. Anhand empirischer Studien wird aufgezeigt, dass Fans und Fanobjekte oft denselben Ungleichheitskategorien, etwa Geschlecht, Alter und Ethnie, angehören (kategoriales Matching) und gemeinsame Bezüge in der Differenzierungsstruktur aufweisen (systemisches Matching). Zur Erklärung dieser Homophilie wird die Lebensführung als Vermittlungsinstanz herangezogen, da sie als Rekrutierungsfeld für die verehrten Objekte fungiert. Das Ausmaß der Objektverehrung wird aus einer Fankapitalperspektive erklärt.
Gunnar Otte

Fans und Emotionen

Zusammenfassung
Emotionen sind ein konstitutives, vielleicht das konstitutive Charakteristikum von Fans – und entsprechend lohnend ist es, sich aus emotionssoziologischer Perspektive mit Fans zu befassen. Der Beitrag legt dar, welche emotions soziologischen Blickwinkel bereits für die Analyse von Fans genutzt wurden und welche dahingehend künftig fruchtbar sein könnten. Dazu werden zunächst die Grundperspektiven der Emotionssoziologie skizziert – die Emotionen als Ergebnis sozialer Interaktionen und Strukturen verstehen, deren kulturelle Kodierung untersuchen oder ihre soziale Konstruiertheit betonen – und anschließend auf Fans bezogen.
Mike S. Schäfer

Fans und alltägliche Lebensführung

Zusammenfassung
Jedes Fanleben besteht – neben seinen besonderen Höhepunkten – auch aus einem Alltag. Dieser steht im Mittelpunkt der folgenden Überlegungen. Dabei beschäftigt uns die Frage, ob und wie sich Fantum in der alltäglichen Lebensführung von Fans niederschlägt, welche Formen die Fanbeziehung dort annimmt und welche Folgen dies hat. Dabei werden drei Dimension unterschieden. In der sachlichen Dimension wird danach gefragt, was Fans eigentlich tun und womit sie sich beschäftigen. In einer sozialen Dimension wird untersucht, wie das Fanleben soziale Beziehungen und Netzwerke beeinflusst und strukturiert. In einer dritten Dimension wird schließlich die zeitliche Dimension alltäglicher Fanpraxis untersucht. Dies meint zeitliche Rituale, aber auch die Entwicklung von Fantum im Lebensverlauf. Im Ergebnis gewinnt man über die Frage nach der Alltagsrelevanz wichtige Einblicke über die generelle Bindungs- und Prägekraft von Fanbeziehungen.
Thomas Schmidt-Lux

Fans und kulturelle Praxis

Zusammenfassung
Der Beitrag analysiert und diskutiert die Entwicklung sowie vor allem aktuelle Erkenntnisse und Perspektiven der Fanforschung aus kulturtheoretischer Sicht. Zunächst wird das Verhältnis von Fankultur und akademischer Kultur betrachtet. Es wird untersucht, welche Bedeutung der eigenen Involviertheit in das zu untersuchende Fantum von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen zugeschrieben wird. Dann wird die digitale Transformation der Fankulturen seit den 1990er Jahren näher betrachtet. Schließlich wird gefragt, ob die kreativen und widerspenstigen Aneignungspraktiken von Fans auch im 21. Jahrhundert Formen des Widerstandes und der Rebellion darstellen können.
Rainer Winter

Fans und Distinktion

Zusammenfassung
Fans wollen etwas Besonderes sein. Sie fallen auf - jedenfalls wenn man gelernt hat, genau hinzusehen, und wollen dies in der Regel auch tun. Wie auch immer, ob der Wille etwas Besonderes zu sein, offensiv und auffällig in der Öffentlichkeit vorgetragen wird oder sich eher in distinguierten Formen in geschützten Räumen vollzieht, die Absicht seine Besonderheit zu inszenieren, gehört zu den wesentlichsten Kennzeichen jeden Fanseins. Im folgenden Text sollen einige zentrale Inszenierungsformen des Fanseins vorgestellt und in ihrer Bedeutung und Funktion analysiert werden.
Winfried Gebhardt

