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05.02.2018 | Finanzbranche | Im Fokus | Onlineartikel

Mehr Nachhaltigkeit zahlt sich für Finanzinstitute aus

Autoren:
Bianca Nijhof , Markus Reppenhagen

Auch Finanzinstitute kommen am Thema Natural Capital nicht mehr vorbei. Der Blick darauf ist ein wichtiger Faktor bei der Risikobewertung für Investitionen.

Jede Organisation und jedes Unternehmen ist auf Natural Capital angewiesen: Dazu gehören natürlich die Vorräte an natürlichen Ressourcen wie Boden, Wasser, Luft oder Rohstoffe. Diese so genannten Ökosystemdienstleistungen nehmen Unternehmen unterschiedlich stark in Anspruch. Davon abhängig ist wiederum, wie groß der Einfluss des Unternehmens auf die biologische Vielfalt (Biodiversität) ist. Das ist ein oft wenig beachteter, aber wichtiger Faktor. Der Rohstoffverbrauch des produzierenden Gewerbes ist beispielsweise natürlich größer als der eines Dienstleistungsunternehmens.

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Nachhaltigkeit in der Finanzbranche

Was bedeutet „Nachhaltigkeit“ für die Finanzbranche? Wie ist der Status Quo der Durchdringung des Themas bei Finanzdienstleistern? Welche Bedeutung hat bzw. sollte eine nachhaltige Ausrichtung für die Branche haben?

Kaum berücksichtigt wurden bisher jedoch Branchen, die eine indirekte Wirkung auf das Natural Capital ausüben. Dazu zählt die Finanzbranche. Dabei sind auch Finanzinstitute über ihre Kredite und Investitionen wichtige Stakeholder und Akteure. Nachhaltige Investments zahlen nicht nur auf die Corporate Social Responsibility (CSR) ein. Die wachsende Sensibilität für den Verbrauch von Ressourcen verschafft Finanzinstituten auch neue Geschäftsmöglichkeiten. Zugleich kommt ihnen eine besondere Rolle zu. Über ihre Funktion als Versicherer, Kreditgeber, Projektfinanzierer oder Investor übernehmen sie Verantwortung für Chancen und Risiken ihrer Kunden. Das setzt voraus, dass sie deren Risikohorizont genau kennen.

Natural Capital als Teil der Risikobewertung

Dazu bedarf es neuer Methoden, wie Natural Capital in die Rechnungsführung von Unternehmen einbezogen werden kann. Denn auch im Kreditgeschäft spielt der nachhaltige Umgang mit den natürlichen Ressourcen eine zunehmend größere Rolle. Dabei zeigt sich: Nachhaltige Produktion ist immer risikoärmer. Denn nur wenn in Zukunft die Natural-Capital-Basis noch zur Verfügung steht, die für die Produktion benötigt wird, kann das Unternehmen weiter erfolgreich wirtschaften. Diese Erkenntnis setzt sich zunehmend durch und fließt in die Risikobewertung der Institute mit ein.

Green Bonds, grüne Anleihen beispielsweise versprechen zwar zumeist eine geringere Rendite, ziehen aber dennoch Investoren an, weil sie deutlich risikoärmer sind. Wenn neue Umweltstandards eingeführt oder Richtlinien verschärft werden, sind grüne Investments wenig anfällig, davon betroffen zu sein. Sie erfüllen diese Standards zumeist bereits. Hinzu kommen geringe laufende Kosten. Das zeigt das Beispiel Immobilien: Energiespar-Häuser sind nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für die Bilanz.

Niedrigere Zinsen für eine bessere Natural-Capital-Bilanz

Eine Vorreiter-Rolle spielt Philips: Der niederländische Großkonzern hat es geschafft, seine Anstrengungen in Sachen Nachhaltigkeit in die Risikobewertung durch Banken einzubringen und in einen Zinsnachlass umzumünzen. Die Vereinbarung für eine Revolving Credit Facility über eine Milliarde Euro sieht vor, dass mehr Nachhaltigkeit den Zinssatz drückt. Die Fortschritte bei der Nachhaltigkeit werden von unabhängigen Analysten jährlich überprüft und bewertet und an das Bankenkonsortium übermittelt. Von der Einschätzung der Experten hängt ab, welcher Zinssatz fällig wird. Zu dem Konsortium gehören 16 Banken: ABN AMRO, Bank of America Merrill Lynch, BNP Paribas, Citi, Deutsche Bank, Goldman Sachs, HSBC, ICBC, ING, JPMorgan, Mizuho Bank, Morgan Stanley, MUFG, Rabobank, Société Générale und die Großbank UBS. Der revolvierende Kredit läuft bis 2022 und steht für allgemeine unternehmerische Zwecke bereit.

Rechenregeln für Natural Capital Accounting

Wie entwickelt sich das benötigte Natural Capital in der Zukunft, was bedeutet das für die Tragfähigkeit eines Geschäftsmodells? Viele Institute, darunter Actiam, Citi, UniCredit und die Rabobank, sind inzwischen der "Natural Capital Finance Alliance", beigetreten. Sie wollen damit ein Zeichen setzen für nachhaltige Möglichkeiten der Finanzierungen für die Zukunft. Deutsche Kreditinstitute sind diesem Bündnis bislang nicht beigetreten. In den Niederlanden zeigen sich die Institute hingegen aktiver. So prüfen einige große Finanzinstitute derzeit den Ausstieg aus der Finanzierung der Kohle-Industrie. Das zeigt, dass Nachhaltigkeit zunehmend zum Kriterium für Investments wird.

Steht am Ende ein Netto-Gewinn beim Natural Capital? Die Berechnung und Buchhaltung, das so genannte Natural Capital Accounting, stehen noch am Anfang. Für eine ökonomische Bewertung der Natur müssen die komplexen Systeme in sehr spezifische, berechenbare Leistungen verwandelt werden – in fast allen Fällen ein nicht eindeutig einlösbares Unterfangen. So besteht letztendlich die Notwendigkeit, sich auf die berechenbaren und ökonomisch vergleichbaren Aspekte der Natur zu konzentrieren – zum Beispiel auf die CO₂-Speicherfunktion oder auf den Verbrauch von Wasser. Einbezogen werden können auch Ausgleichsmaßnahmen (Biodiversitäts-Offsets), die dem Ressourcen-Verbrauch entgegengesetzt werden. Insgesamt sichert sich das Unternehmen auf diese Weise seine Rohstoffbasis und andere wertvolle Ökosystemleistungen. Das wiederum können Finanzinstitute als Kapitalgeber dank geringerer Zukunftsrisiken mit günstigeren Zinsen honorieren.

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