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02.08.2019 | Finanzbranche | Im Fokus | Onlineartikel

Ausländische Investoren finanzieren deutsche Start-ups

Autor:
Barbara Bocks

Immer mehr deutsche Start-up-Firmen wie "Getyourguide" oder "Babbel" erhalten hohe Summen von Investoren und die kommen gerade bei hohen Summen selten aus Deutschland.

Ausländische Investoren sind seit Längerem sehr aktiv auf dem deutschen Markt für Venture Capital und stellen Gründern oftmals große Beträge für das Wachstum bereit. Jüngstes Beispiel ist die mobile Bank "N26". Am 17. Juli hat das Fintech-Unternehmen bekanntgegeben, dass die Investoren der Kapitalrunde Anfang des Jahres ihre Beteiligung von 300 auf 470 Millionen Dollar aufgestockt haben. Dazu zählen unter anderem institutionelle Anleger wie die amerikanische Risikokapitalgesellschaft Insight Venture Partners und der Staatsfonds von Singapur, GIC.

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01.07.2019 | Titel | Ausgabe 7-8/2019

Wer sich als Partner für Gründer positioniert

Deutsche Geldhäuser halten sich mit Hochrisiko-Anlagen bislang eher zurück. In Firmenanteile investieren hierzulande vor allem Beteiligungsfonds. Doch der Markt wächst, weil sich immer mehr ausländische Finanzinvestoren engagieren.

"Firmen, die sich international bewegen, bekommen auch internationales Kapital", sagt Roger Bendisch, einer der beiden Geschäftsführer der IBB Beteiligungsgesellschaft, gegenüber springerprofessional.de. "Früher mussten Gründer mit ausländischen Fonds als Geldgebern ihren Firmensitz ins Ausland verlagern. Das ist heute anders", so Bendisch. Die in Deutschland oft negativen Beurteilungen von ausländischen Fonds teilt er nicht. "Wir freuen uns, wenn ein amerikanischer Fonds in ein Berliner Unternehmen investiert, das wir anfinanziert haben."

Deutscher VC-Markt kleiner als in Großbritannien

Mit 2,8 Milliarden Euro haben deutsche und ausländische Investoren im ersten Halbjahr 2019 eine Rekordsumme in deutsche Start-up-Firmen investiert. Das meiste Kapital haben mit 704 Millionen Euro Firmen aus dem Bereich Fintech/Insurtech erhalten. Das geht aus dem Start-up-Barometer Deutschland Juli 2019 der Beratungsgesellschaft EY hervor. Trotz dieser Rekordsumme im ersten Halbjahr liegt Deutschland laut einer EY-Erhebung für Europa aus dem Frühjahr im Gesamtjahr 2018 mit einem Volumen von 4,6 Milliarden Euro deutlich hinter Ländern wie Großbritannien. Dort haben sich Investoren im Jahr 2018 mit 7,2 Milliarden Euro an Venture-Capital-Firmen beteiligt.

"Gemessen an den Investments und dem Bruttoinlandsprodukt liegt der deutsche Venture-Capital-Markt im europäischen Vergleich unter dem Durchschnitt", sagt Jörg Goschin, einer der beiden Geschäftsführer von KfW Capital, gegenüber springerprofessional.de. In Europa und Deutschland sei im Vergleich zu Amerika und Asien deutlich weniger Wachstumskapital verfügbar, in absoluten Zahlen und auch relativ im Vergleich zum BIP. "Amerikanische Fonds sammeln auch gerne einmal fünf Milliarden Dollar ein, deutsche Fonds oft nur mehrere hundert Millionen Euro", sagt Bendisch. "Insbesondere für die Wachstumsphase und spätere Finanzierungsrunden gibt es in Amerika weitaus mehr und größere Venture-Capital-Fonds", sagt auch Goschin.

Deutscher VC-Markt ist noch jung

Dass der deutsche Venture-Capital-Markt wesentlich kleiner als in angelsächsisch geprägten Ländern ist, hat unter anderem historische Gründe. "Das Venture-Capital-Geschäft existiert in seiner aktuellen Form in Deutschland erst seit den Anfängen der 1990er Jahren", erklärt Springer-Autor Hassan Sohbi in dem Buch "Grundlagen des M&A-Geschäfts" (Seite 561). Sohbi führt aus: 

Trotz eines zwischenzeitlichen Hochs in der Zeit des Technologiebooms und des Neuen Marktes ab 1995 und seit 2012 einem wieder zu beobachtenden Aufwärtstrend in der Start-up-Finanzierung hat das deutsche Venture-Capital-Geschäft bislang nicht die Bedeutung und die Anerkennung erhalten, die Venture Capital in den USA genießt."

Dies sei aber nicht ganz überraschend, da die Anfänge des modernen Venture Capital in den USA bis in die 1930er Jahre des vergangenen Jahrhunderts reichen und dass die heutige Computer- und Technologieindustrie ohne Venture Capital kaum vorstellbar wäre. Als Beispiele dafür nennt der Experte Unternehmen wie Sun Microsystems, Ebay, Apple und Facebook.

Etablierte Sekundärmärkte sind entscheidend

Eine Möglichkeit, um den deutschen Markt anzukurbeln, sind Goschin zufolge gut etablierte Sekundärmärkte. "Venture Capital und andere geschlossene Fonds haben typischerweise Laufzeiten von zehn und mehr Jahren", argumentiert Goschin. Investoren bräuchten daher einen langen Atem bis sie ihr eingesetztes Kapital, idealerweise mit Rendite, zurückerhalten. Funktionierende Sekundärmärkte, wie es sie beispielsweise in den USA schon länger gibt, die aber in Deutschland leider noch kaum existieren, würden Goschin zufolge hierzulande für Liquidität sorgen und Investments in Venture-Capital-Fonds deutlich attraktiver machen.

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