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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Einleitung

Zusammenfassung
Die wichtigsten rundfunkpolitischen Problemstellungen bestimmen sich im Spannungsfeld zwischen Parteipolitisierung und Tendenzen zur Kommerzialisierung dieses Massenkommunikationsmittels. Der Rundfunk ist nicht nur - mit den Worten des Bundesverfassungsgerichts - ein Medium, sondern auch ein Faktor der öffentlichen Meinungsbildung. Deshalb kann es nicht darum gehen, die Parteien aus den Kontrollgremien des Rundfunks herauszuhalten; denn die Parteien haben den grundgesetzlichen Auftrag, an der politischen Willensbildung des Volkes mitzuwirken.
Jörg Aufermann, Wilfried Scharf, Otto Schlie

Organisation, Kontrolle und ökonomische Bedingungen des Rundfunks

Frontmatter

1. Entwicklung des Rundfunks nach 1945

Zusammenfassung
Der Rundfunk in der Bundesrepublik hat seine heutige Form nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten. Bei seiner Konstituierung wirkte die Entwicklung des Rundfunks in der Weimarer Republik und im Dritten Reich, die durch Zentralisierung und propagandistischen Mißbrauch durch die nationalsozialistische Staatsmacht geprägt war, als warnendes Beispiel.
Wolfgang Kapust

2. Organisation und gesellschaftliche Kontrolle des Rundfunks

Zusammenfassung
Die in der Bundesrepublik Deutschland bestehende Rundfunkstruktur — das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem — ist das gegenwärtige Instrument zur Sicherung und Verwirklichung der Rundfunkfreiheit. Zentrale verfassungsrechtliche Bestimmung ist Art. 5 I 2 GG, der die „Freiheit der Berichterstattung durch den Rundfunk“ gewährleistet. Diese Bestimmung ist im Verfassungszusammenhang als Ergänzung des Rechts, „sich aus allgemein zugänglichen Quellen zu unterrichten“ — also der Informationsfreiheit, Art. 5 I 1 GG — zu verstehen und zugleich Voraussetzung für die Entstehung von Meinungen und die wiederum grundgesetzlich geschützte ungehinderte Äußerung und Verbreitung von Meinungen. Obwohl Art. 5 I 2 GG den Begriff „Rundfunkfreiheit“ oder „Freiheit des Rundfunks“ im Gegensatz zur Pressefreiheit nicht kennt, hat sich der Begriff der Rundfunkfreiheit für die rechtliche Handhabung des Art. 5 I 2 GG durchgesetzt, so daß heute von einem Grundrecht der Rundfunkfreiheit gesprochen werden kannl.
Jobst Plog

3. Wirtschaftliche Grundlagen und Probleme des Rundfunks

Zusammenfassung
Die Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik Deutschland sind als öffentlich-rechtliche Anstalten mit dem Recht zur Selbstverwaltung organisiert.1 Anstalten des öffentlichen Rechts stellen keine allgemeine Rechtsform dar, sondern jede einzelne Anstalt wird durch Gesetz bzw. Staatsvertrag für die Erfüllung einer speziellen öffentlichen Aufgabe außerhalb der unmittelbaren Staatsverwaltung errichtet. Unter Beachtung des Wirtschaftlichkeitsprinzips ist die Erfüllung der jeweiligen gesellschaftlichen Aufgabe oberstes Betriebsziel der öffentlich-rechtlichen Anstalt2. Ihr wirtschaftliches Gebaren orientiert sich also nicht an monetären Zielen wie Umsatz- oder Gewinnmaximierung, wie es bei privatwirtschaftlich organisierten Unternehmen oder bei anderen, nach Gewinn strebenden öffentlichen Betrieben der Fall ist. Das Wirtschaftlichkeitsstreben ist bei öffentlich-rechtlichen Anstalten nur Mittel zum Zweck, es darf nicht zum Selbstzweck werden, sondern muß immer der öffentlichen Aufgabe untergeordnet sein.3
Heinz-Hermann Herbers

