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06.06.2016 | Finanzbranche | Im Fokus | Onlineartikel

Wandel im Collateral Management fordert Banken

Autor:
Dr. Robert Bosch

Anfang März dieses Jahres hat die Europäische Kommission eine weitere Entscheidung zur Umsetzung der Clearingpflicht im Rahmen der Verordnung über europäische Marktinfrastrukturen (Emir) getroffen. Sie soll das Collateral Management der Kreditinstitute fördern.

Nach der Finanzmarktkrise haben die G20-Staaten eine Vielzahl von Maßnahmen beschlossen, um den außerbörslichen Derivatehandel transparenter und sicherer zu machen. So muss beispielsweise mit dem Inkrafttreten der Capital Requirements Directive (CRD) zur Umsetzung von Basel III deutlich mehr Eigenkapital für Over-The-Counter-Derivate (OTC) hinterlegt werden. Die 2012 verabschiedete EU-Verordnung Emir über OTC-Derivate schließt die Lücke der fehlenden Verpflichtung zur Besicherung von OTC-Derivaten. Zum einen enthält die Verordnung die Pflicht zum Clearing von standardisierten OTC-Kontrakten über eine zentrale Gegenpartei. Zum anderen müssen bestimmte Risikominderungstechniken für OTC-Derivate-Kontrakte angewendet werden, die nicht der Clearingpflicht unterliegen und somit als bilaterale Geschäfte verbleiben. 

Banken müssen Collateral Management anpassen

Mit Inkrafttreten der Clearingpflicht von Zins- und Kreditderivaten zum 21. Juni 2016 beziehungsweise 9. Februar 2017 müssen Banken entsprechende Anforderungen an das Collateral Management einhalten. Die neuen Vorschriften sollen die Transparenz erhöhen und finanzielle Risiken bei Kreditinstituten verringern. Auch die bilateralen Besicherungspflichten, die ab September dieses Jahres mit volumenabhängigen Schwellenwerten einzuführen sind, sehen vor, Sicherheiten für nicht zentral-abgewickelte Derivate auszutauschen (Initial und Variation Margin). Während eine Vielzahl der Kreditinstitute bereits Emir CCP Compliance durch die Anbindung an zentrale Kontrahenten erreicht und die dafür notwendigen Anpassungen im Collateral Management vorgenommen haben, müssen die Maßnahmen, die sich aus der Besicherung von bilateralen Derivate-Kontrakten ergeben, noch umgesetzt werden.

Anforderungen an Besicherung steigen

Die Anforderungen an Anzahl und Qualität der Sicherheiten sowie das hinterlegte Eigenkapital von Finanzinstituten werden deutlich steigen. Aktuelle Projektinitiativen müssen die fristgerechte Umsetzung der korrelierenden regulatorischen Vorgaben sicherstellen. Die zusätzlichen Sicherheiten, die aufgrund erhöhter Regulierung benötigt werden, schätzen Finanzinstitute im deutschsprachigen Raum auf durchschnittlich 20 Prozent des aktuellen Collateral-Bedarfs. Das verdeutlicht eine repräsentative Studie der Unternehmensberatung Bearingpoint vom vergangenen Jahr. Deshalb ist eine kontinuierliche Entwicklung und strategische Ausrichtung des Collateral-Management-Bereichs bei Finanzinstituten erforderlich. 

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Die Umsetzung der Vorgaben führt einerseits zwar zu einer umfassenderen und effizienteren Absicherung von Risiken. Andererseits führen die steigenden Qualitätsanforderungen aber auch dazu, dass sich die Kosten für die Bereitstellung erhöhen und der Verknappungseffekt verstärkt wird. Eine kontinuierliche Entwicklung und strategische Neuausrichtung des Collateral Managements wird zur entscheidenden Stellschraube, um Kosten zu reduzieren und damit höhere Profitabilität und zentrale Wettbewerbsvorteile für Marktteilnehmer zu schaffen. Für ein zukunftsfähiges Collateral Management ist es wichtig, eine detaillierte Analyse des Status Quo zu erstellen und den erforderlichen Veränderungsbedarf abzuleiten. Finanzmarktakteure sind gefordert, ihre Lösungen für das Collateral Management aufgrund der zunehmenden operativen Anforderungen und regulatorischen Einflüsse

  • neu zu bewerten, 
  • Anpassungen oder Erweiterungen der aktuellen Systemlösung vorzunehmen,
  • sie weitgehend zu automatisieren, zu optimieren und
  • dies auch für ein strategisches Collateral Management durchzuführen. 

Es ist davon auszugehen, dass ein Anpassungsbedarf in signifikanter Größenordnung auf den einen oder anderen Marktteilnehmer zukommen wird. Damit ein zukunftsfähiges Collateral Management etabliert werden kann, sollten Projektinitiativen rechtzeitig angegangen werden. Außerdem sollte sichergestellt sein, dass sie im Einklang mit der übergeordneten Geschäfts- und Risikopolitik umgesetzt werden. 

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