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Über dieses Buch

Fernsehserien erfreuen sich einer ungebrochenen - populären wie wissenschaftlichen - Aufmerksamkeit. Dabei erstaunt, dass in medien- und kulturwissenschaftlichen Arbeiten zur Serialität fernsehwissenschaftliche und -geschichtliche Ansätze noch immer eine eher kleine Rolle spielen. Dabei ist Serialität stets vom Fernsehen her zu denken, sind doch beide schon immer unauflösbar miteinander verwoben gewesen – ökonomisch, technisch und ästhetisch. Doch was macht darüber hinaus das Serielle im Fernsehen aus und wie verändert es sein Gesicht in Zeiten von Digitalisierung, Streaming und Interaktivität? Lässt sich eine genuine Serientheorie des Televisuellen denken – und was lässt sich daraus wiederum für die Serialität jenseits des Fernsehens lernen? Die fernsehwissenschaftlichen Aufsätze dieses Bandes leisten einen Beitrag dazu, das Serielle als Kernprinzip des Fernsehens neu zu beleuchten und anhand vielfältiger Beispiele aus dem aktuellen Fernsehserienangebot neue Impulse für eine Fernsehtheorie des Seriellen zu setzen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Fernsehwissenschaft und Serienforschung: Zur Einleitung

Zusammenfassung
Fernsehserien erfreuen sich einer ungebrochenen – populären wie wissenschaftlichen – Aufmerksamkeit. Dabei erstaunt, dass in medien- und kulturwissenschaftlichen Arbeiten zur Serialität fernsehwissenschaftliche und -geschichtliche Ansätze noch immer eine eher kleine Rolle spielen. Dabei ist Serialität stets vom Fernsehen her zu denken, sind doch beide schon immer unauflösbar miteinander verwoben gewesen – ökonomisch, technisch und ästhetisch. Doch was macht darüber hinaus das Serielle im Fernsehen aus und wie verändert es sein Gesicht in Zeiten von Digitalisierung, Streaming und Interaktivität? Lässt sich eine genuine Serientheorie des Televisuellen denken – und was lässt sich daraus wiederum für die Serialität jenseits des Fernsehens lernen? Die fernsehwissenschaftlichen Aufsätze dieses Bandes leisten einen Beitrag dazu, das Serielle als Kernprinzip des Fernsehens neu zu beleuchten und anhand vielfältiger Beispiele aus dem aktuellen Fernsehserienangebot neue Impulse für eine Fernsehtheorie des Seriellen zu setzen.
Dominik Maeder, Herbert Schwaab, Denis Newiak

Fernsehen als plurales und transmediales Konzept? Ein Thesenpapier

Zusammenfassung
Heutiges Fernsehen zeichnet sich durch seine Diversifikation (lineares und non-linear, Free- und Pay-TV, Video on Demand usw.) aus. Durch die Rezeptionsmöglichkeiten im Web haben sich besonders Fernsehserien vom Fernsehen als Apparatur, Institution und prästrukturierte Aktivität gelöst. Dennoch werden auf Streaming-Plattformen dezidiert televisive Form- und Strukturprinzipien für Serien adaptiert oder transformiert. Die rezeptionsleitenden Textstrategien des Fernsehens stehen auf Netflix unter neuen Vorzeichen. Serienepisoden sind nur noch durch minimale Programmverbindungen voneinander getrennt; gleichzeitig zielen diese reduzierten Verbindungsstücke – ähnlich dem fernsehtypischen flow – auf eine serielle Rezeption ab. Am Gegenstand der Serie lässt sich somit die Überformung des Fernsehens als transmediales Konzept nachvollziehen.
Jana Zündel

