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28.11.2016 | Finanzierung | Im Fokus | Onlineartikel

Nachhaltige Kapitalanlagen holen auf

Autor:
Barbara Bocks

Nachhaltigkeit spielt bei Kapitalanlage-Entscheidungen von Unternehmen eine zunehmend wichtige Rolle. Wie hat sich der europäische Markt für diese Anlagen in den vergangenen Jahren entwickelt?

Ethisch und ökologisch korrekte Anlageklassen werden europaweit immer beliebter. Sie konnten von 2013 auf 2015 europaweit ein Plus von 146 Prozent verzeichnen. Das hat das European Forum for Sustainable Investment (Eurosif) in der kürzlich veröffentlichten "SRI [sustainable und responsible investment] Study 2016" herausgefunden. Die beliebteste nachhaltige Anlagestrategie mit einem Volumen von knapp zehn Billionen Euro sind Ansätze, die Investments in bestimmte Geschäfte ausschließen, so genannte Exclusions. Das ist laut Ecosif ein Anstieg zu 2013 von knapp 48 Prozent. Führende Länder sind die Schweiz mit 2,5 Billionen Euro sowie Großbritannien und Deutschland mit jeweils knapp 1,8 Billionen Euro.

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Seit in Deutschland der SRI-Ansatz für nachhaltige Anlageklassen eingeführt wurde, gibt es laut Ecosif folgende Top 5 Ausschlusskriterien: 

  • Waffen (Produktion und Handel)
  • Kernenergie
  • Pornografie
  • Verletzung von Menschenrechten
  • Tabak

Verantwortungsvolle Anlagestrategien haben auch schon zwischen 2011 und 2013 in Europa laut der Vorgängerstudie "SRI Study 2014" von Ecosif zweistellige Wachstumsraten erzielt. Allein die Assets, die Ausschlusskriterien unterliegen, haben demnach in diesem Zeitraum um 91 Prozent zugelegt. Sie deckten 2013 mit fast sieben Billionen Euro 41 Prozent der professionell gemanagten Vermögen in Europa ab, wie Stefanie Hüthig, Chefredakteurin von Bankmagazin, in ihrem Artikel "Nachhaltigkeit wird zum Wirtschaftsfaktor" ausführt. 

Bessere Fremdfinanzierung für Unternehmen 

Für Unternehmen lohnt sich ein Engagement für Nachhaltigkeit nicht nur für die Reputation, sondern auch bei der Fremdfinanzierung. Geringere Risiken, eine bessere finanzielle Performance und niedrigere Kapitalkosten sind die Folge, schreibt Hüthig in ihrem Beitrag. So können Unternehmen mit geringen ökologischen Risiken beispielsweise einen bis zu 40 Basispunkten niedrigeren Credit Spread vorweisen. Das haben Forscher 2010 herausgefunden. Niedrigere Kosten wirken sich wiederum entsprechend positiv auf die Gewinnentwicklung aus.

Definition von nachhaltigen Geldanlagen 

Fonds, die mit Ausschlusskriterien, so genannten Ausschluss-Overlays, arbeiten, werden allerdings eher "im weiteren Sinne als nachhaltige Anlagen" bezeichnet, wie Claudia Tober vom Forum nachhaltige Geldanlage (FNG) in dem Buch "CSR und Finanzratings" (Seite 68) beschreibt. Denn sie schließen selten mehr als ein Kriterium aus und fallen daher nicht in die offizielle Kategorie "Nachhaltige Geldanlagen". 

Viele institutionelle Anleger 

Der gesamte Investmentfondsmarkt hatte 2015 in Deutschland laut Angaben des Bundesverbands für Investment und Asset Management eV (BVI) ein Volumen von 2,6 Billionen Euro. Davon waren 2015 laut Ecosif rund 2,7 Prozent, also knapp 70 Milliarden Euro, in nachhaltige Anlagen, ohne Berücksichtigung von Asset Overlays, investiert. Knapp 85 Prozent der deutschen Investoren nachhaltiger und verantwortungsvoller Anlagen sind laut der Ecosif-Studie institutionelle Anleger. Die übrigen sind Retailanleger. 70 Prozent der Investoren investieren in erneuerbare Energien und 25 Prozent in Energieeffizienz. In den vergangenen zwei Jahren ist die Integration der internationalen Nachhaltigkeitskriterien, der so genannten Environment Social Governance-Ziele (ESG), zur zweitwichtigsten SRI-Strategie in Deutschland nach den Ausschlusskriterien geworden.

Keine gesetzlichen Standards 

Eine wichtige Änderung in Deutschland war 2015 laut Ecosif die Einführung des FNG-Siegels. Dieses Siegel für nachhaltige Publikumsfonds hat das FNG gemeinsam mit Finanzfachleuten und Akteuren der Zivilgesellschaft in einem dreijährigen Austausch erarbeitet. Das Siegelkonzept wird laut Angaben des FNG "zusammen mit einem unabhängigen Komitee stetig weiterentwickelt werden und so an die Dynamik des nachhaltigen Investmentmarkts und an neue Anforderungen angepasst". Laut der Verbraucherzentrale Bremen gibt es allerdings weiterhin keine gesetzlich festgelegten Standards für ethisch-ökologische Finanzprodukte.

Überschaubare Marktanteile

Eine weitere deutsche Besonderheit im europäischen Vergleich ist "der hohe Anteil an Nachhaltigkeitsbanken", etwa der Umweltbank, der Steyler Ethik Bank oder der GLS-Bank, deren Investmententscheidungen laut Ecosif auf zahlreichen ethischen Kriterien wie den ESG-Regeln beruhen. Der Marktanteil nachhaltiger Banken ist jedoch noch sehr gering: Im Jahr 2015 hatten alle Spezialinstitute in diesem Segment laut Statista Kundeneinlagen in Höhe von 29,3 Milliarden Euro in den Büchern. Zum Vergleich: Allein die Commerzbank verzeichnete laut ihres Geschäftsberichts 2015 knapp 258 Milliarden Euro an Kundeneinlagen. Der Anteil sozial-ökologischer Banken am gesamten deutschen Privatkundenmarkt lag der "Zeb Social Banking Study 2012" zufolge bei nur 0,2 Prozent. Damit korrespondiert laut Zeb die Zahl von zusammen knapp 230.000 Kunden Ende 2011, die in nachhaltige Geldanlagen investieren. 

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