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22.01.2021 | Finanzcontrolling | Im Fokus | Onlineartikel

Digitale Technologien verbessern Liquiditätsplanung

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
4 Min. Lesedauer

Eine rückläufige Auftragslage, sinkende Umsätze, Kurzarbeit oder gar die drohende Insolvenz zwingen Unternehmen zum Handeln. So passen viele Mittelständler krisenbedingt ihre Geschäftsabläufe und die Liquiditätsplanung an, zeigt eine Umfrage.

Das Liquiditäts- und Finanzmanagement spielt bei einer Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) aufgrund der Corona-Krise eine große Rolle: Für 76 Prozent gehören diese zu den Schwerpunkten der Geschäftsführung. Zu diesem Ergebnis kommt das Marktforschungsinstitut Innofact. Dieses hat im November 2020 im Auftrag des Fintechs Agicap 500 Finanzexperten aus Unternehmen mit einer Mitarbeiterzahl von fünf bis 300 zu ihren Finanzplanungen befragt.

Empfehlung der Redaktion

01.09.2020 | Information & Technologie | Ausgabe 6-7/2020

Digitalization of the Finance Function

Digitalization has considerably transformed the finance functions of large multinational corporations. As researchers of the Stockholm School of Economics, the authors have been witnessing this transformation for several years and received insights into how companies expect digitalization to affect the finance function in the future.

Allerdings sind für 25 Prozent der KMU diese Bereiche erst im Zuge der Covid-19-Pandemie zu einem wichtigen Thema geworden sind. So setzen derzeit 50 Prozent der Betriebe statt digitaler Tools für die Liquiditätsplanung noch immer auf Excel-Tabellen. 35 Prozent der Verantwortlichen in diesem Bereich verbringen mehr als zehn Stunden pro Monat mit manuellen Prozessen im Finanzmanagement. Jeder Zehnte beschäftigt sich laut Umfrage sogar bis zu 20 Stunden pro Monat damit.

Zielorientierte Steuerung der Liquidität ist notwendig

"Cash-Management steht im betriebswirtschaftlichen Sinne für alle Maßnahmen der kurzfristigen Finanzdisposition im Unternehmen. Es hat zur Aufgabe, die Liquidität des Unternehmens, unter Berücksichtigung der Effizienz des Liquiditätsmanagements, sicherzustellen. Eine aktive, zielorientierte Steuerung der Liquidität ist notwendig, um Zahlungsausfälle und Zinsverluste zu vermeiden", betont Volker Lombeck den Stellenwert dieser Aufgaben im Unternehmen. Im Buchkapitel "Liquiditätsmanagement" schreibt er auf Seite 297:

Mit einem Planungshorizont von wenigen Tagen bis zu mehreren Jahren wird versucht, die zukünftige Liquiditätslage des Unternehmens zu prognostizieren. Hierfür werden Informationen über ein- und ausgehende Zahlungsströme benötigt. Cash-Management ist das Steuern des richtigen Betrages, in der richtigen Währung, zum richtigen Zeitpunkt, auf das richtige Konto zur Erzielung der optimalen Erträge und somit die zielorientierte Gestaltung des kurzfristigen Finanzpotenzials eines Unternehmens."

Sachgerechte Überwachung der Liquidität

Zur sachgerechten Überwachung und Bereitstellung der kurz-, mittel- und langfristigen Liquidität raten Günther Gebhardt und Helmut Mansch im Buch "Management und Abbildung von Liquidität und Liquiditätsrisiken" Unternehmen, folgende Bereiche für die Unternehmensfinanzen zu berücksichtigen:

  • Operationalisierung des Liquiditätsbegriffs für die Liquiditätssteuerung,
  • Liquiditätsplanung,
  • Kennzahlen zur Liquiditätssteuerung.

Um diese Anforderungen besser und schneller zu erfüllen, können digitale Lösungen im Rechnungswesen helfen, die etwa tagesaktuell den finanziellen Stand eines Unternehmens zeigen. Verschiedene Lösungen ersetzen zudem die aufwendigen manuellen Prozesse, was eine zeit- und kosteneffizientere Finanzplanung auch in Krisenzeiten ermöglicht. So versprechen sich laut Umfrage drei Viertel (75 Prozent) aller Teilnehmer von entsprechenden Technologien eine verbesserte Einsicht in den zukünftigen Cashflow, um bessere Entscheidungen treffen zu können.

Mit digitalen Tools große Datenmengen strukturieren

Das bestätigt auch Anne Najderek im Buchkapitel "Auswirkungen der Digitalisierung im Rechnungswesen – ein Überblick" (Seite 129): "Innovative Technologien wie Big Data bieten neue Chancen für das Rechnungswesen, bisher zu umfangreiche, unstrukturierte und schnelllebige Datenmengen in neuer Form für Anwendungen zu strukturieren und auswertbar zu machen."

Allerdings ist der Digitalisierungsgrad laut der Springer-Autorin in den Unternehmen höchst unterschiedlich. "Während viele Unternehmen noch mit der Digitalisierung von Basisprozessen beschäftigt sind, setzen sich wenige andere bereits mit innovativen Technologien wie Blockchain, Predictive Analytics oder Künstlicher Intelligenz im Rechnungswesen auseinander", erläutert Najderek. Dennoch geht sie davon aus, dass diese Technologien vor allem in der Unternehmenssteuerung an Relevanz gewinnen.

"So denkt man beispielsweise an die Informationsgewinnung auf Basis mathematisch-statistischer Modelle zur Entscheidungsfindung, Möglichkeiten der Planung durch Predictive Analytics auf Basis besserer Vorhersagen oder auch verbesserte Analysemöglichkeiten durch maschinelle Unterstützungsprozesse", skizziert die Autorin die Vorteile.

Praktische Vorteile bei Bestell- und Zahlungsprozessen

Als Beispiel dienen ihr die unterschiedlichen Bestell- und Zahlungsprozesse, die in den Buchhaltungsabteilungen bearbeitet werden müssen. 

Der Purchase-to-Pay-Prozess bezeichnet den Workflow von der Bestellung beim Lieferanten bis zu seiner Bezahlung, während Order-to-Cash den Prozess von der Kundebestellung bis zu Bezahlung der Ausgangsrechnung durch den Kunden umfasst. Die digitale Verarbeitung der Eingangsrechnungen im Rahmen des Purchase-to-Pay-Prozesses ist aufgrund der vielfältigen Formate von Rechnungen nicht ohne Weiteres in den automatisierten Workflow zu übernehmen", führt Najderek auf Seite 130 aus. 

Im Rahmen des Order-to-Cash-Prozesses stelle hingegen vor allen das Vorhalten zweier paralleler Prozesse für den Versand von Ausgangsrechnung aufgrund unterschiedlicher Erwartung der Kunden (digital versus Papierform) Unternehmen vor Ressourcenfragen. 

Die Anpassung von Schnittstellen und die Homogenität der Systeme von Basissystemen und Prozessen, etwa von der Bestellung bis zur Bezahlung, stelle die Basis für eine weitergehende Digitalisierung dar. "Die Effizienz durch Automatisierung ist damit stark abhängig von der Systemintegration. Dies mag ein Grund sein, warum die bereits genannte Homogenisierung von Basissystemen derzeit immer noch im Fokus digitaler Lösungen steht", so die Wirtschaftsexpertin und Professorin der Hochschule Offenburg.

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