Verräumlichte Transmedialität – prozesshafte Serialität

Zusammenfassung
Fernsehserien avancieren zu transmedialen Gesamtkonzepten, sodass serielle Narrationen sich nicht mehr nur temporal, sondern auch spatial entfalten. Mit dieser Prämisse gehen Fragen einher, wie sich Fernsehserien über die Mediengrenzen hinweg verräumlichen und ob sowie in welcher Form sich die Zeitlichkeit verändert. Der Transmedialität kann Prozesshaftigkeit, welche einhergeht mit der immanenten Serialität, unterstellt werden. Hierbei lassen sich auch Implikationen auf das Konzept der Serialität vermuten sowie Fragen nach einer Diffusion oder Performation des Fernsehens selbst stellen. Es werden demnach die Betrachtungsmöglichkeit der Inhalte als auch der Begrifflichkeiten in einem spatiotemporalen Kontext eröffnet. Dies ist ein Vorschlag zur Betrachtung der Serie als verräumlichtes Konzept, um den Begriff der Transmedialität als Beschreibung der Medialität einer Serie weiterzudenken.
Christine Piepiorka

‚Serielle Eruptionen‘ im US-Fernsehen der fünfziger bis siebziger Jahre

Zusammenfassung
Exemplifiziert an der Episodenserie als dominante narrative Form wurde dem US-Fernsehen der fünfziger bis siebziger Jahre wiederholt ein konservativer Charakter bescheinigt, der häufig mit dem Begriff des ‚kleinsten gemeinsamen Nenners‘ auf den Punkt gebracht wird. Besonders im Diskurs um das so genannte Qualitätsfernsehen markiert diese Periode die Wiederkehr des Immergleichen und mithin die Antithese zu den Innovationen rezenter Fernsehserien. Der vorliegende Beitrag stellt diese arbiträre wie reduktionistische Grenzziehung und das dahinterstehende lineare Geschichtsverständnis in Frage und denkt besagte Periode als steten Verhandlungsprozess zwischen alten und neuen narrativen Formen (von Anthologie-, Episoden- bis hin zu Fortsetzungsserien) neu.
Stefan Borsos

Historische Perspektiven im ‚Qualitätsserien‘-Diskurs der Fernsehbranche

Zusammenfassung
In der hiesigen Fernsehbranche wird seit einigen Jahren ein Wertungsdiskurs zur deutschen ‚Qualitätsserie‘ und ihrem vermeintlichen Ausbleiben geführt. Der Beitrag untersucht auf der Grundlage von Expert_innen-Interviews und teilnehmenden Beobachtungen bei Branchenworkshops, wie die Produzierenden in diesem Zusammenhang Fernsehhistorie und deren möglichen Einfluss auf die aktuelle Fernsehfiktion aushandeln. Ihr fernsehhistorischer und zugleich gegenwartsbezogener Diskurs dreht sich insbesondere um das Programm, die Rezeption und Produktionskulturen im Herstellungs- und Entwicklungsprozess. Der Beitrag gliedert sich nach diesen drei Feldern und fußt dabei auf dem Dispositiv-Modell von Knut Hickethier. Die historisch gewachsenen dispositiven Strukturen des Fernsehens, so wird deutlich, prägen auch heutige ‚Qualitätsserien‘-Projekte aus Deutschland.
Florian Krauß

Fernsehserien gegen spätmoderne Einsamkeiten: Formen telemedialer Vergemeinschaftung am Beispiel von „13 Reasons Why“

Zusammenfassung
Ausgehend von soziologischen und sozialphilosophischen Theorien moderner Vereinsamung untersucht der Beitrag die gemeinschaftsstiftenden Funktionen von Fernsehserien, wie sie im fernsehtheoretischen und mediensoziologischen Diskurs verhandelt werden. Am Beispiel der Serie 13 Reasons Why wird gezeigt, dass zeitgenössische Fernsehserien auf vielfältige Weise zur sozialen Kohäsion und gesellschaftlichen Sinnstiftung beitragen: Verhaltensmodellierung, die Sichtbarmachung sozialer Kausierung und die Produktion von Zeitstrukturen helfen den spätmodernen Gesellschaften, ihre komplexen Interaktionen zu koordinieren; Kult und Fantum, Verhandlung von Wahrheitsvorstellungen sowie die Erzeugung parasozialer Beziehungen bringen wiederum neue Erfahrungen von Nähe, Gemeinschaft und Transzendenz im Zeitalter wachsender sozialer Distanz hervor. Können Fernsehserien dazu beitragen, die Einsamkeiten der Spätmoderne besser durchzustehen oder gar zu überwinden – oder produzieren sie, indem sie dadurch die Modernisierung immer weiter vorantreiben, nicht nur noch stärkere Einsamkeiten?
Denis Newiak

