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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Tendenzen und Modeerscheinungen in der Ökonomie, die in den Vereinigten Staaten von Amerika aufkommen, erreichen stets — mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung und geringfügigen kulturell bedingten Modifikationen — auch den europäischen Kontinent. Das prägnanteste und aktuellste Beispiel für eine solche Entwicklung besteht in der in den USA als “Shareholder Value Analysis” bekannten marktwertorientierten Unternehmungsführung, die seit Beginn der neunziger Jahre auch in Deutschland sehr lebhaft diskutiert wird.1 Dieses vor allem von den institutionellen Kapitalanlegern geforderte Konzept propagiert eine Ausrichtung aller unternehmerischen Entscheidungen an den finanzwirtschaftlichen Zielsetzungen der Residualanspruchsberechtigten und basiert im wesentlichen auf Erkenntnissen der modernen Investitions- und Finanzierungstheorie. Ausgehend von der Überlegung, daß die (in Deutschland traditionell dominierenden) buchhalterischen Rechnungsgrößen zur Ermittlung des Unternehmungserfolgs keine adäquate Zielgröße für die Anleger auf dem Kapitalmarkt darstellen,2 umfaßt das Shareholder Value-Konzept verschiedene Ansätze, die im wesentlichen auf Techniken der kapitalmarktorientierten dynamischen Investitionsrechnung beruhen.3

Marcus Kuhnert

2. Theoretische Grundlagen

Der Investitionsgüterbereich1 läßt sich nach PLINKE anhand der Kriterien “Fertigungstyp” und “Angebotsform” in zwei polare Geschäftsarten unterteilen. In Sorten- und Serienfertigung erstellte Leistungen, die den Nachfragern mittels standardisierter Angebote offeriert werden, kennzeichnen das industrielle Produktgeschäft. Demgegenüber umfaßt der Bereich der Einzelfertigung mit auftragsindividuellem Angebot das industrielle Anlagengeschäft, welches im Vergleich zum Produktgeschäft deutlich langfristiger und komplexer angelegt ist.2 BACKHAUS unterscheidet darüber hinaus noch das sogenannte Systemgeschäft, welches Leistungen beinhaltet, die durch eine Systemarchitektur miteinander vernetzt sind. Konstituierend wirkt hier die langfristig gültige Systemstruktur, die von unter Umständen sehr kurzfristigen Beschaffungsentscheidungen einzelner Systemkomponenten überlagert wird.3 Da diese Erweiterung der Typologie der Geschäftsarten allerdings an das Untersuchungsobjekt marketingrelevanter Besonderheiten des Transaktionsprozesses von Investitionsgütern anknüpft, wird sie im Kontext dieser Arbeit nicht weiter aufgegriffen.

Marcus Kuhnert

3. Notwendigkeit des Finanzcontrolling im internationalen Anlagengeschäft

Die Beantwortung der Frage, ob Finanzcontrolling im Kontext internationaler Anlagengeschäfte sinnvoll und notwendig ist, könnte durch den Versuch erfolgen, aufgrund empirischer Befunde über die Existenz eines — unter Umständen institutionalisierten — Finanzcontrolling-Systems entsprechende Schlüsse zu ziehen. Eine derartige Vorgehensweise ist allerdings, wie in Kapitel 1 erläutert, nach dem gegenwärtigen Stand der wissenschaftstheoretischen Diskussion abzulehnen, da auf der Basis von empirischen Analysen nicht ohne weiteres durch Induktion auf die Gültigkeit von Theorien oder Hypothesen geschlossen werden kann. Mit anderen Worten gestatten Resultate in Form von Beobachtungen und Befragungsergebnissen, die stets auf Einzelfälle (gleichgültig welcher Anzahl) bezogen sind, keine Aussage hinsichtlich des Geltungsbereichs allgemeiner Sätze.1

Marcus Kuhnert

4. Entwicklung eines Anforderungsprofils für das Finanzcontrolling im internationalen Anlagengeschäft

Nachdem der Nachweis für den Bedarf der Finanzcontrolling-Funktion im internationalen Anlagengeschäft erbracht worden ist, kann grundsätzlich von der Effektivität eines Finanzcontrolling-Systems ausgegangen werden, da es potentiell dazu geeignet erscheint, einen positiven Beitrag zur Erreichung der finanzwirtschaftlichen Ziele zu leisten.1 Die jetzige Ausgangssituation besteht nun darin, zwischen mehreren, sich gegenseitig ausschließenden Möglichkeiten der Systemgestaltung die vorteilhafteste auswählen zu müssen. Im Hinblick auf die Behandlung ökonomischer Sachverhalte erscheint die Hypothese plausibel, daß die Wirtschaftlichkeit die Vorteilhaftigkeit einer Entscheidung determiniert.

