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15.07.2016 | Finanzen | Im Fokus | Onlineartikel

Verlieren sich Gazellen im Förderdschungel?

Autor:
Michaela Paefgen-Laß

Gazellenunternehmen sind schwer auf Zack, wenn es darum geht, Umsätze, Belegschaft und Forschungsaktivitäten zu vergrößern. Mit Finanzierungsalternativen scheinen sie aber überfordert.

Warum wachsen manche jungen Unternehmen überproportional schnell (Gazellen), während andere es kaum schaffen ihnen hinterher zu hecheln? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) für die Studie "Schnell wachsende Unternehmen in Deutschland: Charakteristika und Determinanten ihres Wachstums" und fand heraus: Schnell wachsende Unternehmen sind jung, forschungsagil und kaum nachhaltig orientiert. Schnelles Wachstum ist außerdem nicht an Eigentums- und Führungsstrukturen gebunden, wie sie in Familienunternehmen vorherrschen.

Trotzdem können nicht-familiengebundene Gazellen von deren Finanzverhalten einiges lernen, wie die Studie vermuten lässt. Denn Familienunternehmen finanzieren insgesamt mutiger und trauen sich für höhere Renditen eher Investitionsrisiken einzugehen. Das beschleunigt das Wachstum und erklärt, weshalb überproportional viele Familienunternehmen unter den schnell Wachsenden zu finden sind. Hürden bei der Finanzierung empfinden Gazellen aber als generelles Problem.

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Nordrhein-Westfahlen hat die meisten Gazellen

Für die Onlinestudie wertete das IfM von 469 Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten Daten zur Umsatz- und Beschäftigungsentwicklung zwischen 2012 und 2015 aus. Unter ihnen fanden sich 60 Unternehmen, die Wachstumskriterien von Gazellen erfüllten. Schnell wachsende Unternehmen lassen sich demnach folgendermaßen profilieren: Sie sind verglichen mit moderat wachsenden Unternehmen jünger (durchschnittlich 19,8 Jahre zu 42,5 Jahren) und kleiner (durchschnittlich 155 Beschäftigte zu 321 Beschäftigten). Die Gazellen sind hauptsächlich im Verarbeitenden Gewerbe, dem Bergbau und der Energie tätig (27,1 Prozent). Die meisten sitzen in Nordrhein-Westfalen (31,7 Prozent). Im Beobachtungszeitraum steigerten die Gazellen die Zahl ihrer Beschäftigten durchschnittlich um 84,4 Prozent und ihren Umsatz durchschnittlich um 237,1 Prozent.

Was Wachstum beschleunigt und hemmt

Hauptwachstumstreiber sind Aktivitäten in Forschung und Entwicklung. Bei Familienunternehmen kommt als Zusatzeffekt das Finanzierungsverhalten hinzu. Sind Familienunternehmen bereit, Fremdkapital aufzunehmen, steigert sich die Wahrscheinlichkeit auf schnelles Wachstum um 20,4 Prozent während sie bei Nicht-Familienunternehmen auf 5,9 Prozent sinkt. Auch sind Familienunternehmen mit Blick auf die Unternehmenssicherung für folgende Generationen risikobereiter bei Investitionen für höhere Renditen. Damit steigern sie die Wahrscheinlichkeit für schnelles Wachstum um rund 23 Prozent (Nicht-Familienunternehmen 5,7 Prozent). Einen weiteren Vorteil bringen die langjährigen Marktkenntnisse. Kürzere Entscheidungswege in Zeiten des Wandels steigern die Wachstumswahrscheinlichkeit um 19,2 Prozent (vs. 6,3 Prozent).

Wachstumsbarrieren sind im Beschäftigungsabbau, dem gesellschaftlichen oder ökologischen Engagement sowie der Gewinnmaximierung als Unternehmensziel zu finden. Neben der Rekrutierung von Fachkräften gehört der unzureichende Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten zu den Hauptproblemen, über die schnell wachsende Unternehmen klagen. Und das, obwohl die Hürden für Kredite derzeit niedrig sind und der Markt ausreichend alternative Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten bereit hält. Möglicherweise seien diese aber nicht oder nur wenig bekannt oder schnell wachsende Unternehmen benötigten andere Finanzierungsinstrumente, folgert das BfM. 

Viele Fördertöpfe stiften Verwirrung

Deutschland verfügt über eine dichte öffentliche Förderstruktur, von der vor allem kleine und junge Unternehmen bei anstehenden Investitionen profitieren können. Vorausgesetzt, sie finden sich im Dschungel der Möglichkeiten, Töpfe und Programme zurecht. Denn während der Wachstumsphase konzentrieren sich Unternehmen häufiger auf technische Probleme als auf die tragfähige Finanzierung, wissen die Springer-Autoren Christoph Müller, Urs Fueglistaller, Susan Müller, Thierry Volery über die Mechanismen von "Wachstum und Exit" zu berichten.

Schnelles Wachstum könne durch Faktoren wie technologische Durchbrüche, innovatives Marketing, unaufmerksame Konkurrenten oder große Marktbedürfnisse begünstigt werden. Damit stehen Unternehmer aber auch vor der Herausforderung, die Vervielfachung ihres Unternehmens in kurzer Zeit bewältigen zu müssen. Es entstehen Entfremdungsgefühle, die Selbstwahrnehmung von ungenügenden Fähigkeiten und ungenügenden Systeme (Seite 335) sowie ein generelles Gefühl der Überforderung. Darunter leitet auch die Bereitschaft sich Finanzierungsfragen zu widmen.

"Schalten Sie einen Spezialisten ein, der über den Durchblick im Förderdschungel verfügt und der die Ansprechpartner und Entscheidungsträger durch eigene Networking-Aktivitäten persönlich kennt", rät Springer-Autor Rainer Langen in "Erfolgreiches Networking im Förderschungel" (Seite 111). Er erklärt, wie in Phasen der Gründung, des Wachstums oder der Nachfolgeplanung zwischen der Investitionsförderung, die etwa Mittel für die Anschaffung und Herstellung von Gütern bereitstellt und der Innovationsförderung, die Kosten in Verbindung mit Forschungs- und Entwicklungsprojekten deckt, unterschieden wird. Dennoch verleite die Angst vor bürokratischen Hürden während des Genehmigungsverfahrens, den komplexen Programmen und dem Zeitaufwand viele Unternehmer dazu, ihre Projekte ohne Fördermittel anzupacken. 

Unterschiedliche Arten der Förderung (Seite 110):

  • Nicht rückzahlbare Zuschüsse
  • Bedingt rückzahlbare Zuschüsse
  • Steuererleichterungen
  • Zinsverbilligte Darlehen
  • Kredite und Liquiditätshilfen
  • Landes- und Bundesbürgschaften
  • Öffentliches Beteiligungs- und Risikokapital

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2016 | OriginalPaper | Buchkapitel

Wachstum und Exit

Quelle:
Entrepreneurship

2015 | OriginalPaper | Buchkapitel

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Quelle:
Die Sprache der Banken

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