Season’s Greetings: Fest & Serie

Zusammenfassung
In vorliegendem Text werden drei Aspekte des Zusammenhangs von Serie und Fernsehforschung näher betrachtet: Erstens soll anhand einiger Beispiele skizziert werden, wie Außen- und Innenzeit von Fernsehserien ineinandergreifen. Besonderes Augenmerk gilt hier Episoden um und an Feiertagen. Zweitens möchte ich zwei gegenläufige Beobachtungshinsichten diskutieren, die in der Fernsehforschung bis dato zentral sind, nämlich den Ansatz, die Programmstruktur als serielle Wiederholung zu denken, und das Konzept des Medienereignisses. Gerade mit Blick auf Feiertagsepisoden lässt sich zeigen, wie diese beiden Beobachtungshinsichten konvergieren. Drittens soll veranschaulicht werden, wie das Ineinandergreifen von Serie und Fest auch produktiv zu machen ist für eine Analyse von Streamingdienst-Serien
Sven Grampp

Die clip show als Symptom für Mehrwert & Mehr-als-Genießen

Zusammenfassung
Sonderlich beliebt ist sie nicht, die clip show, weder beim Publikum noch bei der Kritik, auch die Wissenschaft hat die Auseinandersetzung mit ihr bislang eher gemieden. Dennoch ist nicht wegzudiskutieren, dass kaum eine US-amerikanische (Fernseh-)Serie ohne sie auskommt, ja auszukommen vermag. Um sich diesem ganz besonderen Episodenkonzept annähern zu können, ergeht der Versuch, die Charakteristika sowohl mittels des Marx'schen Mehrwertes als auch mit dem Lacan'schen plus-de-jouir zu begreifen. Dementsprechend sehenswert gestaltet sich dabei die Christmas Show der Sitcom I Love Lucy (CBS, 1951–1957), der ersten clip show episode im Fernsehen.
Markus Kügle

Über die Austreibung des Fernsehens aus der Fernsehserie: Reality-TV und gestaffelte Serialität

Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht das Reality-TV als fernsehserielle Form zu: Betont wird dabei die ökonomische Fundierung serieller Formen und herausgearbeitet wie zeitgenössische Serien durch den medienhistorischen Einschnitt von zunächst DVD, dann Streaming in die traditionell zweigliedrige Organisation von Serie und Episode eine dritte Einheit einführen: die Staffel. Die ‚season‘ fungiert dabei nicht nur als weiteres, sondern als formatives Prinzip für die Organisation fernsehseriellen Erzählens. Eine solche ‚gestaffelte Serialität‘ lässt sich nicht nur in fiktionalen Serien, sondern eben auch im Reality-TV beobachten. Anhand von Germany’s Next Topmodel zeigt der Beitrag dabei auf wie sich das Castingformat als gestaffelte Serie lesen lässt, deren Zeitstrukturen ganz fundamental und analog zu fiktionalen Serien auf die Basiseinheit der Staffel rückführbar sind.
Dominik Maeder

Evidenz in Serie? Zeit- und Wirklichkeitsbezüge serieller Fernsehformate im digitalen Wandel am Beispiel von Germany‘s Next Topmodel und dem Neo Magazin (Royale)