4. Fremdproduktionen für den Rundfunk

Zusammenfassung
Fragen der Produktionsstruktur waren für die Urform von Hörfunk und Fernsehen ohne Belang; denn es gab nur Direktsendungen, auch live-Sendungen genannt. Beim Hörfunk kam als fremdes Element die Schallplatte hinzu, beim Fernsehen der Spielfilm (mit Hilfe eines „Filmabtasters“ in die Sendetechnik eingespeist). Zwar unternahm man beim Hörfunk schon in den zwanziger Jahren Aufzeichnungsversuche (z. B. mit Stahldraht, auch mit Lichtton), aber ohne rechten Erfolg. 1929 führte die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft die Wachsplatte ein (eine relativ dicke Platte, die zur Aufnahme eine bestimmte Temperatur benötigte). Eine annehmbare Abspielqualität von Wachsplatten (zwei- oder dreimal war es möglich) gelang jedoch erst 1930. Noch im selben Jahr schaffte man es, Schellackplatten („Schwarzplatten“) von Wachsplatten zu pressen, also Interviews, Hörspiele, Reportagen zu konservieren: Damit begann sich die Produktionsstruktur des Hörfunks zu verändern, indem er von der Zeit unabhängig wurde. Die Erfindungen wurden gerade auf dem Gebiet der Aufzeichnungstechnik fortgesetzt, Versuche mit „Folien“ gelangen nur mäßig.
Friedrich Wilhelm Hymmen

5. Parteieneinfluß im Rundfunk

Zusammenfassung
Hans Bredow, ehemals Rundfunkkommisar im Reichspostministerium, rät 1946 der Hessischen Regierung: „Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, daß die Einschaltung der politischen Parteien zur Austragung politischer Gegensätze innerhalb des Rundfunks führt.“2 Diese Erfahrung, verbunden mit der Instrumentalisierung des Rundfunks von 1933 bis 1945 für die politischen Zwecke des Faschismus in Deutschland (Goebbels), wirkt sich in den von den Besatzungsmächten profilierten Rundfunkgesetzen aus, die unter anderem einen Staats- bzw. Staatsparteienfunk ausschließen sollen. Eine Pointe der öffentlich-rechtlichen Organisationsform des Rundfunks nach dem Zweiten Weltkrieg liegt in der Besetzung der Kontrollgremien durch die wichtigen Gruppen und Kräfte der Gesellschaft. Zu ihnen zählen selbstverständlich auch die politischen Parteien, aber eben unter anderen. Das Gesetz für den HR nennt im § 5, der den Rundfunkrat betrifft, zwölf entsendende Einrichtungen (Institutionen, Verbände usw.), von der Landesregierung über die Universitäten, Kirchen usw. bis zum Freien Deutschen Hochstift Frankfurt. An zwölfter Stelle erst stehen (wenn auch mit einem größeren Kontigent) „fünf Abgeordnete des Landtags“, also: Parteienvertreter. Beim Südwestfunk ist die Zahl der Kirchenvertreter (6) fast so hoch wie die Zahl derer, die die „Volksvertretungen“(damals) von Rheinland-Pfalz, Baden und Württemberg-Hohenzollern stellen (8).
Norbert Schneider

6. Mitbestimmung im Rundfunk

Zusammenfassung
Die Forderung nach Selbstbestimmung und Mitsprache am Arbeitsplatz wurde Ende der sechziger Jahre intensiv auch auf die Rundfunkanstalten bezogen. Sie wurde insbesondere von den Programm-Mitarbeitern erhoben. Vollversammlungen und ad hoc gebildete Redakteursausschüsse entwarfen Redaktionsstatute und forderten von den Intendaten Änderungen der Entscheidungsstrukturen in den Anstalten1. Die Ausbeute aber blieb mager. Zwischenzeitlich ist auch im Rundfunkbereich wieder relative Ruhe eingetreten. Als Frage bleibt, ob hier nur ein modisches Intermezzo an allgemeiner Mitbestimmungseuphorie stattgefunden hat oder ob grundlegende Probleme anstanden und anstehen. In vergröbernder Weise lassen sich drei Problemebenen herausarbeiten, die sich trotz vielfältiger Berührungen durch eine jeweils unterschiedliche Problemsicht von einander trennen lassen.
Wolfgang Hoffmann-Riem

