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23.08.2019 | Finanzbranche | Infografik | Onlineartikel

Banken und Versicherer packt das Plattform-Fieber

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

Beim Aufbau digitaler Plattformen arbeiten Finanzdienstleister in Deutschland am liebsten Hand in Hand. Laut einer aktuellen Analyse bevorzugen 20 Prozent der Banken und Versicherer sogar eine Kooperation mit den direkten Wettbewerbern.

Wie die Studie "Potenzialanalyse Digitale Plattformen" von Sopra Steria Consulting und dem FAZ-Institut zeigt, bevorzugen 20 Prozent der Banken und Versicherer bereits die Zusammenarbeit mit ihrer Konkurrenz, wenn sie eine digitale Plattform aufsetzen. 42 Prozent kooperieren zumindest mit anderen Finanzdienstleistern. Für die Erhebung hat das Beratungshaus im April und Mai 355 Entscheider, Manager und Fachkräfte aus verschiedenen Branchen danach gefragt, ob und wie ihr Unternehmen auf digitalen Plattformen vertreten ist, welche Chancen die Plattformökonomie bietet und welche Risiken bestehen.

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Intelligentes Echtzeitunternehmen zwischen Netzwerk- und Plattformökonomie

Im digitalen Hyperwettbewerb kommt auch der sogenannten Plattformökonomie eine besondere Bedeutung zu. Dabei blendet diese im Allgemeinen den Betreiber der Plattform – das (Echtzeit-)Keystone-/Plattformunternehmen – aus der Betrachtung aus. Dieser "blinde Fleck" soll hier näher betrachtet werden.

Plattformen genießen hohe Priorität im Finanzsektor

Der Studie zufolge nutzen bereits 66 Prozent der Befragten Bank- und Versicherungskonzerne eine Plattform wie etwa ein Vergleichsportal als Vertriebskanal. Damit sei keine andere Branche so aktiv in der Plattformökonomie wie der Finanzdienstleistungsbereich, so die Analysten. Das Bild weise klar darauf hin, dass sich beide Zweige in Richtung Digitalunternehmen verändern. Für zwei von drei Managern aus dem Finanzsektor sind Plattformen und Ökosysteme laut Studienexperten auch das beherrschende Thema. In der Industrie sagen das nur 16 Prozent der Befragten.

Der Grund für das starke Plattform-Engagement und die Kooperationsbereitschaft der traditionellen Geld- und Versicherungshäuser ist eine Bedrohung des eigenen Geschäfts durch bestehende digitale Plattformen. Das sagen drei von vier der befragten Entscheider.  Sie fürchten die Abhängigkeit von den Betreibern, vor allem von Nischenplattformen der eigenen Branche, den großen Tech-Konzernen sowie von Vergleichsportalen. Auch wollen sie einen Preiskampf und mögliche Margeneinbußen, die mit einer Teilnahme an fremden Plattformen verbunden sind, umschiffen.

Und da die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung sehr komplex sind, geben 83 Prozent der befragten Entscheider der beiden Finanzbranchen an, diese nur noch im Verbund mit anderen Unternehmen lösen zu können. 80 Prozent sehen zudem einen Trend hin zu Komplettlösungen aus einer Hand mit Angeboten weiterer Unternehmen.

Mit Kooperation gegen GAFA-Marktmacht

Sparkassen sowie Genossenschaftsbanken arbeiten beispielsweise bei der Identitätsplattform Yes zusammen, einer Art Generalschlüssel für Kunden zu anderen Onlinedienstleistern. Die Deutsche Bank bindet auf ihrer Plattform Zinsmarkt auch Produkte anderer Institute an. "Dieser Trend zu Coopetition, also die Zusammenarbeit zwischen Wettbewerbern, ist kein Altruismus, sondern die klare strategische Erkenntnis, dass sich Marktanteile und Marktmacht auf Dauer gegenüber Google, Apple, Facebook und Amazon (GAFA) nur dann erzielen und halten lassen, wenn Unternehmen über ihren Schatten springen und bis dato für unverrückbar geltende Grenzen überschreiten", sagt Simon Oberle, Leiter Future Management Consulting von Sopra Steria NEXT.

Als geeignete Kooperationspartner bezeichnen

  • 58 Prozent der Befragten Fintechs und Insurtechs,
  • 22 Prozent wollen nur mit den GAFA kooperieren,
  • 14 Prozent mit anderen großen IT-Firmen.

Der Versicherungskonzern Ergo arbeitet beispielsweise mit dem IT-Konzern IBM zusammen, um Teile des Lebensversicherungsbestands auf eine separate Plattform zu übertragen. Das soll das Management effizienter machen. Eine strategische Option ist zudem, künftig auch Verträge anderer Versicherer gegen Gebühr in die Plattform zu integrieren.

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