Zusammenfassung
Allen Unkenrufen zum Trotz geht dieser Beitrag von der These aus, dass das Fernsehen im digitalen Zeitalter nicht das Nachsehen hat, sondern gerade durch die Verknüpfung mit den Sozialen Medien zum neuen Paradigma der Wissensordnung in der digitalen Welt werden kann. Wenn im Neo Magazin Royale der vermeintliche ‚Digital Citizen’ regelmäßig vorgeführt wird, aber auch wenn Germanys Next Topmodel seine Zuschauer*innen im 60-Minuten-Takt mit Statusmeldungen versorgt – dann werden hier unterschiedliche Facetten des digitalen Wandels sichtbar und normativ gerahmt. Solchen Sichtbarwerdungen des digitalen Wandels widmet sich dieser Beitrag. Im Fokus steht dabei, wie sich die Bezüge des Televisuellen zur außerfilmischen Wirklichkeit durch die „digitale Expansion des seriellen Prinzips“ verändern und welche Stellung dem Fernsehen im Hinblick auf seinen realitätsbildenden Charakter heute überhaupt noch zukommt.
Anja Peltzer

Relationale und differentielle Serialität

Zusammenfassung
Der Beitrag widmet sich einer philosophischen Geschichte der Serialität und beschreibt die Serie als Relation und Differenz. Er bezieht sich auf Jacques Derrida, Jean-Luc Nancy und Jaques Rancière, um die herkömmliche Unterscheidung zwischen Kunst und Technik, Original und Täuschung, Objekt und Abbild unter dem Aspekt des Seriellen zu hinterfragen. Vor dem Hintergrund dieser Diskussion werden neuere Fernsehserien nicht so sehr als Wiederholung und Fortsetzung, sondern als relational und different begriffen.
Michaela Wünsch

Spiel in Serie. Black Mirror: Bandersnatch

Zusammenfassung
Fernsehen soll als ganzheitlich verspieltes Phänomen betrachtet werden, welches sich seit seiner Einführung durch ständige Variation auszeichnet und dessen Umgang im Spiel internalisiert ist. Am Beispiel der Sonderfolge der Anthologieserie Black Mirror: Bandersnatch wird das Wechselverhältnis von Spiel und Fernsehen exemplarisch nachgezeichnet, da in ihr Variationen des Spiels auf verschiedensten Ebenen dargestellt sind und das Spiel inhaltlich, strukturell und formal zum eigentlichen Protagonisten wird. Gerade durch seine Aktualität soll Bandersnatch daher als indexikalisches Phänomen remediativer und damit verspielter Prozesse begriffen werden, in welchem nicht nur paradigmatisch Spielvariationen aufgezeigt werden, sondern auch Schlüsse über Implikationen für Rezeptionsmodi und Medienstrukturen gezogen werden können.
Kim Carina Hebben

Limited animation, unlimited seriality. Die Konfigurationen des Seriellen in den Anime-Serien Haha o Tazunete Sanzann Marco, Akage No Anne und Tanoshî Mûmin Ikka

Zusammenfassung
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit den japanischen Animationsserien Marco, Anne mit den roten Haaren oder Die Mumins, die in den 1970er und 1990er Jahren produziert wurden und die in 50 bis 52 Episoden von 25 Minuten eigenwillige Adaptionen von Kinderbuchklassikern anbieten. Die Langsamkeit und Genauigkeit dieser Adaptionen wird als spezifische Form von Serialität, als ‚unlimited serialit‘ diskutiert, die sich auf sperrige Weise in das Fernsehprogramm einfügt. Sie wird als ein Produkt einer von Thomas Lamarre und anderen Autor_innen beschriebenen Ästhetik des Anime und der limited animation betrachtet, die eine andere Form von Bewegung und ein komplexes Zusammenspiel von Bewegung und Stillstand erzeugt, was sich auch auf eine unsegmentierte televisuelle Erzählform des steten Vorrückens auswirkt.
Herbert Schwaab
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