7. Zur sozialen Lage der Rundfunkmitarbeiter

Zusammenfassung
Die festangestellten Mitarbeiter der Rundfunkanstalten in der Bundesrepublik Deutschland genießen, von den nicht festangestellten Rundfunkmitarbeitern und von allen in anderen Massenmedien Tätigen beneidet, die Segnungen eines ausgebauten sozialen Schutzsystems. Die Details sind dem einheitlichen Muster-Manteltarifvertrag zu entnehmen, der zwischen der Rundfunk-Fernseh-Film-Union (RFFU), der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG), dem Deutschen J ournalisten-Verband (DJV) und der Deutschen Orchester-Vereinigung (DOV) auf der einen und der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) auf der anderen Seite im Januar 1974 abgeschlossen wurde. Inzwischen gilt der Vertrag beim SFB, SWF, DLF, NDR und SDR sowie bei RB; bei den anderen ARD-Anstalten wird noch verhandelt. Für das ZDF erstritten die Gewerkschaften schon vor längerem ähnliche Regelungen.
Hermann Meyn

8. Die internationale Zusammenarbeit der Rundfunkanstalten

Zusammenfassung
Rundfunk ist international. International ist etwas, das nicht nur ein Land betrifft, sondern mehrere oder alle. Zusammengearbeitet wird dort, wo es sein muß, wo es Vorteile bringt und Nachteile vermeidet.
Richard W. Dill

9. Das Verhältnis des Rundfunks zu Presse und Film

Zusammenfassung
Presse, Rundfunk und Film gelten heute als die wichtigsten Massenkommunikationsmittel. Ihre öffentliche Funktion in dem parlamentarisch-demokratischen Regierungssystem der Bundesrepublik ist verfassungsrechtlich geschützt. Die Medien unterscheiden sich jedoch in einer Fülle von Aspekten, darunter bereits wesentlich in ihrer Organisationsform.
Klaus Berg, Marie-Luise Kiefer

10. Veränderungen im Rundfunksystem durch neue elektronische Medien

Zusammenfassung
Das Rundfunksystem der Bundesrepublik Deutschland (Hörfunk und Fernsehen) ist heute durch folgende Merkmale gekennzeichnet:
1.)
Die Übermittlung von Rundfunksendungen an die Empfänger erfolgt drahtlos. Für den Betrieb der Hörfunk- und Fernsehsender ist grundsätzlich die Deutsche Bundespost zuständig1. Es ist das Trennungsmodell realisiert, d. h. daß die Post als zuständige Instanz für die Sendenetze sich jeder Einmischung in den Bereich der Veranstaltung von Rundfunksendungen zu enthalten hat.
 
2.)
Wegen des hohen finanziellen Aufwandes für Rundfunksendungen und aufgrund der Frequenzknappheit für die drahtlose Übermittlung gibt es in der Bundesrepublik ein zahlenmäßig eng begrenztes Programmangebot, insbesondere im Fernsehbereich: nämlich 1. Programm: Gemeinschafts- und Regionalprogramm der Landesrundfunkanstalten, 2. Programm: überregionales Programm des ZDF, 3. Programm: Regionalprogramm unter Zusammenarbeit einzelner Landesrundfunkanstalten.
 
3.)
Aus den unter 2.) genannten Gründen und zur Sicherung der Staatsunabhängigkeit ist durch Landesgesetze in Übereinstimmung mit dem BVerfG die Kompetenz zur Veranstaltung von Rundfunksendungen ausschließlich öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten eingeräumt worden, die binnenpluralistisch organisiert sein sollen. „Die Veranstalter von Rundfunkdarbietungen müssen also so organisiert werden, daß alle in Betracht kommenden Kräfte in ihren Organen Einfluß haben und im Gesamtprogramm zu Wort kommen können, und daß für den Inhalt des Gesamtprogramms Leitsätze verbindlich sind, die ein Mindestmaß von inhaltlicher Ausgewogenheit, Sachlichkeit und gegenseitiger Achtung gewährleisten“2.
 
4.)
Die Finanzierung erfolgt durch Teilnehmergebühren und durch Werbeeinnahmen. Die Rundfunkgebühr beträgt zur Zeit 10,50 DM (3,00 Grund- und 7,50 DM Fernsehgebühr) und ist damit — gemessen am Programmangebot und an der Steigerung des Lebensstandards — gering. Sie wird durch Staatsvertrag zwischen den Bundesländern, der der Zustimmung der Länderparlamente bedarf, festgelegt. Beim ZDF decken die Werbeeinnahmen mehr als die Hälfte des Finanzbedarfs, während bei den Landesrundfunkanstalten die Gebühren die Hauptfinanzierungsquelle darstellen. Die Zeiten für Werbung im Programm sind limitiert.
 
