Skip to main content
main-content

30.05.2018 | Filiale | Im Fokus | Onlineartikel

Anzahl der Bankfilialen schrumpft weiter

Autor:
Barbara Bocks

Auch 2017 haben Kreditinstitute aus allen drei Säulen die Zahl ihrer Niederlassungen reduziert. Speziell die Geldhäuser aus einem Sektor gehen dabei seit Jahren am konsequentesten vor: die Sparkassen. Der Grund sind vor allem hohe Kosten. 

2017 hat sich die Gesamtzahl der Kreditinstitute in Deutschland um 3,4 Prozent auf 1.823 weiter reduziert, gegenüber einem Minus von 3,7 Prozent im Vorjahr. Das hat die Bundesbank in ihrer am 17. Mai veröffentlichten Bankstellenstatistik herausgefunden. Im Jahr 2017 kamen insgesamt 19 Kreditinstitute neu dazu und 84 wurden geschlossen. Die Zahl der Kreditbanken nahm 2017 um neun auf 390 Institute zu. 57 der insgesamt 84 Abgänge basieren auf Fusionen im genossenschaftlichen Sektor. Die Zahl der Institute des Genossenschaftsbereichs sank damit 2017 um 5,8 Prozent auf 919 Institute. Im Sparkassensektor verschmolzen laut der Bundesbank-Statistik 13 Sparkassen sowie eine Landesbank mit jeweils einem anderen Institut aus ihrer Säule. Ende 2017 gab es in Deutschland 390 Sparkassen und acht Landesbanken.

Empfehlung der Redaktion

01.04.2018 | SPECIAL Filiale | Ausgabe 5/2018

Wo Kunden gern Finanzgeschäfte abschließen

Banken und Sparkassen müssen ihre Filialnetze deutschlandweit ausdünnen. An den verbleibenden Standorten überarbeiten sie ihre Services und die Beratung. In einigen Zweigstellen werden neue Strategien zur Ansprache umgesetzt.

Sparkassen bauen am meisten ab

Auch für zahlreiche Filialen hat im Jahr 2017 die letzte Stunde geschlagen. Deren Anzahl verringerte sich nämlich laut Angaben der Bundesbank um 1.900 beziehungsweise 5,9 Prozent auf 30.126, nach einem ähnlich hohen Abbau von 2.019 Zweigstellen im Vorjahr. Als Zweigstelle bezeichnet die Behörde dabei klassische Filialen sowie Selbstbedienungsterminals mit Beratungsmöglichkeit. Am radikalsten haben die Sparkassen ihre Filialen von 2016 auf 2017 reduziert, nämlich um 765 auf nun 10.174. Damit unterhalten sie allerdings weiterhin knapp ein Drittel aller Filialen in Deutschland. Genossenschaftliche Filialen gab es Ende 2017 noch 9.455, ein Minus von 714. Kreditbanken verringerten ihre Zweigstellen etwas weniger stark um 402 auf 9.042 Filialen.

Diese Entwicklung ist nicht neu. Beim Vergleich der Filialzahlen der vergangenen fünf Jahren zeigt sich, dass die Sparkassen vom Jahr 2013 auf 2017 ihre Filialen um knapp 20 Prozent beziehungsweise 2,583 am stärksten dezimiert haben, knapp dahinter die genossenschaftlichen Institute mit einem Minus von 18 Prozent und einem Abbau von 2,097 Niederlassungen im gleichen Zeitraum.

