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Über dieses Buch

Das Buch untersucht den griechischen Begriff des „polemos“, der die Spaltung der Gesellschaften und Öffentlichkeiten in rivalisierende, gewalttätige Parteien bezeichnet. Es zeigt das neue feindselige Paradigma der Öffentlichkeit, das nicht mehr auf die akklamatorische Gestalt des liberalen Konsenses und auf dem doxologischen Aspekt der Macht beschränkt bleibt, sondern sich vielmehr auf den „Medienkrieg“ der liberalen und autoritären Öffentlichkeiten ausgeweitet hat. Hierbei werden vor allem die Probleme des Journalismus aufgezeigt, der sich heute den liberalen oder autoritären Mächten und Kräften „antiaufklärerisch“ verschrieben hat.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Als der arabische Sender AlJazeera mit Sitz in Doha 1996 gegründet wurde, sagte der damalige Emir von Katar zum Chefredakteur des Senders: „Denkt dir den Sender so, als ob er auf dem Mond oder irgendwo im Weltraum wäre und von dort aus senden würde.“ Der Sender soll die Welt von außen, völlig neutral betrachten, ohne jegliche politische, soziale oder ökonomische Einschränkung: „Ihr könnt also nach bestem Wissen und Gewissen das berichten, was ihr berichten wollt.“ In der Tat, der Journalismus, sofern er der „Wahrheit“ – was diese auch immer sein mag – verpflichtet ist, entspricht einer Beobachtung von einem externen Standpunkt aus.
Stavros Arabatzis

Kapitel 2. Zur Genealogie und Aktualität des medialen Konflikts

Zusammenfassung
Medien und Medienkonflikte sind kein modernes Phänomen, vielmehr haben sie mit der Entwicklung der Sache selbst zu tun. Und diese „Sache“ meint nichts anderes als das paradoxe Medium (mēson) oder das Dazwischen (metaxȳ) des Mediums. Das „Medium“ (oder im Plural „Medien“) in seiner historischen Bewegung beschreibt dieses paradoxe Dazwischen als integrales Geschehen von Subjektivierung und Desubjektivierung.
Stavros Arabatzis

Kapitel 3. Schwelle als zweifache mediale Verschiebung

Zusammenfassung
In der Schwelle von Rationalität und Irrationalität, von Wahrheit und Lüge, von Erwachen und Traum, von distanzierter Betrachtung und physischem Mitvollzug, von Gebändigtem und Ungebändigtem, von maßvoller Anschauung und orgiastischem Exzess, verschränken sich heute die zwei Formen der Medien und bilden darin eine Ununterscheidbarkeit. Dergestalt, dass in dieser doppelten Verschiebung mediale Aktualität und mediale Potenzialität eine indikative (Ist, Sein, Werden, Bewegung) und imperative (Sollen) Medienmaschine beschreiben. Und genau dieser zweite, imperative Aspekt der rationalen, wissenschaftlichen, philosophischen oder journalistischen „Wahrheitsmaschine“ blieb dann auch in der liberal-demokratischen Medienmaschine weitgehend verdeckt.
Stavros Arabatzis

Kapitel 4. Medienphilosophie als Hintergrund des Journalismus

Zusammenfassung
Jede neu aufkommende Disziplin im Bereich des ‚strengen Denkens‘ setzt immer am konkreten, historisch-gewachsenen, gesellschaftlichen und technischen Gegenstand der Zeit an. Sofern sie aber einen universalistischen Anspruch erhebt, ist sie auch mit dem ‚Anfang‘ ihres Mediums konfrontiert, das gerade in seinem neuesten Zustand (noietischer, aisthetischer, technischer oder sozialer Art) nicht etwa vergeht, vielmehr darin als paradoxer Anfang sich behauptet. Freilich hat Hegel recht, wenn er den ‚Anfang‘ weder als ein Vermitteltes noch als ein Unmittelbares, vielmehr als ein Übergehen des einen ins andere begreift.
Stavros Arabatzis

Kapitel 5. Deaktivierung der Sprache in ihrer kommunikativen, informativen, doxologischen und polemischen Funktion

Zusammenfassung
In einem Spiegel-Gespräch mit Adorno, das in Zusammenhang mit der Studentenbewegung stattfand, beginnt der Spiegel das Gespräch mit der Feststellung: „Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung.“ Daraufhin Adornos asketische Antwort: „Mir nicht.“ Auch „vor zwei Wochen“ sah er nämlich die Welt nicht in ihrer Ordnung, vielmehr in ihrer Unordnung, die er allerdings aus seiner theoretischen Haltung ableitet und die er gegenüber seinen damals nach Praxis sehnenden Studenten hartnäckig verteidigt: „Ich habe in meinen Schriften niemals ein Modell für irgendwelche Handlungen und zu irgendwelchen Aktionen gegeben.
Stavros Arabatzis
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