Sparkasse bleibt nach Millionen-Raub vorerst geschlossen
- 13.01.2026
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Nach dem spektakulären Einbruch in eine Sparkasse in Gelsenkirchen bleibt das Institut noch mehrere Wochen geschlossen. Ermittler sichern zurückgelassene Dokumente und Gegenstände aus den Schließfächern. Das Institut ringt mit Opferanwälten um Haftungsfragen.
Die Täter brachen fast alle 3.250 Kunden-Schließfächer der Sparkassen auf.
Paolese / stock.adobe.com
Nach dem spektakulären Millionen-Einbruch in einer Gelsenkirchener Sparkassen-Filiale bleibt das Institut wegen der laufenden Ermittlungs- und Aufräumarbeiten im Tresorraum noch für Wochen geschlossen. Immerhin soll in der kommenden Woche der sogenannte SB-Bereich mit den Bankautomaten im Foyer wieder geöffnet werden, teilte die Bank mit.
Polizeiliche Dokumentation dauert an
Zahlreiche Polizisten erfassten und fotografierten in der Filiale mit Unterstützung der Sparkasse systematisch die von den Einbrechern zurückgelassenen Dokumente und Gegenstände aus den Schließfächern. Dies geschehe unter notarieller Begleitung und könne noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen, so die Sparkasse. Die Polizei hat nach dpa-Informationen ihre Kräfte auf rund 100 Beamte aufgestockt. Gearbeitet wird sieben Tage in der Woche, so die Mitteilung.
Die Ermittlergruppe läuft unter dem Namen "Besondere Aufbauorganisation (BAO) Bohrer". Nach dpa-Informationen liegen in dem Tresorraum in einem chaotischen Durcheinander mehrere zehntausend Einzelgegenstände aus den aufgebrochenen Schließfächern. Diese müssen erfasst, katalogisiert und zugeordnet werden.
Täter gelangten über ein Loch in die Bank
Bei der Fahndung nach den Tätern gebe es indes keinen neuen Stand, sagte ein Gelsenkirchener Polizeisprecher auf Nachfrage. Bei dem Millionen-Coup hatten diese über ein Parkhaus Zutritt zu der Bank verschafft und ein großes Loch in eine Wand gebohrt, um in den Tresorraum zu gelangen. Fast alle 3.250 Kundenschließfächer der Sparkassen-Filiale im Stadtteil Buer wurden aufgebrochen.
Mehr als 3.000 Schließfächer geknackt
Die Einsatzkräfte hatten den Einbruch Ende Dezember nach einem Alarm der Brandmeldeanlage entdeckt. Die Täter brachen fast alle 3.250 Kunden-Schließfächer der Sparkassen-Filiale im Stadtteil Buer auf. Sie drangen in einen Archivraum ein, von dem aus sie ein großes Loch in den Tresorraum bohrten. Die Beutetour zog sich möglicherweise über mehrere Tage hin.
Inzwischen hätten mehr als 1.500 Kunden über eine telefonische Hotline oder auf anderem Weg Kontakt mit der Bank aufgenommen, sagte der Sparkassensprecher. Mit Zustimmung der Kunden würden die Daten an die Polizei weitergeleitet, die automatisch Anzeige erstellt. Die Schließfächer sind laut Sparkasse pauschal bis zu einer Summe von jeweils 10.300 Euro versichert. Über 100 Kunden hätten aber Zusatz-Versicherungen über höhere Summen abgeschlossen, sagte der Sparkassen-Sprecher.
Der Schaden wird derzeit noch ermittelt. Eine erste Schätzung der Polizei ging von einem mittleren zweistelligen Millionenbereich aus. Inzwischen halten Ermittler aber auch einen Schaden im dreistelligen Millionenbereich für realistisch.
Sicherheit nach "dem Stand der Technik"
Sparkassenchef Michael Klotz hat Kritik an der Sicherheitstechnik in der Filiale zurückgewiesen. "Die Filiale mit dem Schließfachraum war nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert", sagte Klotz in einer Mitteilung. "Den Einbrechern ist es gleichwohl gelungen, mehrere voneinander unabhängige Sicherungen zu überwinden. Wie das möglich war, ist derzeit Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen."
