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16.07.2018 | Finanzbranche | Im Fokus | Onlineartikel

Auslandsbanken machen sich für den Brexit bereit

Autor:
Barbara Bocks

Die Rangeleien um die britische Brexit-Strategie und das "Weißbuch" zum weiteren Vorgehen bestimmen derzeit die Schlagzeilen. In der Zwischenzeit bereiten sich internationale Banken weiter auf die Zeit nach dem Brexit vor. Der aktuelle Stand.

Am 12. Juli hat die britische Regierung ein ausführliches Weißbuch zum Brexit veröffentlicht. In dem Plan ist laut Angaben von "Spiegel Online" eine Freihandelszone vorgesehen, die den freien Warenverkehr zwischen der EU und Großbritannien garantieren soll. "Die Vorschläge im Weißbuch der britischen Regierung für den Finanzsektor sind die bisher realistischste britische Gesprächsgrundlage, die wir in den beiden letzten Jahren gesehen haben", erklärt Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes. Um die Ideen für eine künftige Zusammenarbeit auszuarbeiten, wird laut Krautscheid eine Übergangsperiode vom 20. März 2019 bis Ende 2020 zwingend erforderlich sein. Denn ein "harter" Brexit im März 2019 ohne neue Regeln würde die Finanzmarktstabiltät massiv gefährden.

Am Tag der Veröffentlichung des "Weißbuchs" hat die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) britische Geldhäuser aufgefordert, noch diesen Monat eine Lizenz zu beantragen, wenn sie nach einem eventuellen "harten" Brexit im März kommenden Jahres weiterhin in der EU Bankgeschäfte betreiben wollen, berichtet "Reuters UK“. Viele Auslandsbanken kümmern sich auch bereits um Banklizenzen. So hat die asiatische Investmentbank Nomura laut Medienberichten bereits Anfang Juni bekanntgegeben, dass die Bafin für die neue Tochtergesellschaft, Nomura Financial Products Europe GmbH (NFPE), mit Sitz in Frankfurt eine Wertpapierhandelslizenz bewilligt hat.

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"Wir gehen davon aus, dass fast alle Institute mehrere ihrer Standorte in der EU27 ausbauen werden", sagt Stefan Winter, Vorsitzender des Verbands der Auslandsbanken in Deutschland, gegenüber Springer Professional. Mehrere Institute hätten sich entschieden, einen Standort mit Banklizenz in Frankfurt zu gründen, um für den Fall eines "harten" Brexits ihre Bankdienstleistungen unterbrechungsfrei auch in der restlichen EU anbieten zu können, sagt Barbara Thiell, Personalexpertin von Kienbaum gegenüber Springer Professional.

Bafin-Lizenz ist gut fürs Recruiting

"Eine eigene Bafin-Lizenz hat für ausländische Kreditinstitute auch einen klaren Vorteil beim Recruiting neuer Mitarbeiter, da manche Bewerber nicht in einer Niederlassung arbeiten möchten", sagt Dirk Friederich, der Managing Partner von Boyden Deutschland, gegenüber Springer Professional. Allerdings ist eine solche Lizenz aus Sicht des Experten auch wesentlich aufwändiger als eine Holding-Struktur.

Einige Banken haben sich, auch unabhängig vom Brexit, dazu entschlossen, "eine europäische Holding-Gesellschaft zu gründen, in der die EU-weiten Geschäfte gebündelt werden", so Thiell weiter. "Banken und Wertpapierdienstleistungsunternehmen, die mit 30 Milliarden Euro und mehr Bilanzsumme planen, werden häufig eine Holdingstruktur aufbauen", erklärt Winter. Dies sei nicht zuletzt auf die zwar noch nicht verabschiedete Regulierung, aber sehr wahrscheinliche Einführung einer Zwischenholding für die in der EU angesiedelten Töchter eines Konzerns zurückzuführen.

Brexit-Referendum ist knapp zwei Jahre alt

Das Brexit-Referendum, das viele ausländische Geldhäuser derzeit auf Trab hält, ist mittlerweile knapp zwei Jahre her. Am 23. Juni 2016 fand die historische Entscheidung statt. "Erstmals in der Geschichte des europäischen Einigungsprozesses hat ein langjähriges Mitgliedsland seine Bevölkerung über den Verbleib oder Austritt aus der Gemeinschaft abstimmen lassen", beschreibt Springer-Autorin Alice Neuhäuser im vierten Kapitel des Buchs "Die Zukunft Europas in einer Welt im Umbruch" (Seite 93). Mit denkbar knappen 51,9 zu 48,1 Prozent votierten die britischen Wähler damals mehrheitlich für den Brexit.

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