Bernd-Peter Lange

11. Kommunikationspolitische Konzepte für den Rundfunk

Zusammenfassung
Das GG gewährleistet in Art. 5 Abs. 1 die Freiheit der Berichterstattung durch den Rundfunk. Diese hinsichtlich der Organisation des Rundfunks zunächst sehr allgemein erscheinende, erst durch höchstrichterliche Rechtsprechung präzisierte Grundnorml stellt die für den Rundfunk zuständigen Gesetzgeber2 vor eine entscheidende Aufgabe: Sicherung der publizistischen Chancengleichheit und Meinungspluralität im Rundfunk.
Peter Braun, Michael Darkow

Programmauftrag, Programmangebot und Programmstruktur

Frontmatter

1. Programmauftrag und Programmstruktur des Rundfunks

Zusammenfassung
Information, Bildung und Unterhaltung werden als die Kernbegriffe des Programmauftrags angesehen für die in der ARD zusammengeschlossenen neun Landes- (Hörfunk und Fernsehen) und zwei Bundesrundfunkanstalten (nur Hörfunk) sowie das ZDF (nur Fernsehen). Die Aufgaben werden dem Rundfunk in Rundfunkgesetzen (Gesetze und Staatsverträge) und den entsprechenden Satzungen zugewiesen. Im einzelnen sind sie in den Vorschriften zu „Aufgaben der Anstalt“ und „Grundsätze für die Sendungen“ festgehalten. Es handelt sich um folgende Paragraphen und Artikel aus den Rundfunkgesetzen und Satzungen: BR (Gesetz: 2,4/ Satzung: 3); HR (2,3/–); NDR (3,4/3); SR (9,10/2); SFB (–/2,3); SDR (1,2,4/1,2); SWF (3,5/2,5); WDR (3,4/–); DLF (5 I,23,24/2); DW (1 I/23,24); ZDF (1,2,22/3). Einige ARD-Anstalten und das ZDF sind gesetzlich zur Zusammenarbeit (Vorschriften zu „Gemeinschaftsaufgaben/Zusammenarbeit“) verpflichtet. Innerhalb der ARD haben die Anstalten die Pflicht zur „Bearbeitung gemeinsamer Fragen des Programms“(ARD-Satzung § 2 I c).
Wilfried Scharf

2. Hörfunk — Alternative zum Fernsehen?

Zusammenfassung
Es ist offenbar, daß die fragende Titelüberschrift eine differenzierte und detaillierte begründende Antwort erfordert. Dennoch soll die Antwort vorab gegeben werden — wenn auch nach verschiedenen Aspekten differenziert und mit durchaus nicht immer gleichem Resultat. Umso mehr Sorgfalt mag danach den Begründungen zukommen. Unter dem Aspekt der historischen Entwicklung müßte die Antwort lauten: Ja, aber eher umgekehrt, denn über Jahre hinweg zeigt sich die Tendenz, daß Fernsehen zur Alternative des Hörfunks würde im Sinne eines Substitutionsmediums.
Uwe Magnus

3. Strukturprobleme und Stellenwert des Regionalfernsehens

Zusammenfassung
Abgesehen von einigen Sendungen in den Dritten Programmen konzentriert sich das regionale Informationsangebot des Fernsehens weitgehend auf die sieben Eigenprogramme, die die Rundfunkanstalten der ARD jeden Werktag zwischen 18 und 20 Uhr für ihr jeweiliges Sendegebiet ausstrahlen. Das ZDF beschränkt seine Regionalberichterstattung auf den wöchentlichen ‚Länderspiegel‘ sowie Beiträge im Rahmen der ‚Drehscheibe‘. Für die ARD-Regionalprogramme, die ihre interessantesten Produktionen zusätzlich jeden Sonntag im gemeinsamen ‚Magazin der Woche‘ wiederholen1, ergibt sich daraus primär die Funktion, den Zuschauern mit Nachrichten- und Magazinsendungen, Features und Diskussionen jene Informationen zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Regionalgeschehen anzubieten, die im Gemeinschaftsprogramm der ARD und im ZDF keinen Platz finden.
Eckhart Pohl

