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03.03.2021 | Finanzcontrolling | Im Fokus | Onlineartikel

Basel IV muss in den Fokus des Finanzcontrollings

Autor:
Sylvia Meier
3:30 Min. Lesedauer

Die Spielregeln bei der Kreditvergabe werden mit Basel IV erneut angepasst. Für das Finanzcontrolling ist es daher von großer Bedeutung, sich frühzeitig mit den Anforderungen auseinanderzusetzen. Denn die Regelung wirkt sich auch auf das Rating von Unternehmen aus.

Mit Basel IV kommt ein Regulierungspaket auf Kreditinstitute zu, das auch für Unternehmen Auswirkungen bei der Kreditvergabe mit sich bringt. In Kraft treten die Änderungen im Jahr 2023. Ursprünglich sollten die Banken bereits 2022 die Regulierungen umsetzen. Doch aufgrund der Corona-Krise wurde dies - zur Entlastung von Kreditinstituten und Unternehmen - noch einmal verschoben. Die bisherigen Standards unter der Bezeichnung Basel III werden mit Basel IV noch einmal deutlich verschärft. 

Bernd Zirkler erklärt in seinem Beitrag "Neuer Fokus im Finanzcontrolling":

Das neue Regelwerk basiert weiterhin auf drei Säulen, in welchen die Anforderungen formuliert sind für das vorzuhaltende Eigenkapital, die Verschuldungsbegrenzung, das Risiko- und Liquiditätsmanagement sowie die Offenlegungspflichten. Im Kern verpflichten die neuen Regularien jede Bank dazu, einerseits mindestens ein definiertes Maß an Eigenkapital vorzuhalten, um das Verlustpotenzial aus Kreditausfällen und diversen betrieblichen Risiken kompensieren zu können, andererseits sowohl kurz- als auch langfristig in der Lage zu sein, Liquiditätsengpässe in Stresssituationen zu überstehen."

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Controlling-Aspekte aus der Perspektive von Basel IV

In den vorhergehenden Kapiteln wurden die wesentlichen Inhalte von Basel IV einschließlich ihrer Grundlagen aus Basel II und Basel III dargestellt und daraus zu erwartende Auswirkungen auf Kreditinstitute und KMU abgeleitet. Dabei wurde deutlich, dass das Controlling – bestehend aus dem kybernetischen Kreislauf Planung, Kontrolle, Analyse und Steuerung sowie Information und Kommunikation – bei der Umsetzung und Einführung von Basel IV eine wichtige Rolle spielt.

Verschärfungen können Darlehenskonditionen verschlechtern

Basel IV ist damit nicht nur für Kreditinstitute von Belang. Auch Unternehmen müssen sich damit auseinandersetzen, denn die Kreditvergabe wird hierdurch maßgeblich beeinflusst. So beschreibt Zirkler, dass sich die Eigenkapitalanforderung künftig höher gestaltet. Wie hoch dies ausfallen wird, hängt auch von der Bilanzstruktur des Kreditinstituts ab. Die Folge ist jedoch, dass dies zu schlechteren Darlehenskonditionen für Unternehmen führen kann. Umso wichtiger, dass das Finanzcontrolling sich mit den Feinheiten auseinandersetzt. Hierzu gehören bestimmten Kennzahlen, die das Rating (und damit die Kreditkonditionen) beeinflussen können.

In dem Buch "Controlling und Basel IV in der Unternehmenspraxis" setzen sich die Autoren Bernd Zirkler, Jonathan Hofmann und Sandra Schmolz mit den möglichen Folgen von Basel IV auf kleinere und mittlere Unternehmen auseinander. Sie stellen fest (Seite 187): 

Die Konditionen der Kreditbeschaffung sind noch stärker als bisher von dem mit der Kreditvergabe verbundenen Aufwand und Risiko abhängig. Die Bewertung von Risiken fließt in das Rating ein, welches wiederum bedeutende Aussagen zur Bonität des KMU liefert. KMU sollten daher genau wissen, welche Komponenten bei der Erstellung ihres Ratings herangezogen werden. Sie müssen in der Lage sein, die damit verbundenen Kennzahlen und weitere Unterlagen bereitzustellen."

Hard- und Softfacts im Ratingsprozess

Die Autoren weisen darauf hin, dass sowohl Hardfacts als auch Softfacts im Rahmen des Ratingprozesses berücksichtigt werden. Bei den Softfacts werden beispielsweise unter anderem Unternehmensplanungen, Organisationsstrukturen, Marktstellung und Informationsverhalten berücksichtigt. Bei den Hardfacts wird beispielsweise die Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage und deren Entwicklung aufgeführt. Für die Bank ist auch eine Cashflow-Analyse von Bedeutung. Zudem wird die Bilanzpolitik eines Unternehmens unter die Lupe genommen. Und die Kontodatenanalyse liefert ebenfalls Erkenntnisse. 

Das Controlling sollte sich daher frühzeitig auf diese Entwicklungen vorbereiten. Dabei helfen bestimmte Kennzahlen. So können Unternehmen bereits frühzeitig möglichen Optimierungsbedarf feststellen und entsprechend agieren, damit auch künftig Kredite mit möglichst guten Konditionen beantragt werden können. Als Controllinginstrument bietet sich hier auch die Balanced Scorecard an.

Kennzahlen und Controllingsinstrumente nutzen

Das Finanzcontrolling sollte sich daher laut Zirkler, Hofmann und Schmolz beispielsweise mit folgenden Kennzahlen befassen:

  • Eigenkapital-/Eigenmittelquote,
  • Gesamtkapitalrentabilität,
  • sonstige Kapitalstruktur,
  • Nettoverschuldungsquote,
  • Liquiditätsgrad,
  • Lohnproduktivität,
  • Zinsdeckungsgrad,
  • Limit-Ausschöpfung,
  • durchschnittlicher Saldo,
  • Verhältnis von Haben- und Sollumsätzen,
  • Überziehungen.

Das Controlling sollte zudem darauf achten, erforderliche Unterlagen vorzubereiten. Das sind beispielsweise Jahresabschlussdaten, unterjährige betriebswirtschaftliche Auswirkungen, Finanz- und Liquiditätsplanungen für die folgenden drei Jahre, oder auch Investitionsplanungen.

Die verschärften Anforderungen von Basel IV werden aus Sicht der Autoren dazu führen, dass die Bedeutung des Ratings für die Finanzierungsbedingungen des KMU unter Basel IV tendenziell noch weiter zunehmen wird, als es bisher der Fall war. Das Controlling sollte sich hierauf einstellen und entsprechende Instrumente einsetzen, um Ziele und Kennzahlen zu definieren.

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