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20.09.2012 | Finance + Banking | Interview | Onlineartikel

"Das Management muss seine Zahlen im Griff haben"

Autor:
Andreas Nölting

Finanzanalysten wie Peter Thilo Hasler können Vorständen mit kritischen Fragen erheblich zusetzen. Welche Bedeutung die Qualität des Managements bei der Bewertung von Unternehmen hat, und worauf Vorstände bei ihren Gesprächen mit den strengen Analysten unbedingt achten sollten, beantwortet Hasler im Interview.

Springer für Professionals: Welche Bedeutung hat die Qualität des Managements für die Bewertung von Unternehmen?

Peter Thilo Hasler: Eine große. Es wird kaum einen institutionellen Investor geben, der sich an einem Unternehmen beteiligt, ohne vorher das Management kennengelernt zu haben. Denn ein schlechtes Produkt mit einem guten Management kann funktionieren, ein gutes Produkt mit einem schlechten Management wird in der Regel scheitern. Daher ist das Management für die Unternehmensbewertung von großer Bedeutung. Auch bei Börsengängen wird immer wieder betont, dass die Kursentwicklung von der Performance des Managements abhängig ist und es zu Kursverlusten kommen kann, wenn dem Management etwas passiert oder es ausscheidet. Denken Sie nur an Facebook, das ohne Mark Zuckerberg sicherlich nicht für die aktuelle Bewertung an die Börse gehen könnte, oder an Google, das ebenfalls stark mit seinen beiden Gründern Sergey Brin und Larry Page identifiziert wird.

Wie merken sie, ob das Management etwas taugt?

Wenn man fachliche Fragen stellt, bekommt man sehr schnell ein Gespür dafür, wie gut das Management ist. Immer wieder trifft man auf Finanzvorstände, die nicht einmal auswendig sagen können, wie hoch der Umsatz ihres Unternehmens im vergangenen Jahr war. Hat man ein gutes Gefühl vom Management, muss es sich allerdings noch bestätigen, ob man nicht nur gebauchpinselt wurde. Wenn ein etwa ein Vorstand über Jahre hinweg Marktanteile verloren hat und die Erträge rückläufig waren, dann ist das Management offenbar doch nicht so gut.

Was sollten Manager beachten, wenn sie sich mit Finanzanalysten unterhalten?

Der Vorstand sollte verbindlich sein, auf alle Fragen eine Antwort haben, genau wissen, was die Wettbewerber machen. Das Management muss seine Zahlen im Griff haben, wichtige Kennziffern beherrschen. Es muss eine Vision davon haben, wo das Unternehmen in drei bis fünf Jahren sein könnte und es muss sein Geschäftsmodell klar kommunizieren können. Natürlich muss das Management immer die Wahrheit sagen. Früher oder später kommt die Wahrheit doch ans Licht, und mit der Zeit wird man ohnehin zum Leser von Mimik und Gestik und trifft bereits im Gespräch auf Indizien, die darauf hindeuten, dass der Gegenüber die Unwahrheit gesagt hat.

Sind Finanzanalysten heute noch so mächtig wie vor der Finanzkrise?

Ich denke Analysten haben in der Tat Einfluss verloren, weil auch die Bedeutung des Investmentbankings als solches zurückgegangen ist. Die Bankenkrise hat sowohl die Investmentbanker als auch die Analysten sehr stark getroffen. Ein guter Analyst hat aber weiterhin großen Einfluss, weil er einem Unternehmen sagen kann, was es falsch und was richtig macht. Viele Vorstände begehen etwa noch erhebliche Fehler in ihrer Kommunikationspolitik.

Wie funktioniert die Unternehmensbewertung?

Grundlage jeder Bewertung sind die Zahlen der letzten Jahre, die Sammlung und Sichtung des Ist-Zustandes. Dabei versuchen wir einen möglichst langen Zeitraum zu analysieren, um Sondereffekte ausfindig zu machen. So versuche ich möglichst viele Geschäfts-und Quartalsberichte aus den vergangenen Jahren zu lesen. Auf dieser Basis fertigen wir eine Prognose an, die wir mit dem Management besprechen. Und aus diesen Zahlen erstellen wir dann die Unternehmensbewertung. Wichtig ist, dass die Bewertung immer nur eine Augenblicksbetrachtung sein kann. Ändert sich das Umfeld, ist eine Anpassung erforderlich.

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