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29.08.2017 | Finanzen | Im Fokus | Onlineartikel

Warum Deutschland für französische Unternehmen attraktiv ist

Autor:
Sylvia Meier

In Deutschland gibt es viele Tochterunternehmen französischer Konzerne. Eine Studie legt offen, was die CFOs dieser Tochterunternehmen an dem Standort so schätzen. 

Nach der Wahl des französischen Präsidenten Emmanuel Macron erhoffen sich viele Wirtschaftsakteure einen Aufschwung im deutsch-französischen Verhältnis. In den vergangenen Wochen sprachen viele Medien bereits vom "Duo Merkel-Macron". Hohe Erwartungen werden nun an die Politik gestellt. Erste gemeinsame Pläne, wie beispielsweise bei der Sicherheitspolitik, werden bereits verfolgt. Doch wie wird sich das Verhältnis wirtschaftlich auswirken? Und welchen Stellenwert genießt Deutschland aktuell bei französischen Konzernen? 

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Die Beratungsgesellschaft KPMG hat im Rahmen einer Studie 100 CFOs der größten deutschen Tochterunternehmen französischer Konzerne befragt. Die Ergebnisse legen offen, wie wichtig der Standort Deutschland für die Konzernstrategie ist. Nicht nur, dass Deutschland als Nachbarland ein wichtiger Handelspartner ist: 

  • 60 Prozent der befragten Tochterunternehmen sind weitgehend unabhängig von ihrer französischen Konzernzentrale tätig, 
  • 29 Prozent leiten sogar von Deutschland aus vier oder mehr Länder, 
  • 71 Prozent der CFOs beurteilen die Situation als gut oder sogar sehr gut. 

Viel Kapital für Investitionen 

Dies hängt vor allem auch damit zusammen, dass Deutschland als sicherer Standort gilt. So werden gerade die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen lobend hervorgehoben. Auch die öffentliche Sicherheit und Infrastruktur werden positiv beurteilt. Für 60 Prozent der befragten CFOs gehört Deutschland außerdem zu den fünf besten Forschungslandschaften in der Europäischen Union. Dies alles wirkt sich auch auf die Investitionsstrategie aus: 

  • 58 Prozent der befragten Unternehmen wollen beispielsweise bis zum Jahr 2020 eine bis zehn Millionen Euro in den Standort Deutschland investieren, 
  • 16 Prozent streben Investitionen von mindestens zehn Millionen Euro an,
  • 23 Prozent werden unter einer Millionen Euro investieren.

Nur drei Prozent der Befragten Finanzentscheider planen für die nahe Zukunft keine Investitionen für ihren deutschen Standort. 

Steuersystem stößt auf Kritik 

Obwohl Deutschland in vielen Bereichen mit guten Rahmenbedingungen punkten kann, sehen die CFOs auch Minuspunkte. Ein Kritikpunkt ist das Steuersystem. Vor allem kleinere Unternehmen fühlen sich hiervon überfordert. Für 36 Prozent der Befragten mit weniger als 100 Millionen Euro Umsatz gehört das deutsche Steuersystem zu den fünf schlechtesten in der EU. Das ist auch nachvollziehbar, bedenkt man, dass das deutsche Steuerrecht für seine Komplexität bekannt ist. So müssen gerade international tätige Unternehmen sich beispielsweise mit den komplexen Regelungen zu Verrechnungspreisen auseinandersetzen. Für die Steuerplanung der französischen Konzerne reicht es also nicht aus, nationale Vorschriften zu kennen. Vielleicht mit ein Grund, warum folgendes aus Frankreich vorschlagen wurde, wie Springer-Autor Jürgen Hartmann in seinem Buchkapitel "Die Eurozone, die europäische Wirtschaftspolitik und die EZB" (Seite 197) aufführt: "Eine eurozonale Wirtschaftsregierung, die einen eurozonalen Haushalt beschließen könnte, in ganz ähnlicher Weise, wie die EZB einen gemeinsamen europäischen Leitzins verordnet, gibt es nicht, obgleich die Idee immer mal in die Debatte gelangt. Zuletzt wurde sie vom jüngst (2017) gewählten französischen Präsidenten Macron in der Variante eines eurozonalen Investitionshaushalts und eines europäischen Finanzministers ins Spiel gebracht." 

Zusammenarbeit in der Politik 

Eine gemeinsame Währung in der EU und doch unterschiedliche Steuersysteme stellen viele Unternehmen also vor Herausforderungen. Doch laut Hartmann wäre dies mit einer besseren Abstimmung der Regierungen gut zu bewältigen (Seite 186): "Das Nebeneinander von einheitlicher Währung und pluraler Fiskalpolitik wäre an sich kein Problem, würden sich die Regierungen mit ihrer Ausgaben-, Steuer- und Schuldenpolitik nur, wie von den Verträgen verlangt, aufeinander abstimmen." Mit Spannung wird erwartet, welche Entwicklungen die Abstimmungen zwischen Bundeskanzlerin Merkel und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron künftig im Wirtschaftsbereich mit sich bringen werden.

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