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21.06.2019 | Finanzbranche | Im Fokus | Onlineartikel

Digitale Finanzanbieter holen auf

Autor:
Angelika Breinich-Schilly

Vor allem junge und technikaffine Menschen sind laut einer aktuellen Befragung offen für digitale Bank- oder Versicherungsprodukte. Und immer mehr interessieren sich für die Services branchenfremder Digitalunternehmen.

Wie der aktuelle "Trendmonitor Deutschland" des Marktforschungsinstituts Nordlight Research zeigt, steigt unter den Deutschen die Akzeptanz für neue digitale Bank- und Versicherungsprodukte, aber auch für Services von Fintechs, Insurtechs oder internationaler Tech-Konzerne. Vor allem bei

  • den 16- bis 29-Jährigen,
  • Menschen von 30 bis 49 Jahren
  • und technikaffinen, einkommensstärkeren Bevölkerungsschichten

haben digitale Vertriebswege auch branchenfremder Anbieter gute Chancen. "Die Bank- und Versicherungskunden setzen sich vermehrt mit neuen digitalen Angeboten auseinander, probieren diese schrittweise auch aus", erläutert Thomas Donath, Geschäftsführer von Nordlight Research, das Ergebnis.

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Vertrauen in Fintechs wächst

Wie die Befragung mit dem Schwerpunktthema "Banking & Insurance Trends" unter mehr als 1.000 Deutschen im April und Mai ergab, sind bereits 33 Prozent der Verbraucher bereit, bei namhaften Digitalkonzernen wie Amazon, Apple, Google oder Paypal ein Girokonto zu führen oder einfache Versicherungen abzuschließen. Weitere 32 Prozent können sich vorstellen, neben der Hausbank auch Drittanbietern wie Fintechs den Zugriff auf ihre Kontoinformationen zu erlauben, um deren Services zu nutzen. Und knapp ein Viertel (22 Prozent) ist offen dafür, sich über digitale Sprachassistenten wie Amazons "Alexa" nicht nur Finanzinformation einzuholen, sondern auch Verträge abzuschließen. Robo Advisor vertrauen bereits 42 Prozent der Deutschen und immerhin 24 Prozent würden für eine günstigere KfZ-Police das eigene Fahrverhalten elektronisch kontrollieren lassen.  

Neue Anbieter nutzen digitale Vernetzung

"Insbesondere ein Großteil der neu aufkommenden Wettbewerber hat den Vorteil, den technologischen Fortschritt der letzten Jahre sowie die Vernetzungsmöglichkeiten optimal nutzen und diese in das Geschäftsmodell integrieren zu können", schreiben Alwin Bathija und Thomas Kümpel im Buchkapitel "Digitalisierung im Bankensektor – Notwendigkeit von neuen kundenzentrierten Geschäftsmodellen" auf Seite 200. Gerade die Vernetzung mit den Kunden durch das Internet ermögliche den Springer-Autoren zufolge eine "grenzüberschreitende Konkurrenz für den deutschen Bankensektor".

Doch nicht nur der technologische Fortschritt, sondern auch das veränderte Kundenverhalten stellt Banken vor Herausforderungen. Die sinkende Kundenloyalität etwa aufgrund der zunehmenden Turbulenzen an den Finanzmärkten, aber auch fehlendes Vertrauen sowie die hohe Preissensibilität der Kunden führen zu weiter rückläufigen Erträgen bei Banken", skizzieren Bathija und Kümpel weitere Herausforderungen für etablierte Geldhäuser.

Finanzkunden setzen auf große Marken

Trotz der fortschreitenden Digitalisierung in der Finanzbranche und der zunehmenden Konkurrenz durch Drittanbieter weisen die Studien-Experten darauf hin, dass "die meisten Deutschen beim Abschluss von Finanz- und Versicherungsprodukten bislang immer noch traditionell handeln". Verbraucher nutzen der Befragung zufolge derzeit vor allem die Informationsmöglichkeiten im Internet und einschlägige Vergleichsportale als Entscheidungshilfe vor dem Abschluss eines Bank- oder Versicherungsvertrags. Auch schätzten viele noch immer das persönliche Gespräch mit einem Kundenbetreuer. 

Traditionelle Anbieter wie Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken, ING, Postbank und Commerzbank oder HUK-Coburg, Allianz, R+V, Ergo und Axa profitieren der Studie zufolge im Konkurrenzkampf mit Fintechs, Insurtechs und großen Digitalkonzernen vor allem von ihrer großen Markenwirkung. "Mit Blick auf unterschiedliche Zielgruppen und deren Vorlieben gilt es für die Anbieter, entlang ihrer eigenen Marke und Positionierung den für sich jeweils besten Weg und dazu passende Geschäftsmodelle zu finden", bringt es Donath auf den Punkt.

Kooperationen als Zukunftsmodell

Eine Strategie könnte zum Beispiel in der Kooperation von Banken und Versicherern liegen. So arbeitet beispielsweise die Allianz seit Januar 2018 mit der deutschen Unicredit-Tochter Hypovereinsbank zusammen. Und der französische Versicherungskonzern Axa kooperiert seit Mitte 2018 mit der niederländischen Großbank ING.

"Wer die Philosophie von ING kennt – alle angebotenen Produkte müssen einfach und für den Kunden leicht verständlich sein –, ahnt bereits, wohin die Reise auch bei Versicherungen geht: zu Policen, die unkompliziert sind. Simple Lösungen eignen sich bestens für den Vertrieb über digitale Plattformen", schreibt Bankmagazin-Autor Stefan Terliesner in seinem Beitrag "Digitalisierung belebt Bankassekuranz". In der Theorie sei Bankassekuranz in vielen Organisationen schon seit Jahren präsent, zitiert Terliesner Benedict Schweiger, Senior Consultant bei Simon-Kucher und Partners. Doch erst heute bewege sich der Ansatz in Richtung ganzheitliche Beratung. 

Datenschatz der Banken nutzen

Je mehr Lösungen ein Unternehmen seinen Kunden anbieten kann, desto größer sei dessen Komfort. Und Banken hätten große Datenmengen von ihre Kunden. Deren Auslesung, Strukturierung und Analyse habe das Potenzial, die Vertriebseffizienz "radikal zu verbessern", schreibt der Autor. "Das wissen gewiss auch die Versicherer, weshalb sie verstärkt die Nähe zu diesem Datenschatz suchen."

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