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09.11.2016 | Finanzbranche | Im Fokus | Onlineartikel

Trump bringt Börsen zum Beben

Autor:
Eva-Susanne Krah

Der 45. Präsident der USA heißt Donald Trump. Der Ausgang der US-Wahl lässt die Finanzmärkte weltweit abstürzen.

Keiner hatte im Vorfeld wirklich damit gerechnet und doch ist es passiert. Die Wahl des Immobilienmilliardärs Donald Trump zum neuen Präsidenten der USA, die er selbst als "Brexit plus plus plus" bezeichnete, hat am Morgen die Finanzmärkte durchgerüttelt. Weltweit fielen die Aktienkurse, die Kapitalmärkte reagierten mit einem Börsenbeben. Der deutsche Leitindex Dax sank im frühen Handel um 1,73 Prozent unter die Marke von 10.300 Punkten. Zum Handelsstart der Börse in Frankfurt am Main war er um mehr als drei Prozent gefallen. Gegen Mittag erholte er sich jedoch wieder und hatte nur noch einen Abschlag von 0,90 Prozent bei 10.387,72 Punkten. Am Vormittag nach der Wahl stieg der deutsche Leitindex im frühen Handel um 1,36 Prozent auf 10.791,28 Punkte und näherte sich damit wieder deutlich der Marke von 10.800 Punkten.

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Die Londoner Börse meldete zu Handelsbeginn am 9.11.2016 Verluste von 1,87 Prozent. Der japanische Nikkei-Index sackte um 5,5 Prozentpunkte ab. Auch die Börse in Hongkong gab um fast drei Prozent nach. Deutlich ins Minus drehten überdies die Kurse in Sydney, Seoul und Bombay. Die amerikanische Leitwährung US-Dollar gewann gegenüber dem Euro leicht an Wert. Hingegen fiel die mexikanische Währung Peso gegenüber dem US-Dollar auf ein Rekordtief.

Reaktionen aus der Finanzwelt

Norbert Röttgen, Vorsitzender im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags (CDU), nannte das Ergebnis der US-Wahl eine historische Zäsur und Warnung für Europa. Auch deutsche Wirtschafts- und Finanzgrößen äußerten sich überwiegend kritisch und besorgt. Einige Experten rufen aber auch zur nüchternen Betrachtung und Besonnenheit auf. Die ersten Reaktionen:

Andreas Bley, Chefvolkswirt des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), erklärt angesichts des Wahlausgangs in den USA: "Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten gibt Anlass zur Besorgnis. Die hohe Unsicherheit über die künftige Außen- und Wirtschaftspolitik der USA ist ein weiterer Belastungsfaktor für die Weltwirtschaft und wird die Investitionsbereitschaft dämpfen." Das Wirtschaftswachstum in Deutschland werde in diesem und dem kommenden Jahr hiervon zwar nur geringfügig beeinflusst. Längerfristig könnte sich laut Bley allerdings die freihandelskritische Haltung Trumps für die exportorientierten Unternehmen in der Bundesrepublik und ihre Beschäftigten spürbar negativ auswirken.

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts in München, erwartet nach dem Wahlsieg von Donald Trump einen Rückschlag für die wirtschaftliche Entwicklung. "Wenn Trump die Handelsschranken durchsetzen könnte, die er angekündigt hat, wäre der Schaden groß. In Deutschland hängen 1,5 Millionen Arbeitsplätze vom US-Geschäft ab, die USA sind der wichtigste Handelspartner Deutschlands", meint Fuest.

Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank, bezeichnet den US-Wahlausgang als "schwere Kost für die Börsen". Die Aktienmärkte werden unter einer hohen Volatilität leiden, der US-Dollar wird sich zum Euro abschwächen und auch die Zinswende könnte nochmals verschoben werden, sagt Lang voraus. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) könnte ihre geplante Zinssenkung auf das kommende Frühjahr vertagen. Die konjunkturelle Entwicklung in den Schwellenländern werde gebremst. Gold könnte als Krisenwährung gewinnen. 