Fans und Sozialisation

Zusammenfassung
Der Artikel beschäftigt sich mit der Frage, wie der komplexe Zusammenhang zwischen Sozialisation und Fan oder Fantum verstanden und modelliert werden kann. Zur Beantwortung dieser Frage werden in einem ersten Schritt zentrale Grundannahmen der Sozialisationsforschung systematisiert und darauf aufbauend Implikationen für den Bereich „Fan“ bzw. „Fantum“ abgeleitet. In einem zweiten Schritt wird dann ein Mehrebenen-Prozessmodell von Sozialisation und „Fan“ bzw. „Fantum“ vorgeschlagen mit dem sich Wechselwirkung zwischen Sozialisation und „Fan“ bzw. „Fantum“ in längsschnittlicher Perspektive explizieren und empirische beschreiben lassen. Den Abschluss bilden eine Zusammenfassung der Diskussion sowie ein Ausblick für die zukünftige Fan-Sozialisationsforschung.
Jan Skrobanek, Solvejg Jobst

Fans und Gender

Zusammenfassung
Fankulturen werden oftmals geschlechtlich kodiert und stellen potenziell ein Forum für Auseinandersetzungen mit Fragen der Geschlechtsidentität dar. Am Beispiel der Kultur von Fußballfans sowie der Fans von Teenie-Pop-Gruppen werden im Beitrag die folgenden Fragen diskutiert: Auf welche Weise kann Geschlecht in Fan-Kulturen Bedeutung erlangen, und welche Umgangsweisen mit geschlechtlichen Bedeutungen lassen sich in diesen Kulturen beobachten? Inwiefern sind sie ein Ort der Reproduktion oder auch der Subversion konventioneller Geschlechter-Bilder im Sinne eines gender bendings? Abschließend werden die Konsequenzen dieser Diskussion sowohl für die Geschlechterforschung als auch für eine Soziologie der Fans erörtert.
Bettina Fritzsche

Fans und Gewalt

Zusammenfassung
Der Beitrag bietet einen Überblick über Studien zu Fangewalt entlang analytischer Dimensionen, die sowohl das Phänomen der Gewalt in seiner Komplexität als auch den Eigensinn des Fanseins zu fassen versuchen. Er schlägt zudem eine Typologie von Formen der Gewaltausübung vor, die unterschieden werden nach ihrem Bezug auf die Fan-Fanobjekt-Figurationen. Diese Typologie wird in zwei Richtungen angewandt: in die Tiefe einer ausgewählten (Fußball)Fanszene und  in die Breite der verschiedenen Fantümer mittels einer Kategorisierung von Fanszenen im Hinblick auf den unterschiedlichen Stellenwert von Gewalt. Den Aufsatz beschließt ein zusammenfassender Ausblick auf weiterführende Forschungsperspektiven.
Alexander Leistner

Fans und Religion

Zusammenfassung
Immer wieder wird die These vertreten, dass Fantum eine Art Religion bzw. religiöses Phänomen sei. Deutlich seltener wird diese These jedoch systematisch begründet und theoretisch fundiert. Angesichts dieser diffusen Lage wird im Folgenden aus religionssoziologischer Perspektive gefragt, inwiefern Fantum als religiöses Phänomen verstanden werden kann. Hierzu werden im ersten Teil vier religionstheoretische Ansätze vorgestellt (die Perspektiven Durkheims, Luckmanns, Webers sowie der Religious-Economies-Approach) und ihre jeweiligen Anschlussmöglichkeiten an den Gegenstand Fantum ausgelotet. Im zweiten Teil werden dann einige theoretische und forschungspraktische Konsequenzen diskutiert, die sich aus diesen Überlegungen ergeben.
Thomas Schmidt-Lux

Fans und Konsum

Zusammenfassung
Bislang hat sich die Erforschung von Fans, d. h. von Personen, die längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einer prominenten Person, Gruppe oder Organisation entwickeln, für das sie vergleichsweise viel Zeit, Geld und Aufmerksamkeit aufbringen, weitestgehend auf die Gebiete Sport, Musik und Medien, speziell Fernsehserien konzentriert. Es gibt jedoch auch im Bereich der Konsumforschung gewisse Bestrebungen, den Zusammenhang von Fan- und Konsumverhalten eingehender zu studieren. Der Beitrag gibt einen Einblick in den aktuellen Forschungsstand und stellt Ergebnisse eines drittmittelfinanzierten Forschungsprojekts vor, das sich insbesondere mit der Frage der Mobilisierbarkeit und Transformation von Konsumenten in Konsumfans befasst hat.
Leila Akremi, Kai-Uwe Hellmann

Fans und Medien

Zusammenfassung
Ziel dieses Beitrags ist es, die individuelle Seite der Fan-Medien-Beziehung zu beleuchten. In den empirischen Analysen werden drei Facetten dieser Beziehung für Fußballfans und Musikfans in den Blick genommen: erstens die Rolle, welche die traditionellen Massen-medien wie auch das Internet bei der Genese des Fan-Seins spielen; zweitens wird die Nutzung alter und neuer Medien durch Fans im Detail untersucht; drittens wird für Fußballfans die Annahme geprüft und bestätigt, eine Bindung an überlokale Fußballvereine als ein Indikator für die Teilhabe an „imaginierten Fangemeinschaften“ sei dann wahrscheinlicher, wenn man über das Medium Fernsehen zu seinem Fanobjekt gefunden hat.
Dieter Ohr

