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15.04.2020 | Finanzcontrolling | Schwerpunkt | Online-Artikel

CFOs wappnen sich gegen drohende Rezession

verfasst von: Sylvia Meier

3:30 Min. Lesedauer

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Aufgrund der Corona-Krise hat sich die Weltwirtschaft drastisch verändert. CFOs sehen große finanzielle Probleme auf ihre Unternehmen zukommen. Daher treten die Finanzentscheider laut einer Umfrage vor allem bei Investitionen auf die Bremse, wollen Kosten senken und Schulden abbauen. 

Die Corona-Krise stellt die deutsche Wirtschaft vor große Herausforderungen. Die Regierung versucht, mögliche wirtschaftliche Schäden durch Soforthilfen und Steuerentlastungen abzumildern. Doch für eine positive Grundstimmung unter den Chief Financial Officers (CFO) reicht das nicht aus. Das fand die Beratungsgesellschaft Deloitte in einem CFO Survey zu den Auswirkungen der weltweiten Pandemie auf die Wirtschaft heraus. Analysiert wurden hierfür die Antworten von 79 Finanzvorständen großer deutscher Unternehmen. Obwohl üblicherweise doppelt so viele Befragte teilnehmen, hat sich Deloitte aufgrund der aktuellen Krise entschlossen, Umfrage und Ergebnisanalyse vorzuziehen.

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Rechnungslegung in der Krise

Auch wenn es in der Krise in der Regel an finanziellen und organisatorischen Mitteln fehlt, für eine ordnungsgemäße Rechnungslegung zu sorgen, dürfen diese scheinbar formalen Vorgaben schon allein aus haftungsrechtlichen Gesichtspunkten auf der Ebene der Geschäftsführung nicht unterschätzt werden. Die straf-, steuer- und zivilrechtliche Haftung knüpft vor allem auch an die ordnungsgemäße Rechnungslegung an.

Rezession ist unvermeidlich

Die Ergebnisse zeigen, dass die Geschäftsaussichten deutscher Unternehmen einbrechen. Nur etwa ein Fünftel der befragten CFOs schätzt die Geschäftsaussichten des Unternehmens als unverändert ein. Und die Finanzvorstände reagieren auf diese Entwicklungen. Die Bereitschaft zu investieren ist deutlich gesunken. 63 Prozent der Finanzchefs planen nun weniger Investitionen. Und nahezu die Hälfte geht davon aus, dass die Beschäftigtenzahl sinken wird. 

"Dass eine Rezession unvermeidlich ist, daran besteht kein Zweifel", konstatiert Alexander Börsch, Chefökonom bei Deloitte. "Entscheidend wird sein, wie lange und wie tief diese Rezession gehen wird. Angesichts des heftigen Absturzes bei den Geschäftsaussichten zeigen sich aber bereits jetzt sehr starke Effekte in der Wirtschaft, die vor allem die Investitionsplanung betreffen. Angesichts dessen überrascht es kaum, dass die befragten CFOs eher nicht mit einem schnellen Ende der Krise rechnen." 

Eine Einschätzung, die auch der Internationale Währungsfond (IWF) teilt. Der IWF geht aktuell davon aus, dass die Weltwirtschaftsleistung 2020 um drei Prozent sinken wird, in Europa sogar 7,5 Prozent. So ist eine der größten Sorgen der Finanzentscheider die Liquidität ihres Unternehmens. 

Kosten senken und Schulden abbauen

Wie lange werden die Corona-bedingten Ausgangsbeschränkungen noch gelten? Und wann werden beispielsweise Ladengeschäfte oder Restaurants wieder öffnen? Diese und andere Unsicherheiten stellen die Finanzabteilungen und das Liquiditätsmanagement vor große Herausforderungen. 

In seiner Rolle als Finanz- und Kapitalmarktexperte hat der CFO jederzeit für eine ausreichende Liquidität zu sorgen sowie die finanziellen Risiken im Unternehmen im Rahmen der Risikotragfähigkeit angemessen zu steuern", erklären die Springer-Autoren Matthias J. Rapp, Axel Wullenkord im Buchkapitel "Der CFO als Finanz- und Kapitalmarktexperte" (Seite 145). 

Im Rahmen des Risikomanagements hat der CFO Transparenz über die finanziellen Risiken im Unternehmen herzustellen. Zu den wesentlichen finanziellen Risiken zählen insbesondere das Währungs- und Zinsänderungsrisiko, aber auch das Kontrahenten- und Commodity-Risiko gilt es zu identifizieren, messen und zu steuern", schreiben die Springer-Autoren.

Die größten Risikofaktoren für Finanzentscheider sind laut Umfrage:

  • eine schwächere Inlandsnachfrage (77 Prozent),
  • geopolitische Risiken (60 Prozent),
  • eine schwächere Auslandsnachfrage (59 Prozent) und
  • die mögliche Instabilität des Finanzsystems (49 Prozent).

Laut der Analyse stehen für die CFOs aktuell vor allem Kostensenkungen (79 Prozent) und die Reduzierung von Verschuldung (22 Prozent) auf der Agenda - also klassische Maßnahmen zur Liquiditätssicherung. Denn 63 Prozent der befragten Finanzchefs erwarten einen Umsatzrückgang in den kommenden zwölf Monaten. 42 Prozent gehen davon aus, dass in den nächsten sechs Monaten die Erträge um mehr als zehn Prozent einbrechen.

Firmenkunden bringen Bankensektor unter Druck

Laut Umfrage bekommt vor allem die mögliche Instabilität des Finanzsystems als Risikofaktor deutlich mehr Aufmerksamkeit als in früheren Umfragen. Der Kapitalbedarf vieler Firmen ist in die Höhe geschossen, Aktienkurse sind zugleich eingebrochen. So müssen immer mehr Unternehmen Kredite bei ihrer Bank beantragen. Und die Zahl derer, die aufgrund der Krise in eine Insolvenz rutschen, ist nicht vorhersehbar. Ein Risiko, dass die Finanzbranche stark belastet und laut Bernhard Herz, Professor an der Universität Bayreuth, sogar die Stabilität des gesamten Bankensektors gefährden könnte. 

Dennoch gibt die aktuelle Einschätzung des IWF auch Hoffnung: Sollte die Corona-Krise im zweiten Halbjahr weitgehend unter Kontrolle sein, rechnet der IWF 2021 für Europa mit einem Wirtschaftswachstum von 4,7 Prozent. Eine Prognose, die allerdings ebenfalls mit vielen Unsicherheiten behaftet ist.

Alle tagesaktuellen Beiträge rund um die Corona-Krise finden Sie hier

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