Dominic Rossi, Chief Investment Officer für Aktien bei der Fondsgesellschaft Fidelity, findet starke Worte für die Wende in der amerikanischen Politik: "Wir bewegen uns in eine Welt von beispiellosem politischen Risiko, das die Säulen der Weltordnung nach dem Zweiten Weltkrieg infrage stellt. Da wundert es nicht, dass Investoren in Deckung gehen." Rossi glaubt, dass die US-Notenbank Fed die unmittelbaren Auswirkungen des Trump-Siegs spüren wird. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember und zweier weiterer Steigerungen im Jahr 2017 sei stark gesunken. Die Geldpolitik werde akkomodativ bleiben. 

Angel Agudo, Fondsmanager des Fidelity America Fund, sagte, für Anleger sei es wichtig, den Blick weiter auf die Fundamentaldaten der Unternehmen zu richten "und sich von dem Getöse und der Volatilität in Wahlkampfzeiten nicht beirren zu lassen". Agudo glaubt nicht, dass der Wahlausgang in den USA darüber entscheide, wie sich die Märkte langfristig verhalten werden.

Durch die Reaktion der Finanzmärkte auf die Wahl von Trump steigt auch aus Sicht von Serge Pizem, Head of Multi Asset Investments Axa Investment Managers, die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed im kommenden Dezember den Leitzins nicht erhöhen wird. "So lange sich die Bedingungen auf den Finanzmärkten bis Dezember nicht nachhaltig verschlechtern, prognostizieren wir aber weiterhin einen Zinsschritt. Längerfristig dürften die Geldpolitiker vermutlich einen schnelleren Zinserhöhungsrhythmus einschlagen, als sie es unter einer Präsidentin Clinton getan hätten", erklärt Pizem.

Heinz-Werner Rapp, Vorstand und Chief Investment Officer beim Investmenthaus Feri, geht davon aus, dass "nach den ersten Marktturbulenzen Normalität einkehrt und auch bald wieder partielle Erholungen an den internationalen Finanzmärkten möglich sind". Profitieren von der neuen US-Politik könnten aus seiner Sicht Aktien in den Sektoren Infrastruktur, Waffen und fossile Brennstoffe. Negative Effekte prognostiziert er für exportorientierte Unternehmen, unter anderen in der deutschen Automobilindustrie.

Nach Bekanntwerden des Wahlausgangs gehörten Automobil- und Bankaktien zu den Verlierern an der Börse. Die Titel von Daimler und BMW verloren jeweils rund vier Prozent. Die Anteilsscheine der Deutschen Bank gaben um 3,6 Prozent nach, die der Commerzbank um 3,1 Prozent.

Stefan Kreuzkamp, Chief Investment Officer der Deutschen Asset Management, sagt, dass der Sieg von Donald Trump die Märkte zwar "auf dem falschen Fuß erwischt" hat. Er mahnt aber zugleich, Anleger sollten jetzt nicht die Nerven verlieren. Das sieht die Quirin Bank ähnlich. Anleger könnten mit der richtigen weltweit diversifizierten Anlagestrategie gelassen bleiben. Sie sollten sich allerdings "kurzfristig auf schwankungsintensivere Börsenwochen" einstellen.

Für Paul Mc Namara, Emerging Markets Fixed Income von der Vermögensverwaltungsgruppe Gam, kam das Wahlergebnis in den USA "überraschend und erwischte die Positionierungen im Portfolio auf dem falschen Fuß." Der Wahlausgang heute bedeute große Veränderungen. "Wir hüten uns davor, die Auswirkungen zu unterschätzen. Vor diesem Hintergrund sind wir denn auch überrascht, wie verhältnismäßig gering die Reaktionen auf den Märkten waren", so Mc Namara.

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) hatte in einer Vorabeinschätzung zur Wahl gewarnt, dass vor dem Hintergrund der hohen Staatsverschuldung der USA ein Wahlsieg Donald Trumps für die Geldpolitik nicht uner­heblich wäre. Trump habe im Wahlkampf deutlich gemacht, dass er die Amtszeit der Fed-Chefin Janet Yellen, die Anfang 2018 endet, nicht verlängern wolle. "Das kann dazu führen, dass die Fed stärker politisch agieren muss und nicht nur den unabhängigen Blick einer Notenbank walten lassen kann", heißt es vom DSGV.

Sorgen macht Finanzexperten ein möglicherweise starker protektionistischer Kurs unter der Präsidentschaft Trumps. Dieser könnte Europas Banken, vor allem die Investmentbanken, unter Druck bringen. Einen Kommentar zu möglichen Folgen des Wahlausgangs in den USA für die Wirtschaft lesen Sie hier.

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