4. Produktionsbedingungen und Qualität von Fernsehnachrichten

Zusammenfassung
Die Nachrichtensendungen des Fernsehens erreichen Tag für Tag durchschnittlich mehr als 30 Millionen Bundesbürger. 65% der Fernsehteilnehmer sehen mindestens einmal pro Tag „Tagesscha oder „Heute; auch politisch Uninteressierte gehören zu den Zuschauern; das Publikum entspricht in seiner Zusammensetzung weitgehend der Sozialstruktur der Bundesrepublik; die Bindung an das politische Informationsangebot des Fernsehens ist stark.1
Ekkehard Launer

5. Pressionen auf politische Magazine

Zusammenfassung
Magazinjournalismus bezieht sein Selbstverständnis unabhängig vom Medium (Presse, Hörfunk oder Fernsehen) und unabhängig von der jeweiligen politischen Tendenz (z. B. „ZDF-Magazin“, „Panorama‘’, „Monitor“, „Report“, „Kennzeichen D“, „Der Spiegel“, „Quick“ oder „Stern“) „vornehmlich aus einer kritischen, konfliktbewußten, einer um die Darstellung politischer und sozialer Unstimmigkeiten und das Aufzeigen von Mißständen bemühten journalistischen Grundhaltung. “1
Rüdiger Hoffmann

6. Umfang und Informationswert der Auslandsberichterstattung

Zusammenfassung
Seit Carl Friedrich von Weizsäcker 1963 die Forderung nach einer „Welt-Innenpolitik“1 erhoben hat, ist in der Bundesrepublik des öfteren die Rede von der Unteilbarkeit der Entwicklung der ganzen Welt. Für die als notwendig erachtete entwicklungspolitische Sensibilisierung ist die Bedeutung der öffentlichen Meinung und damit die besondere Verantwortung der Massenmedien immer wieder betont worden2.
Renate Wilke

7. Funktionen der Dritten Fernsehprogramme

Zusammenfassung
In der Bundesrepublik gibt es fünf „Dritte Fernsehprogramme“; sie werden — im Gegensatz zu den beiden bundesweiten Programmen von ARD und ZDF — jeweils von einer oder mehreren Landesrundfunkanstalten regional ausgestrahlt. Ein Drittes Fernsehprogramm senden:
  • der BR (seit 22. September 1964)
  • der HR (seit 5. Oktober 1964)
  • NDR/RB/SFB (seit 4. Januar 1965)
  • SR/SDR/SWF (seit 5. April 1969)
  • der WDR (seit 17. Dezember 1965).
Dieter Roß

8. Unterhaltung und gesellschaftliche Interessen

Zusammenfassung
„Democracy is government by discussion and entertainment“ sei seine Devise im „Internationalen Frühschoppen“ stets gewesen, bekannte Werner Höfer in der Jubiläumssendung am 2.1.1977. Für die „erste Todsünde“ des Fernsehens hält er die „Langeweilei“1 und nennt damit „tatsächlich das einzige verbindliche, wenn auch negative Kriterium“2 von Unterhaltung. „Nichts ist weniger lustig als der Versuch, sie zu definieren.“3 Für den Brockhaus ist Unterhaltung „Beschäftigung in Mußestunden“.4 Er unterscheidet zwischen „volkstümlicher Unterhaltung“ und „höheren Formen und Einrichtungen der Unterhaltung“. Letztere würden „seit alters von den führenden Schichten der Gesellschaft entwickelt“. In der neueren Zeit habe sich „ein großes, zunehmend technisiertes und bisweilen mit hohem Kapitaleinsatz arbeitendes Vergnügungsgewerbe“ etabliert. Film, Hörfunk und Fernsehen hätten der Unterhaltung neue Wege eröffnet.5 Sie haben mit ihrer Möglichkeit, ein Massenpublikum zu erreichen, der Unterhaltungsindustrie zum Durchbruch verholfen.
Wilfried Scharf

