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18.05.2021 | Finanzcontrolling | Im Fokus | Onlineartikel

Mit dem Controlling Nachhaltigkeit besser steuern

Autor:
Sylvia Meier
4 Min. Lesedauer

Nachhaltigkeit ist auch für mittelständische Unternehmen ein zentrales Thema. Bei der Umsetzung bleiben Controller jedoch häufig außen vor und Potenziale ungenutzt. Konkrete Ziele und Strategien mit entsprechenden Kennzahlen können das ändern.

Im Zuge der Corona-Pandemie wurde das Thema Nachhaltigkeit in vielen Unternehmen auf der Agenda ganz nach oben gespült - nicht nur bei großen Konzernen, sondern auch bei mittelständischen Betrieben. Das zeigt beispielsweise die Commerzbank-Mittelstandsstudie: Für 82 Prozent der befragten Unternehmen ist Nachhaltigkeit entscheidend für den dauerhaften Erhalt der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Dennoch verfügt nur ein Drittel der Studienteilnehmer über eine konkrete Nachhaltigkeitsstrategie und nur 15 Prozent nutzen die Chancen des sogenannten Green Deal.

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01.04.2021 | Schwerpunkt | Ausgabe 3/2021

"Für uns ist Nachhaltigkeit kein Modethema"

Der Industrie- und Konsumgüterkonzern Henkel hat sich das Ziel gesetzt, bis 2040 ein klimapositives Unternehmen zu werden. Er setzt darauf, in allen Bereichen entlang der Wertschöpfungskette nachhaltig zu agieren. Carsten Knobel, CEO bei Henkel, spricht darüber, weshalb das Thema Nachhaltigkeit für ihn ein wesentlicher Faktor ist, um den künftigen Erfolg des Unternehmens zu sichern.

Die Studie zeigt außerdem, dass rund die Hälfte der befragten Organisationen vor allem deshalb noch zurückhaltend agieren, da Unsicherheiten bei der Kalkulation von Aufwand und Ertrag bestehen und sie Förderprogramme unübersichtlich finden. Dabei erweist sich das Controlling im Hinblick auf die Kalkulationen als wichtiger Ansprechpartner bei der Nachhaltigkeit. Das erläutern Holger Petersen, Michael Lühn, Anne-Katrin Nuzum, Stefan Schaltegger und Julius Wenzig in ihrem Beitrag "Controller als Partner im Nachhaltigkeits-Management": 

Über Jahrzehnte hat das Nachhaltigkeits-Controlling eine ausgereifte Methodik entwickelt, um die Bewertung ökologischer und sozialer Sachverhalte mit betriebswirtschaftlichen Auswirkungen zu verknüpfen, sodass sich Nachhaltigkeitsleistungen als Kosten- oder Erfolgstreiber erkennbar steuern lassen."

Instrumente des Nachhaltigkeitscontrollings

Als hilfreiche Instrumente benennen die Autoren beispielsweise die

  • Umweltkostenrechnung, 
  • Öko-Effizienz-Analyse, 
  • Sustainability Balanced Scorecard oder 
  • Materialflusskostenrechnung.

Bedenkt man, wie wichtig das Thema Nachhaltigkeit für Unternehmen ist, überrascht es doch, dass gerade die Kalkulationen hier offenbar einen Stolperstein darstellen. Die Commerzbank-Studie zeigt, dass bei 90 Prozent der befragten Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit in der Chefetage angesiedelt ist. Verpasst das Management hier also die frühzeitige Einbindung des Controllings? Oder sind Controller in diesem Bereich nicht aktiv genug?