Zu einzelnen Sicherungsmaßnahmen dürfe er sich nicht äußern, ergänzte Klotz in einem Interview der "WAZ". Nur soviel: "Wir haben in den letzten zwei Jahren die Alarm- und Brandmeldetechnik erneuern lassen." Die Technik werde laufend verbessert. "Es war schon immer ein Wettlauf zwischen Sicherungstechnik und Kriminellen", sagte er.
Zukunft der Sparkasse nicht bedroht
Die Zukunft der Sparkasse Gelsenkirchen sieht der Vorstandschef durch die Schäden bei dem Einbruch nach eigenen Worten auf keinen Fall bedroht. "Die Verträge sehen eine Absicherung pro Schließfach von bis zu 10.300 Euro vor. Niemand muss sich Sorgen machen, dass die Sparkasse ins Wanken geraten könnte", sagte er der "WAZ".
In seiner Mitteilung betonte Klotz, dass neben den Kunden auch die Sparkasse selbst durch den Einbruch geschädigt worden sei. Die Bank sei "Opfer der Straftat", betonte er. "Durch den Einbruch sind der Sparkasse Gelsenkirchen und unseren Kundinnen und Kunden erhebliche Schäden entstanden."
Anwälte rügen mögliche Verletzung der Aufklärungspflicht
Opferanwälte werfen der Bank eine mögliche Verletzung der Aufklärungspflicht vor. Dass es eine Versicherungshöchstgrenze gab, sei vielen Mandanten erst nachträglich klar geworden. "Sie sind aus allen Wolken gefallen", sagte der Marler Anwalt Burkhard Benecken.
Zwar stehe dies in den Schließfachverträgen, aber die Einleger seien meist juristisch unerfahren, die Bank hätte sie aktiv darauf hinweisen müssen, sagte Benecken. Dies könne möglicherweise zu einer Grundlage für zivilrechtliche Ansprüche gegen die Sparkasse werden. Der Sparkassensprecher sagte, dass die Begrenzung der Haftung in den Verträgen "klar und explizit enthalten" sei.
Spekulationen über Schwarzgeld in Schließfächern
Bei seinen Mandanten liege der Schnitt der eingelagerten Werte bei mindestens 100.000 Euro pro Schließfach, manche hätten 300.000 bis 400.000 Euro gelagert, sagte Benecken. Der Anwalt widersprach Spekulationen über Schwarzgeld in den Fächern. Ein Großteil seiner Mandanten habe bereits Nachweise über einen seriösen Erwerb - etwa Videos von der Einlagerung von Bargeld oder Goldschmuck - vorgelegt.
NRW-Innenminister sieht Hinweise auf Insider-Wissen
Der nordrhein-westfälische Landtag befasst sich nun in einer Sondersitzung mit dem Vorfall. Der Innenausschuss tritt außerplanmäßig auf Antrag der oppositionellen SPD-Fraktion zusammen. Die Sozialdemokraten erhoffen sich weitere Informationen zum Ablauf des Einbruchs und zu möglichen sicherheitsrelevanten Schwachstellen der Bank. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) will in der Sitzung über den jüngsten Stand der Ermittlungen berichten. Reul hält es für denkbar, dass die Täter einen ortskundigen Helfer hatten. "Es finden sich, ganz vorsichtig gesprochen, ein paar Merkwürdigkeiten, die Hilfe für die Täter zumindest nicht unwahrscheinlich erscheinen lassen", sagte Reul der "WAZ".
Unter anderem wundere ihn das sehr zielgerichtete Vorgehen der bislang unbekannten Einbrecher. "Sie nutzten eine nicht alarmgesicherte, augenscheinlich manipulierte Tür, um in einen Archivraum der Sparkasse zu gelangen. Sie setzten dort einen Kernbohrer genau an der richtigen Wand zum Tresorraum an", sagte Reul.
Außerdem seien von den rund 3.250 Schließfächern ausgerechnet diejenigen nicht aufgebrochen worden, die derzeit nicht vermietet gewesen seien. "Kann natürlich alles Zufall sein", sagte der Minister. Die Polizei habe es in jedem Fall mit einer "hochprofessionellen Bande" zu tun, die den Diebstahl penibel vorbereitet habe.