Filialschließungen im Fünf-Jahres-Vergleich

Filialen 2017 2016 2015 2014 2013 2013 auf 2017 2013 auf 2017

Privatbanken

9.042

9.444

9.727

9.978

10.168

-1.126

-11,07%

Sparkassensektor 10.174 10.939

11.861

12.359 12.757 -2.583 -20,25%
Genossenschaftsbanken 9.455 10.169 10.833 11.280 11.552 -2.097 -18,15%
Sonstige* 1.455 1.474 1.624 1.685 1.719 -264 -15,36%
GESAMT 30.126 32.026 34.045 35.302 36.196

-6.070

-16,77%

Quelle: Bundesstellenstatistik Bundesbank 2016 und 2017, eigene Berechnungen
* unter anderem Bausparkassen und Bürgschaftsbanken

Aktuell plant beispielsweise auch die Deutsche Bank laut Angaben von "Reuters" bis Ende des Jahres jede zehnte ihrer rund 1.000 Postbank-Filialen zu schließen. Oliver Mihm, CEO der Managementberatung Investors Marketing, ist gegenüber Springer Professional der Meinung, dass sich diese Entwicklung branchenweit fortsetzen wird. Er rechnet mit einem Rückgang der Filialen aller drei Säulen bis zum Jahr 2025 auf nur noch 20.000. Der Grund dafür: "Nicht nur die Regionalbanken müssen massiv Kosten sparen, um das einbrechende Zinsergebnis auszugleichen und gleichzeitig die digitalen Kanäle auszubauen. Auch bei den Großbanken, die in den letzten Jahren weniger Filialen abgebaut haben, werden weitere Standorte wegfallen."

Filialen sind weiterhin wichtig

Dennoch sind Filialen aus Mihms Sicht immer noch wichtig für Markenbekanntheit, Neukundengewinnung und Beratung. Dennoch müssen es "die filialgestützten Institute müssen es schaffen, ein überzeugendes Kundenerlebnis zu bieten, das sich nicht mehr nur um die Filiale und den Berater dreht", so Mihm weiter. Das sieht auch Vincenzo Fiore, Mitgründer und Chef von Auriga, im Interview "Die Bankfiliale ist nach wie vor wichtig für die Kundenbindung" (Seite 42) in der April-Ausgabe des Bankmagazin ähnlich: "Es wäre ein Fehler, Geschäftsstellen nur als Kostenfaktor zu sehen". Die Bankfiliale ist aus Fiores Sicht "nach wie vor wichtig für die Kundenbindung, trotz vermehrter Schließungen". So werde in die verbleibenden Standorte investiert, um sie smarter und attraktiver für die Kunden zu gestalten.

Außerdem müssen die Institute die Filialen laut Mihm "an die veränderte Nutzung anpassen, mit mehr digitalen Services, anderen Öffnungszeiten und Mitarbeitern in allen Bereichen der Bank, die eine sehr hohe Kundenorientierung haben und den Kunden spüren lassen, dass er wichtig und stets willkommen ist". Bankfilialen sind aus Fiores Sicht außerdem "der beste Ort für das Cross-Selling und mit der entsprechenden Technologie lässt sich dies auch gut umsetzen."

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.04.2018 | SPECIAL Filiale | Ausgabe 5/2018

Wo Kunden gern Finanzgeschäfte abschließen

01.04.2018 | SPECIAL Filiale | Ausgabe 5/2018

Verlassene Orte zu neuem Leben erwecken

Das könnte Sie auch interessieren

23.04.2018 | Bank-IT | Im Fokus | Onlineartikel

Mit agiler IT Bankkunden begeistern

Premium Partner

BranchenIndex Online

Die B2B-Firmensuche für Industrie und Wirtschaft: Kostenfrei in Firmenprofilen nach Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Händlern recherchieren.

Whitepaper

- ANZEIGE -

Blockchain-Effekte im Banking und im Wealth Management

Es steht fest, dass Blockchain-Technologie die Welt verändern wird. Weit weniger klar ist, wie genau dies passiert. Ein englischsprachiges Whitepaper des Fintech-Unternehmens Avaloq untersucht, welche Einsatzszenarien es im Banking und in der Vermögensverwaltung geben könnte – „Blockchain: Plausibility within Banking and Wealth Management“. Einige dieser plausiblen Einsatzszenarien haben sogar das Potenzial für eine massive Disruption. Ein bereits existierendes Beispiel liefert der Initial Coin Offering-Markt: ICO statt IPO.
Jetzt gratis downloaden!

Bildnachweise