9. Rundfunkfreiheit und Programmausgewogenheit

Zusammenfassung
Dem (Reiz-) Wort „Programmausgewogenheit“ kommt in der rundfunkpolitischen Diskussion streckenweise eine ähnliche Indikatorfunktion zu wie dem Lackmuspapier in der Chemie. Diejenigen, die die Ausgewogenheit des Rundfunkprogramms in größter Gefahr wähnen oder überhaupt nicht mehr für gegeben halten, sprechen vom „Rotfunk“; diejenigen, die eher einen „Schwarzfunk“ befürchten, neigen — in falscher Abwehrhaltung — dazu, die medienstrukturelle Bedeutung des Gebots inhaltlicher Ausgewogenheit des Gesamtprogramms zu verkennen. Der Rundfunkfreiheit ist aber nicht damit gedient, daß man den programmorganisatorischen Ausgewogenheitsbegriff als polemischen Kampfbegriff mißbraucht oder als bloßes ideologisches Schlagwort des parteipolitischen Gegners abwertet. Beide Perspektiven sind von der Parteien Haß und Gunst verzerrt und indizieren ein medienpolitisches Mißverständnis der „vergesellschafteten“ Rundfunkfreiheit und des Programmauftrags.
Jörg Aufermann

Programmrezeption: Die Relevanz von Hörer- und Zuschauerinteressen

Frontmatter

1. Hörer- und Zuschauerforschung im Dienste der Programmplanung und -gestaltung

Zusammenfassung
Hörfunk und Fernsehen leisten aufgrund ihrer alltäglichen Präsenz, ihrer hohen Reichweiten und Nutzungsquoten und ihrer außerordentlichen Informationskapazität einen wesentlichen Beitrag zur inhaltlichen Bestimmung der Ziel- und Wertvorstellungen einer Gesellschaft. Art und Umfang der Erfüllung der gesellschaftspolitischen Aufgaben der Massenmedien in entwickelten Industrieländern ist in starkem Maße davon abhängig, ob und wie fundiert die Medienverantwortlichen um die Wirkungen des Mediums und des Programmangebotes wissen und ihre Kenntnisse in die Arbeit einbeziehen. Die den Medien auferlegte Verantwortung der bewußten Auswahl und Präsentation von Informationen erfordert auch eine umfassende Analyse der Medienwirkungen, der Interessen und Bedürfnisse des Publikums. In seinen verfassungsrechtlich orientierten Überlegungen zum Lebach-Urteil des BVerfG postuliert Hoffmann-Rieml, daß das Ausmaß der Medienverantwortung direkt von der Medienwirkung abhängig sei.
Will Teichert

2. Reichweite und Nutzung von Rundfunksendungen

Zusammenfassung
Als 1952 der NWDR als erste bundesdeutsche Rundfunkanstalt mit der Ausstrahlung von Fernsehsendungen begann, erschien eine schnelle Ausbreitung des neuen Mediums keineswegs als selbstverständlich. 84.000 Fernsehhaushalte Ende 19541, dem Jahr des offiziellen Beginns des — zunächst zwei-bis dreistündigen — Gemeinschaftsprogramms der Landesrundfunkanstalten, bildeten eine Minderheit gegenüber knapp 13 Millionen Hörfunkteilnehmern oder 10 Millionen Zeitungsabonnenten2. Bis 1959 stieg die Zahl der Fernsehgenehmigungen zwar auf 3,4 Millionen; aber rund ein Drittel der Bevölkerung, so ließen entsprechende Umfragen im Sendegebiet des SDR vermuten3, war für das neue Medium nicht zu interessieren. Wie wenig man in den Rundfunkanstalten selbst in diesen Anfangsjahren des Fernsehens an dessen schnelles Wachstum glaubte, wird daran erkennbar, daß „Fernsehen“ in den Organisationsplänen der frühen 50er Jahre einiger Anstalten als Unterabteilung der Programmdirektion (Hörfunk) oder der Technischen Direktion auftaucht.4 Thilo Koch beschreibt in einem Gespräch mit Manfred Jenke5 die Einstellung so manches Intellektuellen in den ersten Fernsehjahren, wenn er sagt: „Ich stand dem Fernsehen zunächst skeptisch bis ablehnend gegenüber. Ich dachte, das wird eine Verschwendung von Volksvermögen sein, das man besser in Kindergärten stecken sollte — arm wie wir waren. Ich war ein überzeugter Hörfunkmann, Zeitungsmann, Bücherschreiber, aber ich war überhaupt nicht überzeugt von der Notwendigkeit, bewegte Bilder in die Wohnzimmer zu transportieren.“
Marie-Luise Kiefer