Fans und Partizipation

Zusammenfassung
Partizipation umfasst zwei Aspekte: Mitentscheidung und Mitwirkung. Der Beitrag betrachtet beide Aspekte mit Blick auf Fans. Dabei wird Hirschmanns berühmte Unterscheidung von Exit, Voice und Loyalty als Möglichkeiten der Reaktion auf Unzufriedenheit gegenüber einer Organisation für das Verständnis von Fans als loyalem Publikum nutzbar gemacht. Von Fans ist eine Unterstützung ihres Fanobjekts auch bei Unzufriedenheit zu erwarten. Zudem müssten nach Hirschman loyale Fans stärker zu Voice, also der Artikulation von Unzufriedenheit, neigen und weniger zur Abwanderung (Exit). Korrespondierend damit finden sich unter Sportfans auch vielfältige Formen von Unmutsäußerungen, was in anderen Fanbereichen seltener vorkommt. Allerdings gibt es auch unter Musik- und Filmfans eine große Minderheit, die meint, bei schlechten Entwicklungen ihres Fanobjekts die Stimme erheben zu müssen. Für eine Mitwirkung beim Fanobjekt finden sich eine Reihe von Beispielen. Die Online-Umfrage zeigt, dass Sport- und Musikfans zu großen Teilen eine Unterstützung ihres Fanobjekts, beispielsweise bei Veranstaltungen, als ihre Aufgabe betrachten, was Film- oder Buchfans eher nicht so sehen. Fantum kann für politische Partizipation in drei Weisen relevant sein: als Milieu für die Ausbildung politischer Szenen und im Sinne der Sozialkapitalthese als „Schule der Demokratie“ – wofür sich empirisch allerdings keine Anzeichen finden.
Jochen Roose, Mike S. Schäfer

Fans und Migration

Zusammenfassung
Während großer Fußballturniere hängen nicht nur schwarz-rot-goldene Fahnen an Häuserwänden, es gibt in deutschen Städten Fanklubs für türkische Vereine – das Thema Fans und Migration ist komplex und vielfältig. Fankultur ist in ihrem Selbstverständnis eng mit lokaler Identität und Identifizierung verknüpft, der Fußball selbst und seine Vereine sind ohne Migration praktisch nicht denkbar, und der moderne Sport ist zudem ein globales Ereignis und nicht zuletzt Produkt. Wir zeigen in diesem Beitrag, in welcher Weise diese verschiedenen Faktoren das Verhältnis von Migration und Fankultur bestimmen und dabei unterschiedliche und fließende Identitäten hervorbringen.
Victoria Schwenzer, Nicole Selmer

Fans und Globalisierung

Zusammenfassung
Die sozialwissenschaftliche Debatte über Globalisierung hat stärkere transnationale Bezüge in vielen gesellschaftlichen Bereichen beschrieben, Ursachen für die Globalisierung identifiziert und Folgen diskutiert. Aus dieser Diskussion ergeben sich Thesen für Fans, die im vorliegenden Beitrag anhand unterschiedlicher empirischer Studien diskutiert werden. Sie zeigen, dass es keinen einheitlichen Trend zu mehr ausländischen Fanobjekten gibt, wenn man die Titelblätter der Fan-Zeitschriften Kicker (für Fußball) und Bravo (für Musik und Film) zu Grunde legt. Beim Kicker nimmt der Anteil ausländischer Spieler auf dem Titelblatt erst zwischen 1996 und 2006 deutlich zu, während der Anteil zuvor konstant bleibt. Bei Film und Musik zeigen sich deutlichere Schwankungen, wobei der Anteil deutscher SchauspielerInnen und MusikerInnen ab Mitte der 1990er Jahre zunimmt. Die bei einer Online-Umfrage angegebenen Fanobjekte sind im Sport zu 96 % deutsch, in den anderen Bereichen liegen die Anteile deutlich niedriger. Ausländische Fanobjekte führen zu häufigeren Auslandsreisen und mehr transnationalen Kontakten zu anderen Fans. Musik, Film und Bücher führen nach Selbsteinschätzung auch zur Verbesserung von Fremdsprachkenntnissen.
Jochen Roose

Backmatter

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