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13.07.2017 | Finanzbranche | Im Fokus | Onlineartikel

Compliance-Maßnahmen sind der größte Kostentreiber

Autor:
Eva-Susanne Krah

Die Zahl betrügerischer Geldwäsche-Transaktionen steigt permanent. Banken müssen sich mit verschärften Compliance-Maßnahmen davor schützen. Doch das kostet.

Kreditinstitute sind nicht erst seit der vierten, erweiterten europäischen Geldwäscherichtlinie, die am 26. Juni 2017 in Kraft getreten ist, zu einem transparenten, umfangreichem Risikomanagement verpflichtet. Doch der Compliance-Aufwand für so genanntes Anti Money Laundring (AML), also Anti-Geldwäsche-Maßnahmen, steigt aufgrund der gesetzlichen Regelungen. Zahlen zu den tatsächlichen Kosten von AML erstaunen: So belegt der Due-Diligence-Spezialist Lexis Nexis Risk Solutions in einer Studie, für die unter anderem AML-Compliance-Entscheider aus 51 deutschen Banken, Investment- und Vermögensverwaltungsfirmen sowie Gelddienstleister befragt wurden, dass sich die Gesamtkosten der Institute für Aktivitäten im Bereich AML-Compliance im Durchschnitt auf satte 23,6 Milliarden US-Dollar jährlich belaufen. In den vergangenen zwei Jahren sind die Ausgaben für AML-Compliance um mehr als 20 Prozent gestiegen. Der mittlere Kostenanstieg lag bei 22 Prozent. 

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§ 85 Geldwäsche

Das Abwehrdispositiv gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung in Deutschland ist durch zahlreiche, von internationalen Vorgaben und Standards veranlasste Gesetzesänderungen seit dem Inkrafttreten des Geldwäschegesetzes im Jahr 1993 immer …

Bei großen Finanzfirmen steigen die Kosten exponentiell mehr als bei kleinen und mittleren Unternehmen der Finanzbranche, wie die Erhebung zeigt. Zudem liegen sie im Unternehmenskundenbereich aufgrund der internationalen Verflechtungen höher als im Privatkundengeschäft. Dabei entfallen

  • 40 Prozent der Kosten auf Know-your-Customer-Prozesse (KYC), der Überprüfung neuer Geschäftspartner und Kunden im Onboarding-Prozess,
  • 14 Prozent auf die Transaktionsüberwachung verdächtiger Aktivitäten,
  • 15 Prozent auf Ermittlungen und
  • 31 Prozent auf das AML-Compliance-Management.

Bei AML Sanctions, also Sanktionsmaßnahmen im Bereich Geldwäsche,  erwarten die Entscheider aus der Finanzbranche einen mittleren Anstieg von 17 Prozent. Auch hier rechnen große Unternehmen mit höheren Kosten als kleine und mittlere Unternehmen. Vor allem die KYC-Prozesse sind kostenintensiv. Dazu gehören beispielsweise das Erfassen von Informationen, Screening, die Analysetechnik und die Risikobewertung. Moderne Compliance-Lösungen können jedoch dazu beitragen, die Personalkosten reduzieren, meint Seyfi Günay, Direktor für Finanzkriminalität und Compliance bei Lexis Nexis Risk Solutions, anlässlich der Vorstellung der Studie. Er begründet die im europäischen Vergleich exorbitant höheren Kosten bei Finanzinstituten in Deutschland damit, dass es hierzulande nicht nur eine viel höhere Zahl an Geldinstituten gibt, sondern diese im Kundengeschäft auch stärker international verflochten sind, da Deutschland "Exportweltmeister" sei.

Corinna Hänel, Autorin des Springer-Buchs "Fraud Prävention in Kreditinstituten", betont, dass – "auch aufgrund der sehr komplexen Regulierung des Compliance- und Risikomanagements im Finanzsektor – die Umsetzung präventiver Maßnahmen eine große Herausforderung für Kreditinstitute darstellt". Im Kapitel "Fraud-Regulierung von deutschen Kreditinstituten" beschreibt sie die Zielsetzung des Compliance-Managements für Banken mit Blick auf die Regulierung so:

Hintergrund eines solchen Compliance-Managements ist die Reduzierung des Compliance-Risikos, das – aus Sicht des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht – rechtliche oder aufsichtliche Sanktionen, finanzielle Verluste oder Reputationsschäden als Folge einer Nichtbefolgung von Gesetzen, Verordnungen, Standards, Standesorganisationen und Verhaltensregeln in Kreditinstituten beinhaltet."

Die Regulierungen für das Compliance-Management dienen laut Hänel auch übergeordneten Zielen von Regulierung. Dabei soll insbesondere die Ordnungsmäßigkeit von Bankgeschäften und Finanzdienstleistungen sichergestellt werden.

Reputation und Regulierung verstärken Compliance-Druck

47 Prozent der Befragten treiben die gesetzlichen Bestimmungen, 42 Prozent das Reputationsrisiko durch Compliance-Verletzungen und 74 Prozent verbesserte Geschäftsergebnisse dazu an, bei AML-Compliance aktiv zu werden. Das Committee on Prevention of Money Laundering & Terrorist Financing, der Ausschuss zur Verhütung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung und der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (Basel Committee on Banking Supervision, BCSB) werden in diesem Zusammenhang beide als Organisationen genannt, die den größten Einfluss auf die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen haben. 

Viele Chancen, aber auch negative Aspekte

Die Finanzunternehmen sehen durch die verstärkten Compliance-Aktivitäten nicht nur Vorteile, sondern auch kritische Auswirkungen: 76 Prozent der Befragten führen einen negativen Einfluss auf die Produktivität der Mitarbeiter und die Kundenakquisition ins Feld. "Obwohl sie einen Kostensenker darstellt, hat Compliance einen negativen Einfluss auf die Kundenbeziehungen", sagt Günay. Kunden wanderten zum Beispiel ab, weil Kontoeröffnungen zu lange dauerten oder sich verzögerten Und: "Im Durchschnitt dauert es 22 Stunden, bis eine Verdachtsmeldung in Deutschland beseitigt werden kann."  56 Prozent der Institute erwarten einen Anstieg der Verdachtsmeldungen.  

Doch die Finanzhäuser sehen auch Chancen. So sind 87 Prozent der Befragten überzeugt, dass ihnen die Compliance-Maßnahmen bessere Daten über die Kundenbeziehungen liefern; 67 Prozent glauben, dass die Risikotoleranz von Kunden besser eingeschätzt und das Risikomanagement besser gesteuert werden kann.

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