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10.01.2017 | Finanzbranche | Kolumne | Onlineartikel

Wie moderne Risikokommunikation die Finanzberatung unterstützt

Autor:
Dr. Philipp Schreiber

Die Einschätzung von Risiko und Ertrag an den Kapitalmärkten ist eine schwierige, aber wichtige Aufgabe. Wie Bankberater das Risiko eines Finanzprodukts kundengerecht kommunizieren und Anlageentscheidungen verbessert werden können.

Bankberater sollen Kunden dabei unterstützen und ihre Risikoneigung erforschen, um geeignete Anlageprodukte zu empfehlen. Jeder Anlageberater hat dabei unter anderem die Aufgabe, den Kunden über die Chancen und Risiken etwaiger Finanzprodukte aufzuklären. Nach Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs muss die Beratung anlage- und objektgerecht erfolgen. Dabei soll die Beratung den Wissensstand des Kunden sowie dessen Risikobereitschaft erforschen. Ist diese bekannt, so kann ein Finanzprodukt, das zur Risikoeinstellung passt, empfohlen werden. Soweit die Theorie.

Erforschen der Risikobereitschaft

In der Praxis werden Finanzprodukte gemäß E.U.-Direktive verpflichtend in sieben Risikoklassen eingeteilt. Die Risikoklasse oder der SRRI (synthetic risk and reward indicator) ist im Key Investor Information Document (KIID) vermerkt. Die Einteilung in eine Risikoklasse erfolgt auf Basis der historischen Volatilität der vergangenen fünf Jahre, wie die nachfolgende Tabelle zeigt:

Risikoklasse (SRRI)Historische Volatilität in %

größer/gleich kleiner
100,5
20,52
325
4510
51015
61525
725

Ein Aktienfonds mit einer historischen Volatilität von 18 Prozent würde also beispielsweise in die Risikoklasse sechs eingeteilt werden. Die Regulierung nutzt somit die Volatilität als Risikomaß. 

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Der Anlageberater, der die Risikoeinstellung seiner Kunden erforschen soll, muss diesem demnach Volatilität als Risikomaß näherbringen und gleichzeitig die innere Risikoeinstellung des Kunden auf einer vergleichbaren Skala von eins bis sieben messen. Es stellt sich die Frage, ob Privatanleger ihre eigene Risikoeinstellung gut einschätzen und bei Finanzentscheidungen danach handeln können.

Risiko richtig einschätzen

In mehreren Studien der Universität Mannheim beschäftigen sich Kaufmann et al. mit dieser Frage. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Privatanleger Schwierigkeiten haben, das Risiko von Finanzprodukten einzuschätzen und entsprechend ihrem Risikoprofil konsistent zu investieren. In einem Experiment wurden Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt. Beide Gruppen konnten einen bestimmten Anlagebetrag zwischen einem risikofreien und einem riskanten Wertpapier aufteilen. Die Teilnehmer wurden über das Risiko-Rendite Profil des riskanten Wertpapiers informiert. Dabei hatte das riskante Wertpapier der ersten Gruppe eine deutlich geringere Volatilität als das der zweiten Gruppe. Da die Teilnehmer zufällig aufgeteilt wurden, würde man bei ausreichender Gruppengröße keinen Unterschied im durchschnittlichen Risiko der Investitionsentscheidung in beiden Gruppen erwarten. Das bedeutet, die Teilnehmer aus der ersten Gruppe sollten im Durchschnitt einen größeren Anteil in das riskante Wertpapier investieren als die Teilnehmer aus der zweiten Gruppe. Es zeigt sich jedoch, dass die zweite Gruppe im Mittel mehr Risiko eingehen als die Teilnehmer aus der ersten Gruppe. Dies lässt vermuten, dass die Investitionsentscheidung eher auf einfachen Heuristiken basiert, als auf einer fundierten Risiko-Rendite-Überlegung. Dieses Verhalten wäre vergleichbar mit einer Person, die zum Würzen ihrer Speisen immer einen Löffel vom scharfen Gewürz benutzt, unabhängig davon, ob das scharfe Gewürz ein milder Pfeffer oder die schärfste Chili der Welt ist.

Simulation verbessert das Risikoverständnis

Zur Verbesserung des Risikoverständnisses testen Kaufmann et al. verschiedene Methoden der Risikokommunikation. Dabei zeigt sich, dass sich das Risikoverständnis gegenüber der klassischen Beschreibung deutlich verbessert, wenn die statistische Verteilung der Erträge von Finanzprodukten simuliert wird. Studienteilnehmer, die an der Simulation teilgenommen hatten, treffen konsistentere Anlageentscheidungen. Das heißt bei aufeinanderfolgenden Anlageentscheidungen wählen die Teilnehmer ein ähnliches Risiko-Rendite Profil. Zusätzlich schätzen sie das Verlustrisiko besser ein und sind mit ihrer Anlageentscheidung zufriedener.

Die Studienergebnisse wurden im Risikotool der Behavioral Finance Group für die praktische Anwendung umgesetzt. Das Risikotool erlaubt es auf Basis historischer Kapitalmarktdaten, Ertragsverteilungen zu simulieren. So können zum Beispiel Privatkunden und Bankberater das Risiko eines Finanzprodukts erlebbar machen. Ebenfalls kann das Risikoprofil der simulierten Investition angepasst und somit die eigene Risikopräferenz erforscht werden. Das Tool gibt auch Auskunft über die jeweilige Risikoklasse (SRRI) der simulierten Investition und kann somit zu einem besseren Risikoverständnis von Finanzprodukten beitragen.

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