Marcus Kuhnert

5. Kritische Analyse der Eignung typischer Finanzcontrolling-Instrumente für das internationale Anlagengeschäft

Die im vierten Kapitel entwickelte Systematik funktionaler Anforderungen und formaler Gestaltungsgrundsätze für ein effizientes Finanzcontrolling-System im internationalen Anlagengeschäft erlaubt nunmehr eine kritische Analyse von typischen Finanzcontrolling-Instrumenten, die in der betrieblichen Praxis Verwendung finden. Im Vordergrund des folgenden Kapitels wird daher die Beantwortung der Frage stehen, ob und inwiefern bestehende Instrumente den identifizierten Anforderungen genügen können und damit auch für das Finanzcontrolling unter den besonderen Bedingungen des Anlagengeschäfts in Betracht kommen. Zu diesem Zweck werden ausgewählte praxisrelevante Methoden, Verfahren und Techniken1 — entsprechend dem der Deduktion von Effizienzindikatoren zugrunde liegenden produktionstheoretischen Input-Output-Modell — auf Mängel im Dateninput sowie auf methodische Schwächen der zugrunde liegenden Auswertungsprozeduren überprüft. Darüber hinaus werden als Outputwirkungen die aus den ermittelten Schwachstellen resultierenden Konsequenzen für die Funktionserfüllung des Finanzcontrolling und damit letztlich die Auswirkungen auf die Erreichung der finanzwirtschaftlichen Zielsetzungen aufgezeigt.

Marcus Kuhnert

6. Ansätze zur Erweiterung und Verbesserung des Finanzcontrolling im internationalen Anlagengeschäft

Im fünften Kapitel sind typische und praxisrelevante Finanzcontrolling-Instrumente wie Finanzierungsrechnungen, pagatorische Ansätze der Erfolgsermittlung und übergreifende Koordinationssysteme des Finanzmanagements im Hinblick auf ihre Eignung für die speziellen Belange des internationalen Anlagengeschäfts untersucht worden. Die bei dieser Analyse gewonnenen Erkenntnisse werden nun dazu genutzt, Erweiterungs- und Verbesserungsvorschläge für die wichtigsten identifizierten Schwachstellen zu erarbeiten. Zur Beantwortung der Frage, welches die drängendsten Problembereiche sind, das heißt, an welche Unzulänglichkeiten die nachfolgenden Überlegungen hauptsächlich anknüpfen sollten, ist es ratsam, die Ergebnisse des fünften Kapitels nochmals in Erinnerung zu rufen.

Marcus Kuhnert

7. Schlußbetrachtung

Internationale Anlagengeschäfte sind durch eine Vielzahl charakteristischer Merkmale gekennzeichnet, die diesen Geschäftstyp deutlich von der in der Betriebswirtschaftslehre üblicherweise betrachteten Sorten- und Serienfertigung abheben. An dieser Stelle sind vor allem die hohe Komplexität und Wertigkeit einzelner Aufträge, die langen Projektlaufzeiten, die kundenorientierte Einzelfertigung, Internationalität und eine ausgeprägte Risikostruktur zu nennen. Aus der Unsicherheit über die Entwicklung der Umweltbedingungen und aus den betriebswirtschaftlichen Besonderheiten internationaler Anlagengeschäfte resultieren erhöhte Anforderungen nicht nur an die mit der leistungswirtschaftlichen Projektabwicklung beauftragten Entscheidungsträger. Auch die finanzielle Führung gestaltet sich vor diesem Hintergrund zunehmend schwieriger.

Marcus Kuhnert

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