Skip to main content
main-content

09.10.2019 | Finanzbranche | Im Fokus | Onlineartikel

Auslandsbanken sind bereit für harten Brexit

Autor:
Barbara Bocks

Die finale Brexit-Entscheidung rückt immer näher. Weltweit haben sich Geldhäuser mit Hochdruck auf die Folgen vorbereitet. Doch Auslandsbanken müssen in Deutschland auf die Details achten, meinen Experten.

Die EU macht Druck. Bis Ende dieser Woche soll laut Medienberichten offenbar entschieden werden, ob es zu einem Brexit-Deal mit Großbritannien kommt. Unabhängig von dem Ausgang der Verhandlungen haben sich mittlerweile 31 ausländische Banken für Frankfurt als neuen europäischen Standort entschieden. Zu den Instituten, die ihre Geschäfte nach Frankfurt verlagert oder neu in Frankfurt angesiedelt haben, zählen unter anderem große Investmentbanken wie JP Morgan. Auch asiatische Institute wie die Bank of Taiwan und die Sumitomo Mitsui Banking Corporation sind dabei. Das ist das Ergebnis einer Finanzplatzstudie der Hessischen Landesbank, die am 1. Oktober veröffentlicht wurde.

Empfehlung der Redaktion

2019 | OriginalPaper | Buchkapitel

Der Brexit und seine Folgen

Der Brexit stellt Großbritannien und die EU vor existenzielle Fragen. Er wird Großbritannien tiefgreifender und langfristiger verändern als der Zweite Weltkrieg. Er ist das Ergebnis einer weit in der Geschichte zurückreichenden Entfremdung.

Die Verantwortlichen von Banken, die im Rahmen des Brexits in Deutschland neu gegründet wurden, mussten mit Hochdruck innerhalb vergleichbar kurzer Zeit sämtliche Organisations-, IT- und regulatorischen Prozesse aufstellen sowie Mitarbeiter einstellen. "Insbesondere diese Kreditinstitute sind mittlerweile in den jeweiligen Hochrisikofeldern auf einen harten Brexit vorbereitet", sagt Thomas Peek, Director bei Deloitte gegenüber springerprofessional.de. Der Zeit geschuldet bestünde jedoch noch Nachholbedarf im Detail sowie Weiterentwicklungsbedarf, wenn nach dem Brexit die Volumina und Kundenanzahl bei der neuen deutschen Tochter ansteigen werde.

Kernfunktionen vor Ort aufbauen

Insbesondere bei den deutschen Ablegern der Auslandsbanken hatten Peek zufolge die zuständigen Finanzaufsichtsbehörden Bafin und EZB von Anfang an Verständnis für die geringe Zeit zur Neuaufstellung. Die Aufsichtsbehörden akzeptieren dem Experten zufolge, dass diese in den ersten Jahren nach Geschäftsstart sehr stark auf Prozesse und Organisation des jeweiligen globalen Konzerns zurückgreifen müssten. "Von diesen Instituten erwarten die Aufsichtsbehörden jedoch, dass sie innerhalb von zwei bis drei Jahren erforderliche Kernfunktionen in Deutschland aufbauen", so Peek weiter.

Wegen der Anzahl der Institute, die aufgrund des Brexits neu in Deutschland errichtet wurden und nun zu manchen Marktsegmenten eine stärkere Präsenz vor Ort haben, ist laut Peek auch davon auszugehen, dass sich in bestimmten Segmenten die Konkurrenzsituation von alteingesessenen Banken verschärfen könnte. "Alle Institute sollten noch einmal überprüfen, ob auch alle Vertragswerke für Kunden und Zulieferer Brexit-konform sind", rät Robert Melnyk, Partner bei EY und Leiter Banking und Capital Markets, den Instituten gegenüber springerprofessional.de.

Zusammenarbeit mit Clearinghäusern prüfen

Generell lohne sich ein nochmaliges Prüfen eventueller Abhängigkeiten von Instituten, die in Großbritannien ansässig sind, zum Beispiel Clearinghäusern und deren Notfallplänen. Es ist Melnyk zufolge "aber auch schon Einiges in diese Richtung passiert". Und Institute mit großem Kapitalmarktgeschäft wie die Deutsche Bank stehen laut Melnyk vor anderen Aufgaben als solche, die sich verstärkt im deutschen Privatkunden- und Mittelstandsgeschäft bewegen wie die Landesbanken. 

Erstere müssen gegebenenfalls ihr Betriebsmodell stärker umstellen, um Frankfurt als Kapitalmarktstandort zu stärken. "Zudem sollten Institute systematisch Brexit-Stress-Szenarien auf ihre Kreditportfolios anwenden", so Melnyk weiter. Dies seien zwar Auswirkungen zweiten Grades, die man aber nicht unterschätzen sollte.

Britische Retailbanken im Nachteil

Auch für manche britischen Banken könnte der Brexit die Auslandsgeschäfte erschweren. "Der Diversität an Finanzdienstleistungen aus dem Vereinigten Königreich wird nicht ausreichend Rechnung getragen, da für das Retailgeschäft keine harmonisierten Drittstaatenregelungen existieren", erklären die Springer-Autoren Lisa Löbig und Domenik H. Wendt in dem Fachbuch "Brexit und der Finanzmarkt" (Seite 48). 

Eine Herausforderung und ein erheblicher Aufwand für Institute aus Großbritannien werde künftig darin bestehen, diverse uneinheitliche Zulassungsverfahren durchlaufen zu müssen, die sich für das Retailgeschäft nach den nationalen Regelungen der Mitgliedstaaten richten. Nur auf diese Weise wird es ihnen Löbig und Wendt zufolge erlaubt sein, "eine Auswahl an Finanzdienstleistungen kontinuierlich in der EU zu erbringen".

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Das könnte Sie auch interessieren

02.10.2019 | Bankstrategie | Nachricht | Onlineartikel

Frankfurt ist bei Brexit-Banken erste Wahl

05.07.2019 | Bankstrategie | Nachricht | Onlineartikel

Brexit bremst Bankenkonsolidierung

16.01.2019 | Wirtschaftspolitik | Themenschwerpunkt | Onlineartikel

Der Brexit und die Folgen

Premium Partner

    Bildnachweise