Nachhaltigkeit fehlt in der Controlling-Routine

Das wollten Petersen, Lühn, Nuzum, Schaltegger und Wenzig in einer Stichprobe untersuchen und haben 33 Controller befragt, inwiefern sie mit Nachhaltigkeitsthemen befasst sind. Zwei Drittel gaben an, selten oder nie mit dem Thema betraut zu sein. Als Gründe hierfür gaben sie beispielsweise an:

  • Selbstverständnis: Das Topmanagement setzt die Agenda. Nur selten werden nachhaltigkeitsbezogene Informationen vom Management eingefordert. 
  • Arbeitsroutine: In der täglichen Arbeitsroutine stehen vor allem operative Aufgaben, wie die Betrachtung der finanziellen Auswirkungen der Geschäftstätigkeit, im Fokus. Einige Controller vertreten sogar die Ansicht, das Thema Nachhaltigkeit sei ökonomisch irrelevant oder verursache lediglich Kosten.
  • Psychologische Vorbehalte: Manche Controller fühlen sich bei dem Thema unwohl und würden es bevorzugen, wenn andere Abteilungen sich damit befassen würden.

Controller in Nachhaltigkeitsstrategien einbinden

Setzt also das Management das Thema nicht auf die Agenda und fühlt sich der Controller gleichzeitig nicht zuständig fühlt oder hegt inhaltliche Vorbehalte, laufen Nachhaltigkeitsziele am Controlling vorbei. Dabei müssen Controller laut der Autoren nicht zu Nachhaltigkeitsexperten werden, "um das Nachhaltigkeits-Management methodisch zu unterstützen". Umgekehrt müsse aber das Management bereit sein, den Controller einzubinden: 

Manchen Nachhaltigkeits-Managern wird es vielleicht zunächst schwerfallen, die Datenerhebung, Aufbereitung und Auswertung von Nachhaltigkeitsinformationen aus der eigenen Hand an Kollegen im Controlling weiterzugeben, die dem Thema vielleicht leidenschaftslos oder kritisch gegenüberstehen. [...] Um dieses Dilemma zu überwinden, ist das Top-Management gefordert, klare Nachhaltigkeitsziele zu entwickeln und deren Bedeutung für den unternehmerischen Erfolg deutlich an alle Beteiligten zu kommunizieren."

Finanzbranche treibt ESG-Themen zusätzlich an

Darber hinaus fehlt vielen Unternehmen auch der Überblick zu geeigneten Förderprogrammen. Hier sind vor allem die Hausbanken als erster Ansprechpartner eine wertvolle Informationsquelle. Denn die Finanzbranche befasst sich schon lange mit unterschiedlichen Facetten der Nachhaltigkeit - auch bei eigenen Produkten. So stellt Christian Kemper stellt in seinem Bankmagazin-Beitrag "Alles grün oder was?" (Seite 12) fest: "Green Finance ist das Wachstumsthema in der Bankbranche." 

Dabei biete eine ökonomisch nachhaltige Ausrichtung auch Chancen, die es zu nutzen gelte, zitiert Kemper die ehemalige Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU): "Nur diejenigen Unternehmen und Banken, die ihr Geschäfsmodell und ihre Organisation nach den Kriterien Umwelt, Soziales und guter Unternehmensführung frühzeitig ausrichten, werden sich Vorteile im immer härter werdenden Wettbewerb verschlafen", konstatiert sie. 

"Die ESG-Qualität bleibt ein wichtiger Treiber für Investoren und Wertentwicklung über Unternehmen, Sektoren und Subsektoren hinweg", bestätigt auch Petra Pflaum, Chief Investment Officer for Responsible Investments bei der DWS und seit Ende Mai Mitglied des Sustainable-Finance-Beirats der Bundesregierung gegenüber dem Bankmagazin. Sie fügt hinzu: "Die Integration von ESG-Informationen in der Unternehmensanalyse ermöglicht es uns, wahre ESG-Vorreiter und -Nachzügler zu identifzieren, um von Investitionsmöglichkeiten zu proftieren, aber auch gleichzeitig das Risiko zu reduzieren." Für Controller gibt es also viel zu tun beim Thema Nachhaltigkeit. 

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