3. Gewalt im Fernsehen

Zusammenfassung
Wiederkehrend wird von Eltern und Programmverantwortlichen die Frage nach den Auswirkungen der im Fernsehen gezeigten Gewaltszenen gestellt. Dahinter mag ein latentes Unbehagen verborgen sein: Einerseits gilt Gewalttätigkeit in der Gesellschaft als wenig erwünschtes Verhalten, andererseits vermittelt Fernsehen eine Fülle von gewalttätigen Darstellungen. Dahinter steckt aber auch die alte Frage nach der „Macht“ der Massenmedien.
Rolf Sülzer

4. Programmpraxis und ‚Feedback‘

Zusammenfassung
Die mangelnde ‚Rückmeldung‘ des Zuschauers war für die Fernsehanstalten in der Bundesrepublik bis Ende der 60er Jahre kein Problem, das den Programmachern schlaflose Nächte bereitet hätte. Solange die Fernsehteilnehmerzahl beständig wuchs und ‚Kritik‘ sich weitgehend auf eine kriterienlos operierende ‚Fernsehrezension‘ in den Tages- und Wochenzeitungen beschränkte, genügte Akklamationsmessung nach Art von ‚Infratest‘. Journalisten merkten eigentlich erst in dem Moment auf, als eine kritische Kommunikationsforschung das Selbstverständnis der Publizisten und damit auch ihre gesellschaftliche Position aus der Beliebigkeit idealistischer Bestimmungen lösten. Die wiederauflebende Diskussion ‚kultur- und bewußtseinsindustrieller‘ Vermittlungsprozesse beschäftigte vor allem Kommunikationswissenschaftler und (Kunst-)Pädagogen. Medientheoretische Entwürfe einerseits, medienpädagogische Strategien andererseits thematisierten den ‚passiven‘, ‚manipulierbaren‘ Zuschauer, dem nach landläufiger (ideologiekritischer) Vorstellung permanenter Fernsehkonsum einen angemessenen Zugang zur Wirklichkeit versperrt.
Horst Königstein

5. Aufgaben und Nutzen der Programmzeitschriften

Zusammenfassung
Die geringe Beachtung, welche die Programmzeitschriften bisher in der Publizistikwissenschaft gefunden haben, steht in einem Mißverhältnis zur Bedeutung dieses Zeitschriftentypus im Massenkommunikationssystem der BRD. Mit einer wöchentlich verkauften Auflage von über 12 Millionen Exemplaren1 und einer Reichweite von 63 Prozent der erwachsenen Bundesbevölkerung2 ist die Programmpresse nicht nur die weitaus größte Publikumszeitschriftengruppe; ihre Relevanz ergibt sich darüberhinaus aus dem Sachverhalt, daß sie als Hauptmittler von (Programm-)Informationen über das einflußreichste Medium moderner Massenkommunikation, das Fernsehen, fungiert. Rund drei Viertel aller Fernsehteilnehmer informieren sich aus Programmzeitschriften, während nur jeweils ca. ein Drittel auf das Angebot der Rundfunkanstalten selbst (Ansagen, Programmtafeln) bzw. der Tageszeitungen (Fernsehseiten) zurückgreift; fast die Hälfte der Fernsehrezipienten nutzt zur Vorinformation ausschließlich die Programmpresse.3
Peter-Matthias Gaede

Auswahlbibliographie Rundfunk

Auswahlbibliographie Rundfunk

Zusammenfassung
Die vorliegende aktuelle Auswahlbibliographie von ca. 1200 Monographien und Aufsätzen versucht einen annähernden Überblick über die wesentlichen Aspekte zu geben, unter denen Hörfunk und Fernsehen gegenwärtig gesehen werden: Geschichte, Organisation, Journalismus, Programm und Rezeption . Die relativ feine Gliederung der Bibliographie soll dem speziell Interessierten einen geziehen Zugriff nach inhaltlichen Gesichtspunkten ermöglichen.
Wilbert Ubbens

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