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21.03.2018 | Finanzbranche | Im Fokus | Onlineartikel

Die Finanzindustrie muss sich verlagern

Autor:
Bianca Baulig

Am 30. März 2019 verabschiedet sich Großbritannien mit dem Brexit offiziell aus der Europäischen Union. Welche Konsequenzen das für die Finanzwirtschaft hat.

Nach dem offiziellen Austritt aus der europäischen Staatengemeinschaft wird Großbritannien in einer Übergangsphase noch bis Ende 2020 dem europäischen Binnenmarkt angehören. In dieser Zeit muss sich das Land weiterhin an die EU-Regeln halten, es hat jedoch bei EU-Entscheidungen kein Mitspracherecht mehr. Wie die Partnerschaft langfristig aussehen wird, ist noch unklar, Experten rechnen jedoch mit einem harten Brexit. EU-Bürger müssten dann eine Arbeitserlaubnis beantragen, um in Großbritannien leben und arbeiten zu dürfen, und die Verhandlungspartner müssten sich auf ein Freihandelsabkommen einigen, um Zölle zu vermeiden. 

Eine Naturkatastrophe namens Brexit

Alexander Börsch, Chefökonom und Leiter der Brexit Task Force bei Deloitte, bezeichnet den Austritt der Briten als "Naturkatastrophe, die kommt, aber nicht greifbar ist". Bei einer Veranstaltung von True Sale International (TSI) in Frankfurt am Main nannte er den harten Brexit als das realistischste Szenario. Für Banken und Finanzdienstleister mit Sitz in Großbritannien bedeutet das, dass sie ihre Services in der EU dann nur noch im Rahmen dessen, was für ein Drittland möglich ist, anbieten können. Derzeit fließen 44 Prozent der gesamten Finanzdienstleistungsexporte aus Großbritannien in die EU. Damit ist das britische Königreich im internationalen Vergleich der größte Nettoexporteur.

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54 Prozent der für eine Studie von Deloitte Befragten gehen im Fall eines harten Brexits davon aus, dass das Bankwesen geringere Investitionen im Vereinigten Königreich tätigen wird. Und 46 Prozent glauben, dass der Sektor Teile seiner Wertschöpfungskette in andere europäische Länder verlagern wird. Dass durch den Brexit der Finanzplatz Deutschland gestärkt wird, erwarten 49 Prozent der Studienteilnehmer.

Europa braucht einen neuen Finance Hub

London, das zurzeit noch als Hub für die Finanzindustrie gilt, wird diese Position nach Meinung von Experten mit dem Brexit verlieren. Laut Mathias Hanten, Partner bei Deloitte Legal, spricht dabei einiges für den Finanzplatz Frankfurt. So plant beispielsweise die Deutsche Bank, eventuell künftig einen großen Teil ihres Wertpapierhandels von Frankfurt aus zu steuern, wie Barbara Bocks auf Springer Professional berichtet. Und Stefan Terliesner zitiert eine Studie von Ernst & Young, der zufolge sich Frankfurt am Main als bevorzugtes Ziel auf dem europäischen Kontinent durchsetzen könnte.

Doch auch Luxemburg scheint für einige Player attraktiv zu sein. Laut Nicolas Mackel, CEO von Luxembourg for Finance, haben mehrere große Banken sowie zehn Versicherungsunternehmen und mehr als ein Dutzend Asset Manager angekündigt, den Hub für ihr EU-Geschäft in Luxemburg anzusiedeln oder ihre schon vorhandene Präsenz auszubauen. "Selbstverständlich freuen wir uns, wenn Unternehmen wie JP Morgan, Citi, AIG, FM Global, M&G oder T. Rowe Price sich für Luxemburg entscheiden", sagt Mackel. Er geht davon aus, dass weitere Finanzunternehmen folgen werden.

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